Deutscher Rio-Arzt: Sex-Warnung für die Olympioniken!
Im olympischen Dorf geht es fast schon traditionell heiß her. Viele Sportler, die nach Rio de Janeiro gekommen sind, freuen sich auf neue Kontakte – auch sexueller Art.
dpa
Rio de Janeiro -
Nie wurde im Vorfeld Olympischer Spiele heißer über gesundheitliche Risiken diskutiert und gestritten als vor Rio. Zika-Virus, verunreinigte Wettkampfgewässer. Absagen von prominenten Sportlern, Angst bei Touristen. Die Lage ist unübersichtlich.
Dr. Michael Ehnert (53) ist in Rio primär als Doc der deutschen Schwimmer im Einsatz.
HFR
Wir sprachen vor Ort mit Dr. Michael Ehnert (53), leitender Arzt des Instituts für Sportmedizin in Hamburg und in Rio primär als Doc der deutschen Schwimmer im Einsatz.
Fast täglich gab es Meldungen, dass Athleten ihre Teilnahme wegen Zika absagen. Wie gefährlich ist das Virus wirklich?
Ehnert: Hier vor Ort hat sich die Zika-Problematik als nicht so gravierend wie erwartet dargestellt.
Wir haben bislang nur wenige Mücken gesehen. Die Athleten sollen aber natürlich aufpassen. Zika ist aber ja nicht die Pest. Und die Infektionszahlen gehen aufgrund der jetzt laufenden Winterzeit in Brasilien bereits zurück. Sorge ist berechtigt, Panik unbegründet.
Für den Erkrankten selbst ist Zika keine schwerwiegende oder gar lebensbedrohliche Infektion.
Wer ist besonders gefährdet?
Klar ist: Zika ist vor allem für Schwangere und Frauen mit aktuellem Kinderwunsch gefährlich. Eine Infektion kann zu schweren Fehlbildungen bei dem noch ungeborenen Kind führen. Es gibt also eine klare Warnung für diese Frauen. Sie sollten nicht nach Rio reisen.
Aber auch viele männliche Sportler haben Olympia wegen Zika abgesagt…
Das liegt daran, dass nachgewiesen wurde, dass das Virus nicht nur direkt durch Mücken, sondern auch anschließend durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann – nach aktuellen Erkenntnissen von einem infizierten Mann auf eine Frau. Manche merken oder wissen nicht, dass sie sich infiziert haben können. Das mag Sportler, die eine Familie gründen wollen, abschrecken.
Der US-Volleyballtrainer John Speraw hat deshalb sein Sperma einfrieren lassen. Der spanische Basketballspieler Pau Gasol wollte das auch tun – ist das überhaupt sinnvoll?
Das zeigt die Verunsicherung, die es bei Athleten gibt. Zika ist bislang nicht restlos erforscht. Ich würde nie jemanden belächeln wegen solcher Pläne. Das wäre respektlos. Wenn er auf Nummer sicher gehen will, ist das durchaus nachvollziehbar.
Halten Sie es für möglich, dass manche Sportler Zika als Vorwand nehmen?
Den Verdacht kann man manchmal bekommen, gerade wenn man hört, dass beispielsweise die weltbesten Golfer absagen.
Wie können sich Sportler und Olympia-Besucher schützen?
Eine Impfung gegen Zika gibt es nicht.
Vor allem wegen Zika-Virus: Kondome sind absolute Pflicht für die Sportler.
dpa
Mückenschutz ist die beste Vorbeugung, Spray für die Haut und die Kleidung. Unsere Athleten sind entsprechend ausgerüstet. Und natürlich ist Verhütung beim Sex ganz wichtig. Männer sollten unbedingt ein Kondom benutzen – auch in der Zeit nach den Spielen.