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Turnerin Chusovitina: Die Kampfrichter sind vielleicht sauer, dass ich schon wieder dabei bin

Oksana Chusovitina (r) and Janine Berger (li) mit unserem Reporter Uwe Bödeker.

Oksana Chusovitina (r) and Janine Berger (li) mit unserem Reporter Uwe Bödeker.

London -

Diese Frau ist der Hammer! Oksana Chusovitina (37) absolviert in London ihre sechsten Olympischen Spiele. Als Turnerin der damaligen Sowjetunion holte sie 1992 in Barcelona Mannschaftsgold. Später startete sie für ihr Heimatland Usbekistan, bevor sie 2006 in Deutschland eingebürgert wurde. Ein Schicksalsschlag in der Familie brachte sie nach Köln.

Chusovitinas Sohn Alisha (heute 13) war 2002 an Leukämie erkrankt, er wurde an der Universitätsklinik behandelt, also zog auch Oksana an den Rhein, wo sie bei Toyota Köln an der Sporthochschule auch perfekte Trainingsbedingungen vorfand. 2008 folgte dann mit Silber im Sprung in Peking erneut eine olympische Medaille.

Vor dem Finale am heutigen Sonntag nahm sich Oksana mit ihrer 16-jährigen Teamkollegin Janine Berger (startet heute auch im Sprung-Finale) Zeit für das große Olympia-Generationen-Interview.

Hat sich bei Olympia eigentlich beim Leben im Athleten-Dorf viel verändert seit 1992?
Chusovitina: Eigentlich nicht. Es geht so freundschaftlich zu. Die Atmosphäre ist immer gleich faszinierend geblieben.

Nur Sie werden anders behandelt!
Chusovitina: Ja, es kommt schon öfter vor, dass jemand ein Foto mit mir will. Viele fragen auch, ob ich 2016 schon wieder dabei bin. Im Turnen habe ich fünf Elemente selber erfunden, die die jungen Kolleginnen jetzt nachturnen – das ist schon toll.

Janine, wie erleben Sie ihr erstes Olympia?
Berger: Es ist schon gewaltig, groß und wunderschön. Ich habe schon Prinz Harry und William und Kate gesehen und Usain Bolt. Da saugt man alle Erfahrungen auf.

Müssen Sie früher ins Bett als die erwachsenen Sportler?
Berger: Nein, ich darf ins Bett gehen, wann ich will. Das macht hier jeder so, wie er mag, und wie am nächsten Tag die Termine liegen.

Schauen Sie auf zu Oksana?
Berger: Es ist schon toll, mit ihr dabei zu sein, sie war eigentlich schon immer mein Vorbild. Aber als ich sie zuletzt in Düsseldorf geschlagen habe bei der deutschen Meisterschaft, da war ich selber erstaunt.

Sie könnte Ihre Mutter sein…
Chusovitina: Das stimmt. Aber es ist dennoch ein gutes Gefühl hier mit so einer großen Erfahrung zu sein. Schade nur, dass keiner auf dem Podium guckt, wie alt man ist.

Also gibt es seitens der Kampfrichter keinen Oldie-Bonus zu erwarten?
Chusovitina: Bestimmt nicht, vielleicht sind ja manche Kampfrichter sogar sauer, dass ich schon wieder dabei bin.

Können Sie sich vorstellen, Kampfrichterin zu werden?
Chusovitina: Das ist nicht meins. Ich würde immer zu gut benoten, denn ich weiß, was die Athleten trainieren und leisten müssen. Die Kampfrichter finden doch immer etwas, was nicht ganz perfekt ist. Ich habe meinen Chusovitina-Sprung vielleicht eine Million Mal geturnt – nie war er perfekt. Da ist dann ein Arm nicht ganz gestreckt, schon gibt es wieder Abzüge. Den perfekten Sprung gibt es nicht.

Janine, könnten Sie sich denn vorstellen 2032 noch bei Olympia zu turnen?
Berger: Keine Ahnung. Ich schaue nicht so gerne in die Zukunft. Es kommt, wie es kommt.

Wie jung fühlen Sie sich vor dem heutigen Start, Oksana?
Chusovitina: Ich brauche keine Extra-Massage, stehe aber vorsichtig auf. Momentan ist alles gut, Rücken, Beine, Schulter – und ich denke, meinem Sprung geht es auch gut. Und vor dem Wettkampf spiele ich mein Computerspiel.

Welches?
Sag ich nicht.

Ist es denn ein beruhigendes Spiel?
Ja, mich beruhigt es, denn ich weiß, dass ich immer verliere.