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Express.de | Weltmeister im Interview: Christoph Kramer: Bayer hat das Recht, Sie zurück zu holen...
12. August 2014
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Weltmeister im Interview: Christoph Kramer: Bayer hat das Recht, Sie zurück zu holen...

Christoph Kramer posiert lässig für den EXPRESS-Fotografen. Vorne sind seine WM-Finalschuhe zu sehen.

Christoph Kramer posiert lässig für den EXPRESS-Fotografen. Vorne sind seine WM-Finalschuhe zu sehen.

Foto:

Herbert Bucco

Weltmeister! Ein Moment, der unsterblich macht. Und der genau einen Monat her ist.

Wir treffen Christoph Kramer (23). Vor 30 Tagen stemmte der Borussen-Star den Weltpokal in den Nachthimmel von Rio de Janeiro. Er trägt ein Lederband mit einem Glücksanhänger um seinen Hals. Auf diesem ist das Symbol der Unendlichkeit eingraviert. Dazu die Initialen C. C. Christoph und Celina. Seine Freundin. Wir reden mit Kramer über die WM, über Legenden und seine Zukunft. Es ist ein Gespräch mit einem selbstbewussten Mann, der weiß, was er will.

Herr Kramer, seit Ihrem 16. Lebensjahr schreiben Sie Tagebuch. Was haben Sie über die WM geschrieben?

Ich muss zugeben – ich habe in Brasilien ein wenig geschludert. Ich wollte erst einmal den Rummel überstehen und die Momente sacken lassen.

Das Tagebuch eines Fußballprofis – es könnte der Titel eines Buches werden…

Ja. Ein Buch könnte ich mir vorstellen. Nach meiner Karriere. Es wäre ein Musterbeispiel für eine Karriere, an die nicht alle geglaubt haben.

Was schreiben Sie auf?

Ich suche mir immer einen ganz speziellen Moment aus, der besonders schön war.

Wie kamen Sie auf diese Idee?

Ich habe damit begonnen, als ich bei Bayer Leverkusen aussortiert wurde. Es war für mich der Augenblick, alles festzuhalten. Außerdem denke ich, dass ich Talent zum Schreiben habe.

Erzählen Sie uns bitte, was in Ihnen vorging, als Sami Khedira für das WM-Finale plötzlich ausfiel und Sie sich warm machten?

Hansi Flick kam zu mir, sagte: Chris, du spielst.

Das war es?

Ja. Was sollte er auch sagen?

Zum Beispiel, Junge, sei nicht nervös…

Hat er nicht. Das war gut so. Er sagte es ganz selbstverständlich. Auch Joachim Löw meinte nur: Junge, mach’ dein Spiel. Das zeigte mir, das großes Vertrauen da war.

Nach 17 Minuten gingen Sie k.o., hielten bis zur 31. Minute durch. Sie hatten eine Gehirnerschütterung. Können Sie sich mittlerweile wieder an die Minuten dazwischen erinnern?

Ich habe mir das Spiel noch einmal angeschaut. Aber es ist immer noch alles weg.

Aber den Moment der Siegerehrung haben Sie nicht vergessen?

(Kramer lacht) Klar. Ich weiß noch, wie der Pokal in meine Richtung gehoben wurde.

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Und was ging in Ihnen vor, als Sie die Trophäe in den Händen hatten?

Mensch, ist der schwer. Dann habe ich ihn angeguckt, und mir kamen die Tränen. Danach hatte ich ein Gefühl, als ob ich fliegen würde.

Wann haben Sie begriffen, dass Sie damit unsterblich wurden?

Als wir in Berlin ankamen und dort die ganzen Menschen gesehen haben. Da wurde mir bewusst, was wir erreicht haben. Ich bin nach Brasilien als normaler Mensch geflogen, sechs Wochen später kam ich als ein Volksheld zurück. Plötzlich rufen die Leute: Kramer, Weltmeister. Sie tragen dein Trikot, wollen Autogramme. Das ist schon Wahnsinn.

Da könnte man abheben…

Könnte man, ja. Aber dadurch bin ich kein anderer Fußballer oder Mensch geworden.

Sie werden aber anders wahrgenommen?

Stimmt. Klar, ich habe etwas für die Ewigkeit erreicht, aber deshalb drehe ich nicht durch. Man wird gefeiert, man wird mit Geld überschüttet. Aber glauben Sie mir: Ich weiß das richtig einzuschätzen. Ich werde diese Privilegien nicht ausreizen.

Leverkusen hat sie an Gladbach ausgeliehen. Bayer-Sportchef Rudi Völler hat angekündigt, dass er Sie 2015 zurückholt. Machen Sie das?

Ich werde mir erst mal anhören, was sie mir sagen. Ich habe Bayer viel zu verdanken. Aber: Sie haben mich mit 16 Jahren auch aussortiert.

Sie sind ein Leihspieler. Wie fühlt sich das an?

Es ist nicht schön, hin- und hergeschoben zu werden. Und deshalb entscheide auch nur ich, wie meine Zukunft aussieht.

Bayer hat das Recht, Sie zurück zu holen…

Korrekt – ich habe in Leverkusen einen Anschlussvertrag. Aber ich lese ja auch immer, dass Neapel oder Manchester mich haben wollen. Aber es wäre schon ganz nett, wenn man mich fragt.

Und wenn Sie nicht zurück wollen zu Leverkusen…

Warten wir mal ab, was die Zukunft bringt.

Es könnte Probleme geben…

Vielleicht. Wichtig ist, dass ich überzeugt bin und ein gutes Gefühl habe bei den nächsten Schritten und Entscheidungen.

Sie hatten einmal ein Angebot von Benfica Lissabon…

Ja, die Chance wollte ich wahrnehmen. Aber Leverkusen hat den Wechsel abgelehnt, sie wollten mich behalten.

Ein Wechsel ins Ausland würde Sie reizen?

Ich hätte wenig Angst davor. Es gibt Sachen, die einen reizen, dazu gehört das Ausland.

Wo hängt eigentlich Ihre WM-Medaille?

Im Safe.

Warum nicht zu Hause?

Ich habe keine Wertsachen zu Hause. Wer bei mir einbricht, erbeutet höchstens 25 Euro.

Welchen Spieler der WM bewundern Sie?

Bastian Schweinsteiger! Vor ihm verneige ich mich. Was er geleistet bei der Weltmeisterschaft hat, war unmenschlich. Er hat mich nie wie einen Lehrling behandelt sondern wie einen gleichberechtigten Partner. Für mich ist er ein Idol.

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