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Deutscher Stabhochspringer: Björn Otto: Silberflieger wird jetzt Pilot

Björn Otto überquerte 5,91 Meter und gewann am Ende Silber.

Björn Otto überquerte 5,91 Meter und gewann am Ende Silber.

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dpa

London -

Normalerweise fühlen sich die Menschen am wohlsten, wenn sie mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Bei Björn Otto liegen die Dinge da ganz anders. Sein Zuhause liegt quasi in der Luft. Und mit 34 Jahren setzt der Stabhochspringer zum Höhenflug seiner Karriere an.

2012 ist definitiv das beste Jahr des gebürtigen Frecheners, der für TSV Bayer Dormagen startet und in Köln und Leverkusen trainiert. 2012 ist sein Silber-Jahr!

Vize-Weltmeister in der Halle, Vize-Europameister und in London gibt’s obendrauf die olympische Silbermedaille mit 5,91 Metern. Das alles hinter dem überragenden Franzosen Renaud Lavillenie (5,97 Meter), der sogar eine Stabhochsprunganlage im eigenen Garten hat. Otto war nur kurz sauer auf den Franzosen. „Als er im letzten Versuch die 5,97 Meter sprang dachte ich: Du Drecksack!“

Doch nachts um 2 Uhr genießt Otto den Silber-Höhenflug im Herbst seiner Karriere mit einem kühlen Weizenbier auf einer Couch im Deutschen Haus. Doch er will – so schnell es geht – wieder in die Luft.

Hört man ihn schwärmen, wird es fast poetisch: „Das Fliegen ist seit meiner frühesten Kindheit ein Lebenstraum, ich habe schon als kleiner Junge die Pappflieger mit dem Gummi in den Himmel geschossen. Seit einiger Zeit ist mein Hobby das Modellfliegen, und ich selber bin schon mit dem Gleitschirm den Alpenkamm abgeflogen. Für die 120 Kilometer lange Strecke habe ich sechseinhalb Stunden gebraucht und war teilweise in einer Höhe von 4.000 Metern unterwegs, bevor ich in Österreich gelandet bin.“

Keine Frage, der Junge braucht Flügel. Otto muss lachen, denn in der Tat strebt er bald den großen Pilotenschein an, auch wenn er derzeit noch Biologie an der Universität in Köln studiert (Diplomarbeits-Thema: „Das Seitenlinien-System bei Fischen“): „Ich sehe mich nicht als Biologe im Labor, sondern im Cockpit. Mal sehen, wann ich die Flugausbildung machen kann, ab Herbst will ich Verkehrspilot werden. Ich bin definitiv fitter als die anderen Piloten.“

In der Tat: Der 1,91 Meter große und 90 Kilogramm schwere Modellathlet könnte auch als Model sein Geld verdienen. Seine Leistungen in diesem Jahr sind so beachtlich, weil Otto zuvor mit schwersten Verletzungen zu kämpfen hatte. Zweimal riss seine Achillessehne, er kam immer wieder zurück und denkt nicht ans Ende: „Es gibt Kollegen, die noch mit 40 geflogen sind.“ Und in der Luft fühlt er sich ja bekanntlich am wohlsten.