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Interview mit Arsenal-Star: Mesut Özil: „Ich bin kein Egoist“

Mesut Özil fühlt sich wohl in London, geht gerne im Stadtteil Hampstead aus. Eine zeitnahe Rückkehr nach Deutschland schließt er aus.

Mesut Özil fühlt sich wohl in London, geht gerne im Stadtteil Hampstead aus. Eine zeitnahe Rückkehr nach Deutschland schließt er aus.

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Guy Corbishley Photography

London -

Es raucht und dampft im Likya. Auf dem Grill des türkischen Restaurants in der Golders Green Road liegen Lamm- und Rindfleisch, frischer Fisch, dicke rote Paprikastücke und Zwiebeln. Teegeruch vermischt sich mit dem Lachen der Kinder, die durch das wundervolle Chaos stürzen. Im Likya gibt es das beste Kebab Londons.

Plötzlich geht die Tür auf. Mesut Özil (26) spaziert in das lebendige Treiben. Der Superstar von Arsenal London lächelt, umarmt den Restaurant-Chef, bestellt auf Türkisch einen Orangensaft, setzt sich auf die Eckbank und sagt: „Willkommen in meinem zweiten Zuhause.“ Ein Vorhang rollt herunter, das Stimmengewirr nimmt ab. Im Interview spricht der Weltmeister offen über sein neues Leben.

Herr Özil, Sie haben einen Neustart in Ihrer Karriere eingeläutet. Warum?

Ich war einige Monate verletzt. Zuerst war das natürlich ein Schock für mich. Aber im Nachhinein habe ich erkannt, dass mir die Pause gut getan hat. Ich hatte Zeit, um in aller Ruhe über einige Dinge nachzudenken.

Zum Beispiel?

Über mich.

Und?

Ich habe erkannt, dass Talent allein nicht ausreicht, um seine großen Ziele zu erreichen. Ich habe bereits als Kind davon geträumt, einmal den Ballon d’Or in den Händen zu halten. Diesen Traum habe ich immer noch. Und ich will ihn mir erfüllen.

Ihre Kritiker behaupten, Ihnen fehle dazu die Disziplin...

Ich brauche niemanden auf der Welt etwas zu beweisen. Ich weiß, dass ich außergewöhnliche Qualitäten besitze. Aber richtig ist, dass ich, um meine Ziele zu erreichen, noch härter arbeiten muss.

Haben Sie es zuvor schleifen lassen?

Özil (lacht): Ich bin jetzt der Erste, der beim Training ist und der Letzte, der geht. Das war früher einmal anders herum.

Sie waren ein Fußball-Genie, das es schleifen ließ?

Vielleicht, ja. Aber jetzt trainiere ich so hart und verbissen, wie noch nie in meinem Leben. Ich habe ein Kilo an Muskelmasse zugelegt, weil ich täglich in den Kraftraum gehe. Nach jedem Training gehe ich zudem ins Kaltwasser. Das ziehe ich durch. Da gibt es auch keine Ausreden mehr.

Bemerken Sie erste Erfolge?

Mein Körper ist stabiler, ich fühle mich frischer. Und das brauchst du in England auch. Ich habe in der Bundesliga und bei Real Madrid gespielt. Aber die englische Premier League ist die stärkste Liga der Welt. Die Gegner geben nie auf, selbst wenn wir mit Arsenal 3:0 in Führung liegen, fighten die Jungs bis zur letzten Sekunde. Da kannst du nur mithalten, wenn du körperlich auf einem Top-Level bist.

Tat es Ihnen weh, dass Sie trotz des Weltmeistertitels kritisiert wurden?

Nein. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Ich habe mich in Brasilien in den Dienst der Mannschaft gestellt. Und das habe ich gerne gemacht.

Erklären Sie uns das?

Nach dem Ausfall von Marco Reus hat mich der Bundestrainer auf Linksaußen gesetzt. Jeder weiß doch, dass das nicht die Idealposition für mich ist. Man muss auf die Bälle warten, man ist abhängig von Zuspielen. Auf der Zehn hätte ich eine ganz andere WM gespielt. Im zentralen Mittelfeld hinter den Spitzen kann ich das Spiel an mich reißen, ich kann es stärker beeinflussen mit meinen Qualitäten.

Warum haben Sie sich nicht gewehrt, haben dem Bundestrainer nicht gesagt: Jogi, ich gehöre in die Zentrale?

Weil das nicht mein Charakter ist. Ich bin kein Egoist. Ich bin ein Mannschaftsspieler. Es ging bei der WM doch nicht um Mesut Özil. Es ging um Deutschland, es ging um den Titel. Diesem Ziel habe ich mich untergeordnet. Und das habe ich keine Sekunde lang bereut.

Wo haben Sie den kleinen Weltpokal, den Ihnen der DFB schenkte, stehen?

Im Wohnzimmer in einer Vitrine.

Was fühlen Sie, wenn Sie daran vorbeigehen?

Ich fühle mich als Weltmeister. Ich war Teil eines historischen Ereignisses. Ich gehöre zur besten Mannschaft der Welt. Das ist etwas, das mir niemand nehmen kann.

Kritische Stimmen sagen: Özil entscheidet keine Spiele...

Ja, heißt es so? Man kann den Charakter eines Menschen nicht ändern. Ich brauche keine Tore zu schießen, um glücklich zu werden. Wissen Sie, was mir wichtiger ist?

Sagen Sie es mir.

Wenn ich andere so in Position bringe, dass SIE die Tore schießen und wir am Ende gewinnen. Ich brauche keine zwei Tore zu schießen, um glücklich zu sein. Ich bin glücklich, wenn ich zwei Tore vorbereite.

Sie waren bei Real, spielen jetzt in England. Wann kehren Sie in die Bundesliga zurück?

Eine Rückkehr nach Deutschland kommt für mich derzeit nicht in Frage. Ich bin wirklich happy bei Arsenal. Das kann ruhig noch so weitergehen.

Empfinden Sie Mitgefühl mit Ihrem Ex-Mitspieler Lukas Podolski, der in Mailand von der Öffentlichkeit gedemütigt wird?

Wir sind noch ständig in Kontakt. Er darf jetzt nicht an sich zweifeln. Poldi hat überragende Qualitäten und ist erfahren genug, um mit solch einer schwierigen Situation umzugehen. Die Erwartungen in Mailand an Lukas sind natürlich riesengroß. Erbraucht ein wenig Zeit. Dann startet er durch.

Was bedeutet Ihnen Familie?

Alles. Ich bin stolz auf meine Familie. Ich weiß, dass ich ihr voll vertrauen kann.

Es gibt ein Foto, auf dem Sie den Handrücken Ihrer Mutter Gülizar küssen. Was sagt das aus?

Ich verehre, respektiere und liebe meine Mutter.

Wie oft sehen Sie sie?

Sie besucht mich häufig in London. Dann kocht sie für mich und wir reden viel miteinander.

Ihr Vater Mustafa ist nicht mehr Ihr Berater. Sie haben sich von ihm getrennt. Danach gab es Streit, Sie haben sich außergerichtlich geeinigt. Wie stehen Sie zu ihm?

Das ist Vergangenheit. Ich habe mein Leben neu geordnet. Mein Bruder Mutlu und meine Agentur kümmern sich um mich. Es sind die Menschen, denen ich vertraue.

Jetzt können Sie uns doch auch verraten, ob Sie tatsächlich wieder mit ihrer Freundin Mandy zusammen sind…

Özil (lacht): Sie haben doch schon mal etwas geschrieben. Ich wüsste gerne, woher sie das hatten. Ich sage öffentlich nichts dazu. Das ist privat. Ich konzentriere mich nur auf Fußball.

Es gibt süße Fotos mit Ihrer Nichte Mira. Wünschen Sie sich auch Kinder?

Ja. Aber nicht jetzt. Erst einmal will ich meine Ziele als Fußballer erreichen. Und wenn ich das geschafft habe, denke ich an eine eigene Familie.