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Was Freihandel für Verbraucher heißt: Billigjeans und Chlorhühner?

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Billigjeans und Co.- Billiger einkaufen, größere Auswahl und womöglich keine Angst mehr vor dem Zoll.
Billigjeans und Co.- Billiger einkaufen, größere Auswahl und womöglich keine Angst mehr vor dem Zoll.
Foto: dpa

Billiger einkaufen, größere Auswahl und womöglich keine Angst mehr vor dem Zoll: Falls sich die große Politik tatsächlich auf eine Freihandelszone der EU mit den USA einigt, hätte das auch Vorteile für die Verbraucher. Aber es gibt neue Sorgen.

Ein Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA - das hätte nicht nur Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, sondern auch auf jeden einzelnen Verbraucher. Egal, ob es um den Kauf eines neuen Autos, um die schnellere Zulassung von Medikamenten oder die Auswahl an der Fleischtheke geht.

Würde das Einkaufen in den USA einfacher?
Hier gehen die Meinungen auseinander. Letztlich hängt es wohl von den endgültigen Vereinbarungen ab. Nicht jedes Freihandelsabkommen ist gleich.

Wie sieht die derzeitige Regelung aus?
Bisher kann - trotz günstigen Dollar-Kurses - eine Shopping-Tour in New York oder die Bestellung übers Internet im Nachhinein ziemlich teuer werden. Für Heimkehrer von USA-Reisen gilt bis zu einem Warenwert von 430 Euro eine Freimenge. Dann werden Mehrwertsteuer und Zoll in unterschiedlicher Höhe fällig: Jeans werden anders berechnet als Computer. Bis 700 Euro gilt eine Pauschalregel von 17,5 Prozent. Wer nicht zahlen will und sich am Flughafen beim Schmuggeln erwischen lässt, hat richtig Ärger.

Würde all dies in einer Freihandelszone künftig wegfallen?
Viele hoffen darauf. Das Argument: Wenn Zölle für Konzerne wegfallen, dann ja wohl auch für Privatleute. Im Finanzministerium dämpft man die Erwartungen. Es handele sich schließlich um ein Handels- und nicht um ein Zollabkommen. Für den privaten Reiseverkehr ändere sich nichts. Die USA seien immer noch ein Drittland. Also wäre oberhalb von Freigrenzen weiter Zoll und Steuer fällig.

Würde tatsächlich vieles billiger?
Möglich, aber nicht sicher. Ohne Zölle, Quoten und andere Handelsbarrieren könnte billiger produziert werden. Gespart würde auch durch einheitliche Standards - zum Beispiel, wenn bei Autos keine unterschiedlichen Rückspiegel, Stoßstangen oder Blinker mehr eingebaut werden müssten, je nachdem, ob es in die USA oder nach Europa geht. Der Präsident des Autoherstellerverbandes VDA, Matthias Wissmann, sagt: „Autos könnten - wenn alle Handelshemmnisse beseitigt werden - um einige hundert Euro günstiger werden.“ Für andere Bereiche ist das ähnlich. Nur: Ob die Konzerne den Preisvorteil an die Verbraucher weitergeben oder als Gewinn einstecken, weiß niemand.

Müssen Europäer jetzt vor Genmais und Chlorhähnchen Angst haben?
Gerade bei der Herstellung von Lebensmitteln gibt es große Unterschiede. Dass Hähnchen mit Chlor desinfiziert, Fleisch mit Hormonen behandelt oder andere Lebensmittel durch Gentechnik verändert werden, ist vielen Europäern ein Graus. Im Gegenzug halten Amerikaner Rohmilchkäse für unhygienisch. Im Agrarbereich werden deshalb besonders schwierige Verhandlungen erwartet. Der Handelsexperte Mirko Klimas vom Verbraucherzentrale Bundesverband sagt voraus: „Es ist nur schwer vorstellbar, dass die USA bereit wären, sich auf das bisherige weitgehende Verbot von gentechnisch veränderten Waren einzulassen.“

Besteht die Gefahr, dass Verbraucherrechte eingeschränkt werden?
In der Europäischen Union wurden die Rechte von Verbrauchern in den vergangenen Jahren deutlich gestärkt. In den USA dagegen sind die Unternehmen immer noch stark im Vorteil. Die Verbraucherzentralen vermuten deshalb: „Die Gefahr, dass Verbraucherrechte wieder abgeschafft werden, besteht. Handelsabkommen zwingen häufig zu Deregulierung. Deshalb müssen die Auswirkungen auf Verbraucher genau geprüft werden.“

Würde zwischen Europa und den USA alles vereinheitlicht?
Gemach, gemach. Selbst wenn man sich über eine Freihandelszone einig wird: Es würde Jahrzehnte dauern, bis die vielen Unterschiede beseitigt wären - angefangen von Auto-Stoßstangen über Crash-Tests bis hin zu den Zulassungsregeln für Tabletten. Der Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes BGA, Jens Nagel, meint: „Hier gibt es seit Jahrzehnten unterschiedliche Standards, die sich nicht in wenigen Jahren angleichen lassen.“ Man kennt das aus Europa: In britische Steckdosen passen deutsche Stecker auch nach 40 Jahren Binnenmarkt noch nicht.

Gleich geht s weiter: Bitte einfach kurz die Frage zum Spot beantworten.

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