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Express.de | Arbeitsbiene Bender im Interview: „Ein Titel mit meinem Bruder, das wäre ein Traum“
06. January 2013
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Arbeitsbiene Bender im Interview: „Ein Titel mit meinem Bruder, das wäre ein Traum“

Lars Bender beim täglichen Training in Portugal.

Lars Bender beim täglichen Training in Portugal.

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Kadlec

Kilometerfresser. Mittelfeldkrieger. Ein starker Typ. Gestatten: Lars Bender, 23. Aufgewachsen in Rosenheim. Raketenkarriere. 1860 München, Bayer, Nationalspieler. Und nun?

Bender verrät im Interview, warum Tattoos nicht sein Ding sind, wie das mit dem Millionen-Angebot der Bayern ablief. Und wie Spielerberater bei ihm und seinem Zwillingsbruder Sven Schlange standen.

Herr Bender, Bastian Schweinsteiger hat nach dem 4:4 gegen Schweden gerufen, mit einem Lars Bender hätte Deutschland gewonnen. Ehrt Sie das?

Ich war ja nicht dabei. Aber wenn er das so sagte, macht einen das natürlich stolz. Es zeigt, dass ich in meiner Karriere bislang nicht so viel falsch gemacht habe.

Er drückte damit aus, dass Sie als kerniger Spielertyp sicherlich einmal ordentlich dazwischengehauen hätten...

Wenn das ein Spieler wie Schweinsteiger so meint, ist das eine Auszeichnung für mich.

Beinahe wären Sie ja auch bei den Bayern gelandet. Wie war das im Sommer, als die Münchner Sie für 22 Millionen € verpflichten wollten?

Ich habe im Sommer einige Male mit den Bayern telefoniert. Bayer hat das Thema aber ganz schnell abgeblockt. Damit war das Thema für mich vom Tisch.

Haben Sie nicht gezuckt?

Natürlich. Eine Anfrage aus Bayern macht einen stolz. Aber ich hatte doch gerade erst meinen Vertrag in Leverkusen bis 2017 verlängert. Das machst du ja nicht, wenn du das Gefühl hast, es ist der falsche Klub. Ich kann doch nicht mit einer einzigen Anfrage alles über den Haufen schmeißen. Nein, das bin ich nicht.

Aber Sie wollen doch auch mal einen Titel gewinnen. Ist das mit Bayer möglich?

Ein Titel ist ein Traum von jedem Spieler. In unserer Mannschaft steckt richtig was drin. Bislang haben wir den letzten Schritt nicht hinbekommen. Aber den MUSS der Klub und den MUSS die Mannschaft bald mal hinbekommen.

Ihr Zwillingsbruder Sven hat mit Dortmund zweimal den Meistertitel und zweimal den Pokal gewonnen. Sie liegen im Bruderduell weit hinten...

Das kann ich schwer aufholen. Aber ich gönne ihm das von Herzen. Wir beide wissen, dass wir dankbar sein müssen, dass wir beide unseren Traum leben können. Dass wir beide so erfolgreich sind, ist wunderbar.

Haben Sie früher als Kids auch auf der Straße gekickt?

Natürlich. Das ist vielleicht auch unser Erfolgsrezept. Wir haben uns auf der Straße gegenseitig gepuscht. Wenn einer von uns beiden irgendwo einen Schritt weiter war, hat der andere wieder mehr Gas gegeben.

Und das hat funktioniert, ohne sich einmal zu kloppen?

Ja.

Und in den Trainingsspielen haben Sie zusammengespielt?

Nein, da haben uns die Trainer getrennt, um zwei einigermaßen gleich leistungsstarke Mannschaften antreten zu lassen.

Ist es ein Ziel, irgendwann wieder zusammen zu spielen?

Ja, das wäre schon ein Traum von uns. Mit meinem Bruder einen Titel holen - dagegen würde ich mich nicht wehren.

Als sich abzeichnete, dass Sie und Ihr Bruder vor einer tollen Karriere standen - wie viele Berater haben angerufen?

Bender (lacht): Das Telefon stand nicht mehr still.

Wie viele waren es?

So ungefähr 30, 40.

Was macht man da als junger Kerl? Es gibt ja auch einige schwarze Schafe...

Wir haben uns mit acht Beratern getroffen und mit ihnen geredet.

Sie haben sich für den Kölner Spielerberater Manfred Schulte entschieden. Was gab den Ausschlag?

Wir haben gar nicht über Fußball gesprochen. Wir haben sofort gemerkt: Menschlich passt das. Für uns war nicht wichtig, ob er uns so ein Zeug wie Werbepartner vermittelt. Wichtiger war, ob man sich versteht. Wir brauchen niemand, der sich in den Vordergrund schiebt. Es geht ja um die Spieler und nicht um den Berater.

Sie haben gar keine Tattoos?

Warum sollte ich? Ich möchte meinen Körper nicht mit etwas bemalen lassen, worüber ich mich später ärgere. Bislang hat sich keiner darüber beschwert, dass ich ohne Körperbemalung bin. Dann bleibe ich auch dabei.

Dafür fallen Sie auf dem Platz auf. Sie sind ein Typ, der gerne Verantwortung übernimmt.

Ja. Ich will mich nicht wegducken. Ich will vorne stehen und mich der Verantwortung stellen und mich einbringen.

In der Nationalmannschaft genießen Sie einen exzellenten Ruf. Ihr Posten ist mit Khedira und Schweinsteiger aber besetzt. Sind Sie chancenlos?

Das sind gestandene Spieler, klar. Aber ich spreche mich jetzt nicht in die Mannschaft. Der Bundestrainer weiß: Wenn er mich bringt, bin ich da.

Dürfen wir noch einmal über das Barcelona-Trauma reden?

Müssen wir?

Ja. Zum Beispiel über Lionel Messi...

Ich habe schon gegen einige tolle Spieler gekickt. Aber Messi ist geil. Wir haben 1:7 verloren, er hat uns fünf Tore eingeschenkt. Das war sehr bitter. Aber man muss auch anerkennen: Der Kerl spielt in einer anderen Liga, das ist Fußball aus einer anderen Welt.

Gäbe es einen deutschen Spieler, der einmal die Klasse von Messi haben könnte?

Ja, Mario Götze. Er hat es bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Auch Mario Reus hat durch seinen Wechsel nach Dortmund einen Riesenschub bekommen. Und Mesut Özil ist ebenfalls außergewöhnlich. Er hat eine sensationelle Qualität.

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