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WM-Experte: Ballack: Löw MUSS Weltmeister werden – sonst ist er weg!

Ex-Nationalspieler Michael Ballack wird für unsere Zeitung die WM kommentieren.

Ex-Nationalspieler Michael Ballack wird für unsere Zeitung die WM kommentieren.

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imago sportfotodienst

Der Capitano, Big-Ballack! Ab sofort schreibt Michael Ballack (37) exklusiv in Deutschland für unsere Zeitung.

In seinen Kolumnen erklärt der 98-fache Nationalspieler, wie Deutschland Weltmeister werden kann. Was Bundestrainer Joachim Löw (54) tun muss, damit die DFB-Elf den Fußball-Olymp in Brasilien besteigen kann. Der Vize-Weltmeister von 2002 schaut in das Innenleben der Mannschaft, er beobachtet, analysiert, lobt und kritisiert. Hart, aber fair.

Michael Ballack wird das Geschehen bei der WM hautnah miterleben. Für den weltweit größten Sportsender ESPN tritt er ebenfalls als Experte auf. Von Rio de Janeiro aus wird der dreimalige deutsche Fußballer des Jahres täglich auf Sendung sein. Außerdem schreibt der Vize-Welt- und Europameister Kolumnen für die angesehene britische Tageszeitung „The Times“.

In Deutschland wird Ballack für unsere Zeitung schreiben. Das Honorar stiftet er einer sozialen Institution.

Herr Ballack, muss Joachim Löw Weltmeister werden?

Er muss sich am WM-Titel messen lassen. Die Erwartungen an Deutschland sind riesengroß. Und das ist auch verständlich. Denn die Mannschaft hat die Qualität, Weltmeister werden zu können.
Löw hat im EXPRESS-Interview erklärt, dass er auch im Falle eines frühzeitigen Scheiterns weiter Bundestrainer bleibt. Er wolle seinen Vertrag bis 2016 erfüllen. Halten Sie das für realistisch?
Der Vertrag mit ihm wurde auch verlängert, damit während der WM keine Unruhe aufkommt und lästige Fragen gestellt werden. Strategisch war das klug vom DFB. Aber ich denke, dass Löw bei einem frühen Aus nicht weitermachen wird. Der Druck, der dann auf ihm lasten würde, wäre zu groß.

Und wenn er den Titel holt?

Auch dann wird er wahrscheinlich aufhören. Denn nach einem WM-Titel gibt es keine Steigerung mehr.

Manuel Neuer ist verletzt, Kapitän Philipp Lahm auch. Wird das Deutschland zurückwerfen?

Nein. Ich erinnere mich an 2002. Da reiste ich mit einer Mittelfußverletzung zur Nationalmannschaft. Trotzdem haben die Mannschaft und ich ein tolles Turnier gespielt. Wir wurden Vizeweltmeister, haben nur sehr unglücklich gegen Brasilien verloren. Vielleicht ist es für Neuer auch mal gut, einfach einmal ein paar Tage durchzuschnaufen, Kraft zu tanken. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Lahm und Neuer werden alles dafür tun, um bei der WM dabei zu sein.

Und wenn Neuer ausfallen sollte...

Das wäre ein Riesenverlust. Er ist der weltbeste Torhüter. Er hält Unhaltbare, er kann Spiele entscheiden. Aber: Sollte dieser Fall eintreffen, wäre Roman Weidenfeller ein guter Ersatz. Bei ihm habe ich ein gutes Gefühl.

Sollte Lahm im Mittelfeld auf der Sechs spielen?

Nein. Auf dieser Position sind wir gut besetzt. Ich sehe ihn, auch wenn Philipp das nicht gerne hört, auf der linken Abwehrseite. Das ist unsere Schwachstelle. Philipp würde diese Lücke perfekt schließen. Rechts könnten dann entweder Jérôme Boateng oder Benedikt Höwedes spielen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter, was Ballack über weitere Sorgenkinder und einen möglichen WM-Star sagt.

Wie wichtig wird es sein, dass Sami Khedira rechtzeitig fit wird?

Sehr wichtig. Wenn Löw ihn mitnimmt, sollte er ihn auch spielen lassen. Sami ist ein zentraler Spieler. Er ist ein Typ, der eine große Ausstrahlung besitzt, eine gute Körpersprache hat, die dem Gegner signalisiert: Gegen uns ist nichts zu holen.

Ein Typ wie Sie eben?

Ballack (lacht): Na ja, es schadet ja nicht, wenn man mal dazwischenhaut.

Ist das deutsche Team zu brav?

Unser Spiel hat sich verändert. Wir haben seit einigen Jahren sehr viele gute überragende Techniker. Götze, Reus, Özil oder Kroos. Sie verfügen über eine riesige Qualität. Aber in engen Spielen, wie bei der EM gegen Italien, brauchst du auch eine

Gewinnermentalität. Da muss du auch mal dazwischengehen, da musst du zeigen: Nur wir gehen heute als Sieger vom Platz.

Haben wir denn diese echten Kerle?

Die Mischung macht es aus, die muss stimmen. Du brauchst fußballerische Qualität – die haben wir. Aber du musst dich auch mal reiben, anecken. Reibung erzeugt Energie. Und diese Energie musst du in positive Bahnen lenken. Eine gute Mannschaft verkraftet es, wenn es auch einmal hoch hergeht.

Mesut Özil ist so ein Beispiel: Kritiker sagen, in wichtigen Spielen würde er sich verstecken...

Mesut hat die Qualität, in jeder Mannschaft der Welt spielen zu können. Aber einige Experten haben ihn noch nicht einmal in der Stammformation für Brasilien. Da muss es doch in ihm kochen, da muss er sich zu Wort melden, das darf er nicht so einfach schlucken. Er muss signalisieren: An mir geht kein Weg vorbei. Er muss Jogi im Training zeigen: Trainer, ich bin hungrig, ich will spielen, an mir kommt niemend vorbei, ich will den Titel.

Bastian Schweinsteiger ist ein Sorgenkind. Er kommt nicht in Tritt. Muss Löw ihn zu Hause lassen?

Nein. Wenn Bastian 90 Prozent fit ist, MUSS er spielen. Es gibt Spieler, auf die kann man nicht verzichten – Bastian gehört dazu. Er hat eine ungeheure Ausstrahlung, er kann auf dem Platz Dominanz ausstrahlen, er ist ein Leader. Aber er ist nur dann gut, wenn er sich auch gut fühlt.

Wie meinen Sie das?

Man spürt bei ihm sofort, wenn irgendetwas nicht stimmt. Wenn er eine kleine Verletzung mit sich herumträgt. Dann merkt man, dass er sehr stark mit sich selber beschäftigt ist.

Sollte er dann nicht zu Löw gehen und sagen: Trainer, lass mich lieber raus...

Ballack (lacht): Wenn du bei einer WM freiwillig vom Platz gehst, bist du kein Vollblutprofi. Nein, das ist die Sache vom Trainer. Joachim Löw kennt Basti seit Jahren. Wenn er merkt, dass er nicht fit ist, muss er ihm diese harte Entscheidung abnehmen.

Welcher deutsche Spieler könnte der WM-Star werden?

Mario Götze! Von seinen Anlagen her ist er der beste Spieler, den wir haben. Er kann unfassbare Dinge. Ihm fehlt lediglich etwas der Rhythmus. Aber wenn er richtig geführt wird, kann er in Brasilien durchstarten.

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