Empfehlen | Drucken | Kontakt29.10.2010 - 09:43 Uhr

Cornel Wachter: Der Künstler und sein Veedel

Hier bin ich Mensch, hier kauf' ich ein: Cornel Wachter mit der Verkäuferin von „Obs' un' Jemös“.
Hier bin ich Mensch, hier kauf' ich ein: Cornel Wachter mit der Verkäuferin von „Obs' un' Jemös“.

Cornel Wachter ist ein Urgestein der Kölner Südstadt. Der Künstler, der sich gerade von einer Krebserkrankung erholt, liebt die Severinstraße. „Diese enorme Lebensqualität, diese Herzlichkeit, das ist einmalig für Köln“, schwärmt er.

Wachter muss es wissen: Er lebt seit 48 Jahren im gleichen Haus am Sachsenring. Sein Großvater Max Dietlein war 40 Jahre lang der Chefarzt vom Severinsklösterchen (1923 bis 1963) und trug wesentlich zum Neubau des Gebäudes bei. Sein Vater war dort vier Jahrzehnte als Unfallchirurg beschäftigt. „Die Nonnen vom Klösterchen haben so viel Liebe und Fürsorge in dieses Viertel gebracht“, begründet Wachter den Zusammenhalt. „Sicher hat auch das Stollwerck dazu beigetragen, dass hier ein so tolerantes Veedel entstanden ist.“

Denn in der ehemaligen Schokoladenfabrik arbeiteten viele Gastarbeiterinnen nach Tariflohn. „Da wurde kein Ausländer von oben herab behandelt, die gehörten einfach dazu“, meint der Maler und Bildhauer. Wachter, der sich im Veedel stark für die Obdachlosen engagiert, liebt die verschiedenen Einflüsse und Strukturen auf der Vringsstraße. „Das ist unser Zentrum hier, hier kannst du alles kaufen.“ Etwa Mandarinen aus Sizilien bei „Obs' un' Jemös“, „die schmecken einfach herrlich“. Beim Türken an der Ecke kauft Cornel leckere Knoblauch- und Gemüsepasten. „Da ist der schlechte Geschmack nach der Chemotherapie sofort weg“, sagt er.

Zu vielen Einzelhändlern hat Wachter ein freundschaftliches Verhältnis. „Klar, da quatsche ich mich natürlich oft fest“, lacht der Künstler. „Ich gehe manchmal sogar einen Umweg, damit ich ein Stück auf der Severinsstraße laufen kann.“ Cornels tiefe Verwurzelungmit dem Veedel zeigt auch der Löwenkopf , der am Haus Gens am Chlodwigplatz hängt.

Der hing einst am Elternhaus von Cornels Mutter Maria (81). Das wurde im Krieg unbewohnbar und musste in den 50er Jahren der Nord- Süd-Fahrt weichen. Wachter beauftragte jetzt einen Restaurator, um Kopien des Kopfes anzufertigen – für seine Mutter und seine Geschwister.

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