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Training in China Die brutale Kehrseite der Medaillen

London -

Qualen. Schmerzen. Tränen. Chinas Gold-Athleten müssen für ihren Erfolg durch eine Horror-Kindheit in Drill-Camps – ohne ihre Eltern.

Wer als Kleinkind schon nicht mitzieht, fliegt raus, und endet im sozialen Nichts. Die Kehrseite der Medaillen.

Mit Barbies oder Autos spielen. Die ersten Freundschaften schließen. Die Mathe-Hausaufgaben mit der Hilfe von Papa und Mama lösen. Spaß haben, unbesorgt sein. So sieht für uns ein normales Kinderleben aus.

In China gibt es knapp eine halbe Million (!) Knirpse, die bereits im Alter von vier Jahren die Kindheit komplett überspringen – ab in ein knallhartes Leben, das sich kein Erwachsener wünscht. Abgeschieden von ihren Eltern leben die Goldgewinner von morgen in einer von 300 Kasernen.

Um 6.30 Uhr morgens klingelt der Wecker in den Schlafsälen. Nach Aufwärmen und Frühstück wird mehrere Stunden trainiert. Dabei setzen die Asiaten auf die Knochenmühle. Bis zum körperlichen K.o. werden die Kinder gequält.

Damit sie beweglich sind, werden die Gliedmaßen langgezogen. Trainer setzen sich auf die kleinen Sportler drauf. Der Schmerz ist riesig, die Tränen fließen. Aber aufhören ist verboten. Verletzungen oder Krankheiten gibt es nicht, denn dann fliegen die Kids raus.

Nachmittags wird Sporttheorie gepaukt. Stehen Wettkämpfe an, wird vor dem Abendessen sogar noch mal trainiert. Bis zur Bettruhe um 22 Uhr dürfen sie ins Internet. Die einzigen Minuten mit Anschluss zur Außenwelt. Doch Freunde außerhalb der Kaserne des Grauens haben sie nicht – wie auch.

Die Eltern dürfen die Goldmaschinen nur einmal pro Woche sehen. Aber warum tun die Eltern ihren Kindern so etwas an? Die umgerechnet 8.200 Euro „Entschädigung“ pro Jahr sind ein Anreiz. Vor allem aber schwingt die Hoffnung mit, dass es die Tochter und Sohn packt, ein Top-Athlet zu werden. Die Eltern würden so der Armut entfliehen.

„In China heißt es nur lernen, lernen und trainieren, trainieren und dann ausruhen“, kritisierte während der Spiele in London die Schwimmerin Lu Ying (23), die über 100 Meter Schmetterling Silber gewann. „Ich glaube, unsere Denkweise hat viele Grenzen.“

Doch das Anti-Spaß-Programm hat Erfolg. Von 16 Goldmedaillen in Barcelona 1992 steigerte sich das Reich der Mitte 2008 in Peking auf 51 Olympiasiege. Zum ersten Mal lagen die Asiaten vor den USA (36-mal Gold) im Medaillenspiegel.

In London kämpft China mit den Amis um die Spitze der Nationenwertung, holte schon mehr als 30-mal Gold. Mit Methoden, die schockieren. Und das alles nur für ein Ziel, das in den Drill-Camps überall an den Wänden steht: „GOLD!“