Empfehlen | Drucken | Kontakt09.07.2010 - 18:29 Uhr

Poldi-Satire: Löw prüft Klage gegen 1Live

Joachim Löw fühlt sich von der Einslive-Comedy verunglimpft.
Joachim Löw fühlt sich von der Einslive-Comedy verunglimpft.
Foto: dpa
Erasmia –  

Was ist Satire? Und wo ist die Grenze zwischen Humor und Verunglimpfung? Diese Fragen könnten jetzt wieder die Gerichte beschäftigen.

Nach EXPRESS-Information prüft Bundestrainer Joachim Löw eine Klage gegen den öffentlich-rechtlichen Radio-Sender 1Live. Es geht mal wieder um das berüchtigte Lukas´ WM-Tagebuch. Am 5. Juli nannte sich die Folge „Politik“. Lesen Sie mal, was Poldi-Imitator Jan Böhmermann da alles vom Stapel ließ.

Lukas: „Ich bin Linksaußen. Meistens spiel' ich nach vorn, außer, wenn Jogi sagt: Lukas, du musst auch mal hinten helfen. Dann sag, ich meistens: Ey, Babykaschmir, ich helf dir gleich hinten. Aber warum muss ich dir eigentlich hinten helfen? Hat Hansi Flick wieder Migräne, oder was?“

Ist das lustig? Ist das tatsächlich Satire? Oder wird der Bundestrainer sozusagen „hinten herum“ verunglimpft und beleidigt? Löws Berater Roland Eitel sagte dem EXPRESS: „Ich habe diese Folge Rechtsanwalt Christoph Schickhardt übergeben. Er wird diese Angelegenheit jetzt prüfen.“

Ob der renommierte Jurist tatsächlich etwas wegen Verunglimpfung unternehmen kann, ist allerdings fraglich. Das musste bereits Lukas Podolski vor vier Jahren schmerzlich zur Kenntnis nehmen.

Poldi hatte eine Unterlassungsklage gegen den WDR eingereicht. Er fühlte sich durch Lukas' Tagebuch während des Sommermärchens 2006 falsch wiedergegeben. „Das ist ohne Niveau und verletzt mich“, erklärte er damals und beauftragte den bekannten Medienanwalt Dr. Christian Schertz.

Allerdings erfolglos. Der Berliner Jurist wollte eine einstweilige Verfügung gegen das Hörfunkprogramm erwirken. Das wurde abgelehnt. Schließlich wollte er im Klagewege die Satire wegen „Verunglimpfung“ untersagen lassen. Auch das wurde wieder abgeschmettert.

Der WDR berief sich auf das Recht der Meinungsfreiheit, Kunstfreiheit und bekam damit vor Gericht recht. Poldi sei eben nur eine Kunstfigur, die selbst bei seinen Fans große Sympathie habe.

Der Nationalspieler hat seine eigenen Schlüsse daraus gezogen. Seit vier Jahren verweigert er den WDR-Hörfunkreportern konsequent Interviews. Auftritte im ARD-Fernsehen sind höchst selten. Für den Kölner Stürmer ist der Angriff auf Löw „bösartig“ und „passt ins Bild“.

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