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Alles auf dem Prüfstand: Schmidts Bayer-Tage sind gezählt

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BayArena, Donnerstagvormittag vor dem Training: Bayer-Trainer Roger Schmidt posiert für Fan-Fotos.

Foto:

Eduard Bopp

Leverkusen -

Spätestens das „Totalversagen“ (O-Ton Christoph Kramer) gegen Bremen (1:4) hat alle Bayer-Verantwortlichen geschockt – und geweckt. Nicht nur die personelle Misere alleine wird als Alibi für den Sturzflug angesehen.

Video: Bayer-Coach Roger Schmidt spricht über seine Zukunft
Leverkusen taumelt immer tiefer in die Krise. Ist es die Schuld des Trainers?

Klubchef Michael Schade (63) findet im EXPRESS klare Worte zum Team und zum Trainer Roger Schmidt (48), von dem man sich wohl spätestens nach Saisonende trennt.

Roger Schmidt gab am Donnerstag vor dem Training den wenigen Fans Autogramme, posierte freundlich für Fotos und widmete sich dann der besseren Bewegungseinheit mit nur noch fünf Reservisten. Es wurde Fußball-Tennis gespielt. Danach stellte sich der gesperrte Coach den drei wartenden Journalisten. Summa summarum: Schmidt weiß, dass er mit dem Rücken zur Wand steht!

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Die Pleite gegen Bremen (1:4) hat alle Bayer-Verantwortlichen geschockt – und geweckt.

Foto:

imago/Uwe Kraft

„Der Trainer trägt natürlich die Gesamt-Verantwortung. Und wenn wir nicht da stehen, wo wir stehen wollen und nicht so spielen, wie wir wollen, dann ist es legitim, meine Arbeit zu hinterfragen. Das tue ich selbst auch. Aber ich habe da ein reines Gewissen, weil ich alles mache, was ich machen kann.“

Fraglich ist, wie lange Schmidt noch weitermachen darf und sich Bayer-AG und Bayer04-Gesellschafterausschuss das angucken wollen. „Die Gefahr ist da, alles zu verspielen“, sagte Sportchef Rudi Völler (55) nach dem Abpfiff.

Im Gespräch mit dem EXPRESS bezeichnete am Donnerstag Klubchef Michael Schade Bayers Situation als „sehr prekäre.“ Das Spiel gegen Bremen sei der „absolute Tiefpunkt“ gewesen. Drei Gründe führt Schade für die Talfahrt an: „Erstens ist die Mannschaft nicht in der Lage, ihr normales Potenzial abzurufen. Zweitens hat sich Roger Schmidt durch sein Verhalten selbst, der Mannschaft und dem Verein geschadet. Das hat er selbst auch eingesehen. Vor allem junge Spieler brauchen in der Pause eine Ansprache – und das geht nicht, wenn der Trainer gesperrt ist. Und drittens haben wir so viele Verletzte wie nie – und das soll keine Ausrede sein.“ Auf die Frage, ob man die Saison mit Schmidt beende, antwortete Schade: „Ja.“

Wer sollte auf Schmidt auch aktuell folgen? Einige verfügbare Trainer entsprechen nicht den Ansprüchen des Klubs. „Feuerwehrmann“ Sascha Lewandowski ist nicht mehr da. Und begehrte Trainer wie – ausgerechnet Augsburgs Markus Weinzierl (41) – sind jetzt noch nicht zu haben. Das wäre hingegen Lucien Favre (58) – aber auch den Ex-Gladbacher sieht man in Leverkusen nicht ohne Zweifel.

Sofern sich die Situation nicht noch weiter zuspitzt, soll Schmidt die Saison in der Tat irgendwie zu Ende bringen. Nach EXPRESS-Informationen steht im Sommer dennoch alles auf dem Prüfstand – und vieles deutet auf eine Trennung von Schmidt hin. Die wäre aber für den Verein nicht günstig, da dessen Vertrag erst im Mai 2015 ohne Handlungsdruck bis 2019 verlängert worden war. Aber auch Schmidt wäre im Falle eines Abschieds aus Leverkusen wohl nicht lange ohne neuen Job – RB Leipzig sucht bekanntlich einen neuen Trainer. Und für die „Bullen“ arbeitete Schmidt erfolgreich in Salzburg.