Brillen beschlagen in der Sauna, versanden am Strand, stören beim Sport und nerven beim Küssen. Diese Probleme haben Kontaktlinsenträger nicht. Deshalb haben sich bisher etwa fünf Prozent der Erwachsenen in Deutschland für „Haftschalen“ entschieden. Sie können fast alle Sehfehler ausgleichen. Bestimmte Augenveränderungen, z. B. eine starke und rasch zunehmende Kurzsichtigkeit oder eine unregelmäßige Hornhautverkrümmung, können generell nur mit Kontaktlinsen optimal korrigiert werden.
Kontaktlinsen sind kleine Kunststofflinsen, die auf der Tränenflüssigkeit des Auges schwimmen. Direkten „Kontakt“ mit der empfindlichen Hornhaut haben sie aber nicht. Man unterscheidet zwischen den harten, formstabilen und den weichen Kontaktlinsen. Die formstabilen Linsen bestehen aus leichten, sauerstoffdurchlässigen Kunststoffen. Das garantiert ein gutes „Augenklima“. Deshalb sind sie bei trockenen Augen oft besser verträglich als weiche Linsen. Weil sie aber hart sind, müssen sie besonders präzise an die Wölbung des Auges angepasst werden. Außerdem sind sie etwas kleiner als weiche Linsen. Ihr Rand liegt nicht immer unter dem Augenlid – daher kommt es beim Blinzeln oft zu einem „Fremdkörpergefühl“, an das man sich aber meistens rasch gewöhnt.
Orthokeratologie-Linsen, sogenannte OK-Linsen, werden nur nachts getragen. Durch Druck flacht die Linse das Hornhautzentrum ab, das bei Kurzsichtigen etwas zu weit vorsteht. Nach der ersten Nacht ist die Fehlsichtigkeit bereits deutlich reduziert. Nach drei bis fünf Tagen ist sie in der Regel weitgehend verschwunden. Funktioniert die Behandlung, braucht man tagsüber keine Sehhilfe mehr. Hört sich toll an? Ist es auch.
Allerdings nicht für immer. Ebenso schnell wie die Hornhaut in die richtige Form gebracht wird, entwickelt sie sich wieder zurück. OK-Linsen müssen also regelmäßig während des Schlafens getragen werden und gleichen nur leichte bis mittlere Kurzsichtigkeit aus. Wichtig ist, dass sie ausschließlich von erfahrenen Kontaktlinsenspezialisten angepasst werden. Außerdem müssen die Augen regelmäßig kontrolliert werden. Auch ist die Gewöhnung an die OK-Linsen oft schwierig.
Vorsicht beim Autofahren: In der Nacht sehen Betroffene manchmal sogenannte Halos, das sind Lichthöfe um Lampen, Scheinwerfer und andere Lichtquellen. Sie können aus braunen Augen blaue machen oder ein zartes Grün verstärken – die Farblinsen. Eine Irisstruktur ist oft in die Linse eingearbeitet, ein „Guckloch“ für die Pupille wird ausgespart. Kosmetische Linsen gibt es für fast alle Formen der Fehlsichtigkeit. Fürs nächtliche Autofahren sind sie nicht geeignet – fragen Sie Ihren Kontaktlinsenfachmann oder Ihren Augenarzt.
Auf keinen Fall sollten sogenannte Fun-Linsen am Steuer getragen werden. Statt einer Irisstruktur sind andere Motive wie Fußbälle, Tiere oder Markenlogos eingearbeitet, die das Gesichts- und Blickfeld erheblich einschränken können. Die „Spaßlinsen“ sollten deshalb – und wegen der geringen Sauerstoff- Durchlässigkeit – nur für kurze Zeit und ausschließlich in der Freizeit getragen werden. Auch gleichen diese Linsen keine Sehfehler aus.
Ob Ihre Augen überhaupt für Kontaktlinsen geeignet sind, kann nur der Augenarzt oder der Kontaktlinsenfachmann feststellen. Jede Hornhaut ist verschieden gewölbt und die Lidöffnung ist unterschiedlich groß. Damit die Linse perfekt sitzt, müssen die Augen zuerst genau untersucht und vermessen werden.
Darum: Finger weg von Kontaktlinsen aus dem Supermarkt! Werden Linsen nicht fachmännisch angepasst, können sie die Hornhaut dauerhaft schädigen und damit die Sehkraft langfristig bedrohen.
Kontaktlinsen zur Verbesserung der Sehschärfewerden nur bei bestimmten medizinischen Befunden von den Krankenkassen bezahlt – und dann auch nur bis zum 18. Lebensjahr:
bei Kurz- oder Weitsichtigkeit ab 8 Dioptrien
bei unregelmäßiger Hornhautverkrümmung, wenn mit Kontaktlinsen eine um mindestens 20 Prozent verbesserte Sehschärfe im Vergleich zu Brillengläsern erreicht wird
bei Hornhautverkrümmung mit gerader Achsenlage ab 2 Dioptrien
bei Hornhautverkrümmung mit schräger Achsenlage ab 2 Dioptrien
bei Keratokonus (eine spezielle Form der Hornhautverkrümmung)
wenn nach einer Operation keine künstliche Linse ins Auge gepflanzt werden konnte
bei verschieden hohen Brechungsfehlern beider Augen mit einer Differenz von mehr als 2 Dioptrien oder einem erheblichen Bildgrößenunterschied (sogenannten Aniseikonie).
Harte Linsen haben sehr gute optische Eigenschaften, können hohe Dioptrienzahlen und vor allem auch eine Hornhautverkrümmung oder -unregelmäßigkeit ausgleichen. Nach zwei Jahren sollten sie ausgewechselt und die Hornhaut neu vermessen werden. Flexible Kontaktlinsen bestehen aus einem Material, das Wasser ansaugt, wie ein Schwamm.
Der Vorteil: Die Eingewöhnungszeit ist kürzer als bei harten Linsen. Außerdem sind sie etwas größer, sitzen stabil auf der Hornhaut und können kaum verrutschen.
Der Nachteil: Weil sich Schmutzpartikel einlagern können, brauchen sie eine Extra-Pflege. Und: Mit weichen Kontaktlinsen lassen sich nicht alle Fehlsichtigkeiten ausgleichen.
Nie mehr Brille oder Kontaktlinsen
Die Augenklinik Hohenlind operiert bei Fehlsichtigkeit mit neuester Lasertechnik. Informationen gibt es im Patientenseminar „Laser statt Brille - neueste Femto-Lasik“ am 19. Oktober.
Für fast jeden Sehfehler gibt es Hilfe
Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan. Aber: Kaum ein Mensch sieht normal. Ab 60 tragen 94% der Deutschen eine Brille. EXPRESS erklärt die häufigsten Augenprobleme und sagt, was dagegen zu tun ist
Kann man die Brille einfach wegoperieren?
Die Brillemuss weg! Dafür entscheiden sich jährlich rund 100 000Menschen in Deutschland und lassen sich operativ ihren Blick wieder schärfen. Sie vertrauen der „refraktiven Augenchirurgie“.