Am Ende der Verhandlung platzte dem Vorsitzenden Richter Hans E. Lorenz der Kragen. „Nach dem was sie vortragen, machen wir hier ja alles falsch. Ich rate dem 1. FC Köln dringend, aktiv an einer Lösung mitzuwirken.“
Da war nach einem Sitzungsmarathon von rund vier Stunden das DFB-Sportgerichtsverfahren auf den kommenden Montag vertagt worden – neue Zeugen, unter anderem der damals in Bochum verletzte Kölner Ordner Heinrich Schmitz, sollen gehört werden.
Chefankläger Dr. Anton Nachreiner brachte vier Fälle von unsportlichem Verhalten und eine Gefährdung eines Schiedsrichterassistenten vor.
Der härteste Fall: Die Erstürmung des Gästeblocks inklusive der Verletzung von zehn Ordnern beim Auswärtsspiel in Bochum. „Dafür kann man uns nicht zur Verantwortung ziehen“, findet Manager Michael Meier.
Deshalb schlugen die Kölner auch den Vorschlag Nachreiners aus, auf der Basis des Nürnberger Urteils eine Strafe zu akzeptieren. Die waren am frühen Nachmittag zu zwei Auswärtsspielen ohne Fanbegleitung auf den Stehplätzen verdonnert worden. Die Einnahmeausfälle von rund 100.000 Euro müssen sie den gastgebenden Klubs Freiburg und Hamburg begleichen.
„Damit treffen wir den randalierenden Fan direkt“, sagte Richter Lorenz in seiner Urteilsbegründung zum „neuen Weg“ des DFB, nun Auswärts-Fahrer zu bestrafen. Zusätzlich muss der FCN zweimal 20.000 Euro dem Fanprojekt der Stadt Nürnberg zukommen lassen.
Den wollten sie auch beim FC weitergehen. Doch die Kölner wollten das nicht einsehen. „Hochgerechnet auf unsere fünf Fälle wären das 500.000 Euro. Das ist Wahnsinn“, sagt FC-Anwalt Dr. Thomas Summerer.
Er sieht den Verfahrensverlauf positiv: „Wir haben viel Entlastendes vorbringen können und kämpfen weiter.“
Das sorgte bei Nachreiner für Unverständnis. Und Lorenz drohte: „Wenn das hier durchverhandelt wird, dann aber mit allen Risiken.“
Heißt: Auch mit einem Geisterspiel für die vorbelasteten Kölner. „Das Problem sind unsere Vorstrafen“, sah Meier ein und traf sich dann doch noch zu einem informativen Plausch mit Lorenz & Co. „Wir müssen heute nochmal telefonieren. Möglich, dass wir eine Auswärtssperre unserer Fans akzeptieren müssen.“
Der Saisonstart ist total misslungen, das weiß auch Trainer Zvonimir Soldo. Am Wochenende geht es gegen St. Pauli und Soldo weiß genau: Ein Sieg ist Pflicht.
„Wir überlegen eine Systemänderung, um Stabilität reinzukriegen“, sagt Trainer Zvonimir Soldo. Was das genau heißt? HIER gleich lesen.
FC-Manager stärkt dem Kroaten demonstrativ den Rücken. Er weiß: Die Auftaktpleite gegen Kaiserslautern mit Mohamads Platzverweis nach 87 Sekunden kam einem Unfall gleich.