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Gladbach-Interview: Oscar Wendt: „Aber heute geht es um die Ehre“

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Gladbachs Linksverteidiger Oscar Wendt will auch nach dem Derby gegen Köln jubeln.

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Bongarts/Getty Images

Mönchengladbach -

Das Derby ist da. Gladbach gegen Köln. Es geht heute um mehr als nur Prestige. Borussias Linksverteidiger Oscar Wendt verrät im EXPRESS-Interview, auf was es beim Gipfel diesmal ankommen wird.

Ein Schwede, der als Borusse im Rheinland lebt. Das scheint gut zu passen?
Stimmt. Sehr sogar. Meine Familie und ich fühlen uns super wohl hier im Rheinland. Wir wohnen in Krefeld. Spiele Fußball bei einem super Klub in Mönchengladbach. Dazu gehe ich gerne in Düsseldorf und Köln aus. Passt!

Das hat in der Tat Charme. Woher kommt das Glücksgefühl?
Gute Frage. Sehen sie, wenn wir mal die Sprache außen vorlassen, dann ist das Leben in Schweden und Deutschland recht ähnlich. Deutschland ist halt zehnmal größer als Schweden. Dort leben neun Millionen Menschen, hier fast 90 Millionen. Aber vom System her und wie die Dinge ablaufen, ist vieles identisch. Und wir haben das Glück, ein super Haus gefunden zu haben – mit super Nachbarn. Sie sind zu Freunden geworden. Die Kinder spielen jeden Tag zusammen, mal sind wir bei den Nachbarn gegenüber eingeladen, mal bei den Nachbarn nebenan, mal sind alle bei uns. Das macht sehr viel aus. Das soziale Leben neben dem Fußball passt. Ich kann abschalten.

Und Ihre Frau bekommt nun nach Ihrer kleinen Tochter Elise das zweite Baby.
In einem Monat ist es soweit.

Die Menschen hier haben Sie offenkundig auch ins Herz geschlossen. Sie sind zum Spieler der Hinrunde gewählt worden.
Eine besondere Auszeichnung, die mich ehrt und stolz macht.

Sie zählen zu den Profis in Gladbach, die wissen, was es bedeutet, ein Derby mit Borussia gegen Köln zu spielen.
Ja, das ist so. Ich bin seit 2011 bei Borussia. Ich weiß, wie sehr dieses Duell die Menschen in dieser Region elektrisiert. Das sind die wichtigsten Spiele im Jahr. Voller Emotionen. Es geht auch um Ehre. Dieses Derby ist mehr als Fußball. Es kann sich zu einem Kampf auf dem Platz entwickeln. Wer da am Ende der Stärkste ist, gewinnt.

Verraten Sie uns Mal - was erwartet Köln in Gladbach?
Es werden 18 Borussen-Spieler auf sie warten - von denen jeder einzelne das Derby unbedingt gewinnen will. Genau das wird sie hier erwarten. Egal, ob wir dafür schönen oder hässlichen Fußball zeigen müssen. Egal wie, wir wollen dieses Spiel gewinnen. Jedes Mittel ist uns recht. Wir wollen zeigen, wer die bessere Mannschaft ist. Nur der Sieg zählt.

Im Hinspiel gewannen die Kölner, im Anschluss trat Lucien Favre als Trainer zurück. Was ist da damals schiefgelaufen?
Ganz ehrlich – das verstehe ich bis heute auch nicht. Aber das ist jetzt abgehakt. Haben Sie Verständnis, dass ich mich als Profi auf das Hier und Jetzt konzentrieren möchte.

Was hat sich seit Favres Rücktritt geändert bei Borussia?
Wir stehen auf einem anderen Tabellenplatz. Und haben mehr Punkte auf dem Konto.

Sind Sie ein guter Verlierer?
Nein, ich bin der schlechteste Verlierer der Welt. Ich könnte im ersten Moment nach einer Niederlage so ziemlich alles tun – aber spätestens, wenn ich wieder zu Hause bin und in die Augen meiner Tochter blicke, bin ich einfach nur glücklich.

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Gladbachs Trainer André Schubert

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dpa

Sie betonen gerne, dass das Leben als Fußball-Profi ein Traumberuf für Sie ist.
Ich liebe meinen Beruf. Es ist ein irres Gefühl, bei Borussia immer vor über 50000 Fans spielen zu dürfen.

Ein Beruf, der auch Schattenseiten hat. Stichwort Druck.
Als junger Profi habe ich oft im Anschluss an eine Niederlage die Nacht nicht schlafen können. Kopfkino - ich habe da gesessen und bin jede einzelne Szene noch einmal durchgegangen. Aber man lernt, mit diesem Druck umzugehen. Profi-Fußball ist nicht nur körperlich sehr hart. Ich würde sagen, dass die psychische Belastung sogar noch härter ist. Nichtsdestotrotz habe ich das Glück, meinen Traum zu leben. Jemand, der heutzutage Familie hat und jeden Tag zur Arbeit geht, der hat Druck.

Bei Borussia hat sich die Drucksituation geändert. Mittlerweile ist ihre Mannschaft fast in jedem Liga-Spiel der Favorit.
Diesen Druck nehme ich nur zu gerne an. Das ist ja auch das, was mich so reizt. Wenn alle sagen: Borussia muss gewinnen. Ich will Erfolg. Egal, wer der Gegner ist, dass Ziel muss sein, zu gewinnen. Es ist auch inzwischen so, dass wir wirklich in jedes Spiel gehen und diesen Glauben haben.

Nach der Niederlage beim HSV kam jede Menge Kritik auf.
Das ist das Geschäft. Entscheidend ist, was bei uns in der Kabine passiert. Ich kann versichern, dass da großer Zusammenhalt herrscht und wir die Situation genau einzuschätzen wissen. Wir Spieler halten zusammen. Ich finde es nicht korrekt, wenn gesagt wird, wir hätten eine Krise. Aber ich respektiere die Meinung anderer Menschen. Ich weiß, dass wenn wir zu Hause spielen, sind auf den Tribünen 54000 Bundesliga-Trainer. Wenn ich daheim vor dem Fernseher sitze und Fußball oder Handball schaue, dann bin ich auch der beste Trainer der Welt.

Also keine Fohlen-Krise vor dem Derby?
Die Stimmung ist so positiv wie vor zwei Monaten. Dass wir kritisch beäugt werden, liegt daran, dass wir so erfolgreich in den letzten Jahren gespielt haben. Inzwischen wird erwartet, dass wir mehr oder weniger jedes Spiel gewinnen.

Borussia boomt. Ist Ihnen bewusst, welche Power hinter diesem Verein steckt?
Das ist mir seit meinem ersten Tag bei Borussia bewusst. Dieser Klub beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Wenn wir in Berlin spielen – und die Strecke hat es ja wahrlich in sich – sind 10 000 Fans von uns dort. Und jedes Mal sage ich: Wow, schau dir das an! Das ist großartig.

Teile der Borussen-Fans wollen beim Derby schweigen. Aus Protest gegen Sicherheitsauflagen des DFB. Ist damit der Heimvorteil verpufft?
Die Meinung unserer Fans respektiere ich völlig. Dass ich es lieber hätte, dass sie 95 Minuten lang singen, tanzen und uns nach vorne peitschen, das dürfte jedem klar sein. Weil das diese unnachahmliche, geile Derby-Stimmung ausmacht. Unsere Fans haben ihre Extraklasse so oft bewiesen. Ich erinnere nur an das Spiel gegen Darmstadt. Als das ganze Stadion uns in Unterzahl getragen hat, zusätzliche Kräfte in uns mobilisiert hat, damit wir diese Partie in der Schlussphase noch haben drehen können. Ich hoffe, dass die Unterstützung gegen Köln genauso sein wird.