Leuchtende Bengalos, beißender Qualm und wüste Prügeleien: Das erste Spiel im Trainingslager von Tröpolach gegen Saudi Al Hilal (0:0) geriet zum echten Chaos-Test.
Vor 611 Zuschauern gab es an ansehnlichem Fußball nicht allzuviel zu sehen. In Hälfte eins, in der die nominell stärkste Elf des FC spielte, waren vor allem Abstimmungsprobleme, ein Fast-Eigentor von Fabrice Ehret und eine kläglich vergebene Großchance von Alexandru Ionita zu notieren. Vielleicht fehlte den FC-Profis der Durchblick, denn gleich hinter ihrer Bank hatten kölsche Fans ein Dutzend Bengalos gezündet und der Qualm vernebelte erstmal das Spielfeld.
Doch dann ging es plötzlich hoch her. Martin Lanig gab dem kleinen Ahmed Alfreedi im Vorbeilaufen „eine mit“. Der Saudi sprang hinterher, stieß und schlug. „Es war ein Foul von mir, aber er hat dann die Nerven verloren“, sagt der Neuzugang aus Stuttgart. Auch Lanig wehrte sich, bekam aber von hinten noch einen Schlag. „Ich kann mir ja nicht alles gefallen lassen.“
Petit eilte zur Hilfe, schleppte Alfreedi im Schwitzkasten zur Seite, als auch der Portugiese von gleich drei, vier saudischen Spielern in die Mangel genommen. Nawaf Alaabed packte dabei auch die Fäuste aus, das Chaos war perfekt.
Der verletzte Keeper Faryd Mondragon eilte in Badeschlappen auf den Platz, auch Michael Henke und Zvonimir Soldo kamen dazu, zwei breitschultrige Kölner Fans, die mit blanker Brust beim Handgemenge mitmischen wollten, kamen glücklicherweise nicht mehr zum Einsatz. „Solche Sachen passieren, wenn Spieler müde sind“, erklärte Trainer Zvonimir Soldo. „Es ist ja nichts schlimmes passiert.“
Die österreichische Top-Schiedsrichterin Tanja Schett löste die Angelegenheit diplomatisch: Sie verzichtete auf die Roten Karten, forderte beide Trainer auf, die Streithähne auszuwechseln. Petit und Alfreedi gingen, Lanig blieb bis zur Pause auf dem Feld. Der Auslöser des Tohuwabohus bekam unter den Augen seines angereisten Beraters Kon Schramm dann eine Standpauke von Al Hilal-Coach Erik Gerets gehalten.
Nach dem Spiel gabs weiter Trubel: Eine Gruppe feuchtfröhlicher Fans ging kurzerhand durch den Spielertunnel Richtung Ausgang. Aber auch hier blieb letztlich alles ruhig. Und dann umarmten sich die Trainer Soldo und Gerets herzlich, alle hatten sich wieder lieb – und der Chaos-Test war Geschichte.
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