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Wunder-Doc Bolt widmet „Stückchen“ Gold Müller-Wohlfahrt

Ein Stückchen Gold widmet Usain Bolt diesem deutschen Arzt: Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wolfahrt aus München.

Ein Stückchen Gold widmet Usain Bolt diesem deutschen Arzt: Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wolfahrt aus München.

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Getty Images Lizenz

London -

Usain Bolt wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte. „Ein Stück dieser Medaille geht auch nach Deutschland“, sagte der Olympia-Superstar aus Jamaika nach seinem Gold-Lauf über 100 Meter. „Mull“ sei schlicht und einfach „der beste Arzt auf der Welt“.

Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, wie der Mull mit richtigem Namen heißt, wird’s mit einem sanften Lächeln vernommen haben. Der Star-Orthopäde aus Grünwald, der die Nationalmannschaft und den FC Bayern betreut, zählt Bolt schon seit Jahren zu seinen Patienten.

„Fünf von den acht Teilnehmern aus dem 100-Meter-Endlauf der WM 2009 in Berlin waren zuvor hier“, erzählte Müller-Wohlfahrt kürzlich im SZ-Magazin. „Ich habe gesagt: Nächstes Mal machen wir den Endlauf gleich in München, im Olympiastadion.“

Zuletzt war Bolt (25), der von Geburt an Probleme mit der Wirbelsäule hat, Anfang Juli beim Doc seines Vertrauens in der Münchner Dienerstraße. Nach den Niederlagen gegen Landsmann Yohan Blake bei Jamaikas Olympiaausscheidungen hatte er über Oberschenkelprobleme geklagt, die möglicherweise vom Rücken ausstrahlen.

Müller-Wohlfahrt behandelte den Rekordsprinter mit Kälteschocks per flüssigem Stickstoff (Kryotherapie), auch synthetisch hergestelltes Hahnenkamm-Extrakt das eine Verbesserung der Gleitfähigkeit im Gelenk bewirkt, soll Bolt gespritzt worden sein.

„Er hat mich behandelt und gesagt, dass ich bei den Spielen Großes leisten werde“, erzählte Bolt. „Er ist mehr als mein Arzt. Er führt mich zum Essen aus und kümmert sich um mich. Ich danke ihm und den Frauen in seiner Praxis.“

Müller-Wohlfahrt hat jahrzehntelange Erfahrung in der Behandlung von Wirbelsäulenproblemen. „Dass im Bereich der Wirbelsäule gereizte Nervenwurzeln die von ihnen versorgten Muskeln falsch ansteuern und nach meiner Einschätzung in über 90 Prozent aller Muskelverletzungen ursächlich beteiligt sind, habe ich schon Ende der Achtziger festgestellt“, sagt er.

Seine heilenden Hände erklärt der ewig jung wirkende Niedersachse, der am Sonntag 70 wird, so: „Ja, ich sehe mit den Fingern. Das ist, als ob Sie ein Anatomiebuch aufschlagen – ich sehe die Muskeln einzeln und übereinander, nebeneinander.“ Und weiter: „Ich habe ungefähr 35.000 Muskelverletzungen diagnostiziert und im Gedächtnis abgelegt. Diese Speicherbilder, sogenannte Engramme, kann ich jederzeit abrufen.“

Womit wir wieder bei Bolt wären. Der ruft seine volle Leistung dann ab, wenn“s drauf ankommt. „Wenn es um die Titel geht, bin ich da“, sagt er. „Ich bin fokussiert und bereit. Also bin ich hierhergekommen und habe der Welt gezeigt, dass ich der Beste bin.“

„Usain hat seinen Erfolg seinem unglaublichen sportlichen Talent, seiner harten Trainingsarbeit und seinem unbändigen Willen zu verdanken“, betonte der Münchner Doc. „Dass ich in seinem Team, das ihm beste Voraussetzung für seine Leistungen schafft, dabei sein darf, ehrt mich.“

Die Welt verneigt sich vor dem 1,93-Meter-Mann. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière wurde im Stadion zum Bolt-Fan. „Er hat in vielerlei Hinsicht beeindruckt“, sagte der 58-jährige CDU-Politiker. „Das Erste ist, wie man so gut laufen kann bei einem so saumäßigen Start.“

Zweitens habe ihn Bolts Lockerheit beeindruckt. „Wie er so locker ist und dann die Leistung bringt, das können vielleicht nur Leute aus Jamaika.“ Auch der Londoner Guardian ist begeistert: „Usain Bolt ist der Größte. Das waren 9,63 atemberaubende Sekunden. Er besiegelt damit seine eigene Legende.“

Moment! „Ich bin einen Schritt näher dran, eine Legende zu werden“, sagt Bolt. „Aber es war nur der erste Schritt, ich muss noch über die 200 Meter ran. Ich werde nie sagen, dass ich der Größte bin, bevor ich die nicht gewonnen habe.“ Am Freitag um 21.55 Uhr deutscher Zeit sollte es so weit sein.