Empfehlen | Drucken | Kontakt28.02.2010 - 21:14 Uhr

Sie kann wieder lachen: Happy Anni

Von UEW BÖDEKER
Foto: dpa
Vancouver –  

Serviert wird eine Tomaten-Kreuzkümmel-Suppe. Anni Friesinger-Postma und ihre Mannschaftskolleginnen Stefanie Beckert, Daniela Anschütz-Thoms und Katrin Mattscherodt hauen kräftig rein. Dazu ein Gläschen Sekt. Gold-Laune bei den deutschen Eisschnellläuferinnen im Deutschen Haus.

Sexy Anni kann befreit lachen, dabei erlebte sie den denkwürdigsten Tag ihrer Karriere. Im Halbfinal-Rennen gegen die USA war Anni ins Straucheln geraten, dann wenige Meter vor dem Ziel gestürzt.

„In der vorletzten Kurve habe ich einen Fehler gemacht, wäre fast gestürzt, bin ins Straucheln geraten und habe den Anschluss an Beckert und Anschütz verloren“, schildert sie EXPRESS die Situation: „Ganz laut habe ich gerufen, doch die Fans tobten, die Kolleginnen haben mich nicht gehört. Unsere Trainer haben gewedelt, damit die beiden vorne etwas langsamer fahren und auf mich warten, aber die beiden haben gedacht, sie sollen jetzt richtig Gas geben, da waren sie weg.“ Alles aus? Nein!

Anni fightet: „Ich habe versucht, mich nochmal ranzukämpfen, bin dann aber vor Schwäche, die Power war einfach weg, hingefallen. Mit letzter Kraft habe ich im Rutschen den Fuß nach vorne gekickt, denn die Zeitnahme erfolgt über einen Transponder am Schuh. Als ich im Ziel war, habe ich gedacht: So ein Mist, ich habe alles versaut. Doch dann habe ich hochgesehen, und alles war wieder gut.“

Auf der Anzeigetafel stand hinter Deutschland die 1, die USA war knapp besiegt, von der rutschenden Anni. Wie sie da so übers Eis glitt, das hatte etwas von Schwimmübungen.
Trainer Markus Eicher lüftet ein Geheimnis: „Ich war früher auch Schwimmlehrer in Inzell. Jedes Kind aus dem Ort hat bei mir schwimmen gelernt. Auch Anni, im Alter von vier Jahren. Jetzt hat es sich ausgezahlt.“

Dank Annis Schwimmkünsten schaffen es die Eis-Frauen ins Finale. Dort fährt dann Katrin Mattscherodt für die völlig erschöpfte Friesinger. Wieder wird das Rennen ein Drama: Die Japanerinnen liegen teilweise 1,7 Sekunden vorne. Doch in der Schlussrunde holen die deutschen Mädels auf, siegen am Ende mit zwei Hundertstel Vorsprung.

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Friesingers Mann Ids Postma verfolgt alles live auf seinem Bauernhof in Holland. Anni: „Er hat in der Nacht noch eine Party gemacht mit Freunden.“

Sie selber ist völlig fertig nach monatelanger Quälerei: „Ich war immer Leistungsträgerin, aber dieser Winter, der eigentlich so gut werden sollte, war eine einzige Katastrophe. Ich war oft verletzt, das Knie hat mich die ganze Saison geärgert. Deshalb wäre ich mit Bronze zufrieden gewesen. Gold ist einfach nur genial.“ Die Quälerei hat sich gelohnt: Happy Anni kann wieder lachen!

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