Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.

Interview: Rudi Völler: „Chicharito macht uns noch besser“

Javier Hernandez traf beim 2:2 seiner Mexikaner in Arlington (USA) gegen Argentinien zum 1:0 per Elfer. Nun steht „Chicharito“ vor seiner Bundesliga-Premiere.

Javier Hernandez traf beim 2:2 seiner Mexikaner in Arlington (USA) gegen Argentinien zum 1:0 per Elfer. Nun steht „Chicharito“ vor seiner Bundesliga-Premiere.

Foto:

dpa

Leverkusen -

Die spektakuläre Wechselperiode und die Länderspielpause sind vorbei. Auch für Bayer 04 geht es Samstag mit einem Heimspiel gegen Darmstadt weiter, jetzt aber mit den neuen Stars Chicharito (27) und Kevin Kampl (24). Nicht nur zu ihnen äußert sich Sportdirektor Rudi Völler (55) im EXPRESS-Interview.

Ist das jetzt eine Art Neustart für die Bundesliga?

Neustart nicht direkt, aber es war zuletzt sehr turbulent – auch bei uns hat sich ja personell noch einiges verändert. Ich sehe es wie Kalle Rummenigge: Am besten wäre es, dass man die Transferperiode verkürzt und ihr Ende einen Monat vorzieht – aber das müssten auch die anderen Ligen mitmachen. Das kann ich mir im Moment nicht vorstellen.

Was sind die Lehren für Bayer aus dem Transfer-Wahnsinn?

Dass man durchaus profitieren kann wie wir jetzt bei Son. Aber wir werden auch mal Spieler verlieren, die wir eigentlich nicht abgeben wollen. Das ist vielleicht unangenehm, aber wir dürfen darüber nicht jammern und uns beschweren. Wir müssen andere Lösungen haben und gewitzt sein. Die Entwicklung ist für manche unschön, aber das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Wir müssen uns mit der Situation arrangieren.

Nach den Transfers von Kampl und vor allem Chicharito ist bei Bayer die Erwartungshaltung gestiegen. Spüren Sie das?

Die Vorfreude ist groß. An der Dominanz der Bayern wird sich aber trotzdem nichts ändern. Chicharito und auch Kampl werden uns helfen. Sie machen uns noch flexibler.

Vor allem Chicharito steht im Mittelpunkt.

Es gibt jetzt einen Hype um ihn, er ist sehr populär – das tut uns als Verein auch gut. Aber deshalb haben wir ihn ja nicht geholt. Chicharito soll uns sportlich noch besser machen.

Kann er denn gleich zünden?

Ich denke, ja. Javier ist erfahren und fit. Und ein Stürmer braucht in der Regel auch weniger Eingewöhnungszeit.

Chicharito war mit Mexiko unterwegs. Bernd Leno und Lars Bender fehlten wieder im deutschen Aufgebot. Enttäuschend?

Lars war angeschlagen, ihm hat die Pause sicher gut getan. Bei Bernd ist für mich der Fall klar: Neuer ist die klare Nummer Eins, dann kommen gleichauf Leno und ter Stegen – das sehe ja nicht nur ich so. Ich glaube, dass Jogi Löw auf der Torhüter-Position noch rotieren wird. Hält Bernd weiter so gut, wird er zwangsläufig eingeladen. Und Lars steht bei Jogi weiter auf dem Zettel.

Auch als Rechtsverteidiger? Der Ex-Leverkusener Emre Can konnte dort nicht überzeugen.

Die Spiele haben gezeigt, dass Emre hinten rechts mal aushelfen kann – wie damals bei uns. Aber das ist sicher nicht seine Traum-Position. Emre spielt wie Lars lieber im defensiven Mittelfeld. Lars hat bei uns aber auch schon einen starken Rechtsverteidiger abgegeben. Hätte er sich nicht so kurz vor der WM 2014 verletzt, hätte er schon damals gute Chancen auf dieser Position gehabt. Im Mittelfeld hat Jogi einfach die Qual der Wahl.

Überrascht Sie eigentlich der Fehlstart von Gladbach?

Dass es für Gladbach keine einfache Saison wird, war zu erwarten. Vergangene hat alles gepasst, sie haben viele Spiele knapp gewonnen. Im Moment verlieren die Borussen Spiele, die sie in der Vorsaison noch für sich entschieden hätten. Da ist auch etwas Pech dabei. Aber sie werden da schon wieder rauskommen.

Herr Völler, Sie waren schon 2003 ein Prophet!

Warum?

Schon 2003 wussten Sie um die Qualität der Isländer, die sich jetzt erstmals für die EM qualifiziert haben. Kam jetzt Ihre legendäre Wutrede wieder hoch?

Die ist bei mir so weit weg, weiter weg könnte sie gar nicht sein – auch wenn ich wie von Ihnen immer mal drauf angesprochen werde (lacht). Die Isländer haben seit der Jahrtausendwende einfach viele Dinge richtig gemacht und nun eine außergewöhnliche Quali gespielt. Das kommt nicht von ungefähr. Schon damals waren Sie nicht so schlecht – auch wenn der Waldi (Hartmann) das nicht hören wollte (lacht).