Empfehlen | Drucken | Kontakt06.09.2011 - 10:25 Uhr

Die häufigsten Probleme: Für fast jeden Sehfehler gibt es Hilfe

Kaum ein Mensch sieht normal. Ab 60 tragen 94% der Deutschen eine Brille. Wir erklären die häufigsten Augenprobleme und sagen, was dagegen zu tun ist
Kaum ein Mensch sieht normal. Ab 60 tragen 94% der Deutschen eine Brille. Wir erklären die häufigsten Augenprobleme und sagen, was dagegen zu tun ist

Das Auge ist ein Hochleistungs-Organ. Es kann bis zu 600 000 Farbtöne unterscheiden, blitzschnell Entfernungen abschätzen und die Bilder, die wir sehen, auf jede beliebige Distanz scharf stellen – ob wir ein weit entferntes Alpenpanorama betrachten oder im nächsten Moment auf unsere Armbanduhr schauen. Das gesunde Auge verfügt über einen natürlichen Autofocus und ein lichtstarkes biologisches Universalzoom.

Es erfasst bis zu 80 Prozent all unserer Umweltinformationen und ist deshalb unser wichtigstes Sinnesorgan. Mehr noch: Wenn sich zwei Menschen in die Augen blicken, lesen sie darin ihre Gefühle. Ob wir glücklich, traurig, ängstlich oder wütend sind, lässt sich an den Blicken erkennen. Nicht zu Unrecht gelten unsere Augen als Fenster zur Seele.

Was ist gegen Sehstörungen zu tun?
KURZSICHTIGKEIT

Wenn der Augapfel zu„lang“ ist

Eine der häufigsten Arten von Fehlsichtigkeit ist die Myopie, also die Kurzsichtigkeit. Die Betroffenen können Gegenstände in ihrer Nähe scharf sehen, entfernte dagegen nur ungenau. Das liegt daran, dass Augen nicht immer perfekt gebaut sind.

Normalerweise bündeln sich die aus der Ferne kommenden Lichtstrahlen im Auge genau auf der Netzhaut und erzeugen damit ein scharfes Bild. Beim Kurzsichtigen dagegen wird das Licht schon vor der Netzhaut vereinigt. Das Auge ist quasi zu lang und das Bild wird unscharf.

Was zu tun ist:

Brillen oder Kontaktlinsen können die Kurzsichtigkeit korrigieren. Außerdem gibt es verschiedene Operationsmethoden, um dieses Problem zu beheben: die refraktive Hornhautchirurgie mit dem Laser oder die Einpflanzung einer Kunstlinse.

WEITSICHTIGKEIT

Wenn der Augapfel zu„kurz“ ist

Das Gegenteil der Kurzsichtigkeit ist die Weitsichtigkeit, der Fachmann nennt sie Hyperopie. Das weitsichtige Auge sieht auf die Entfernung gut, hat aber Probleme in der Nähe – z. B. beim Lesen und Kochen oder am Computer. Das kann zwei Gründe haben: Entweder ist das Auge etwas zu kurz. Dann bündelt die Linse das Licht nicht genau auf der Netzhaut, sondern auf einem imaginären Punkt dahinter.

Oder die Brechkraft der Linse ist nicht präzise – die Bildinformationen sind unscharf. Übrigens: In jungen Jahren kann das Auge eine leichte Weitsichtigkeit durch eine stärkere Krümmung der Linse noch ausgleichen. Später verliert die Linse diese Flexibilität.

Was zu tun ist:

Genau wie bei der Kurzsichtigkeit lässt sich auch die Weitsichtigkeit mit Brillen, Kontaktlinsen oder durch eine Operation kompensieren.

ALTERSSICHTIGKEIT

Wenn die Linse steif wird Irgendwann trifft es jeden: Die Arme werden zu kurz zum Zeitunglesen. Der Grund: Mit fortschreitendem Alter nimmt die Elastizität der Linsen ab. Die Fokussierung auf die Nähe klappt nicht mehr so gut wie in jüngeren Jahren. Die meisten Menschen brauchen daher zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr zumindest zum Lesen eine Brille.

Was zu tun ist: Die Lesebrille ist zunächst die einfachste Lösung, um Alterssichtigkeit auszugleichen. Wenn nötig, sorgt eine Gleitsichtbrille für besseren Durchblick in der Nähe als auch in der Ferne. Bei Kontaktlinsen gleichen Multifokallinsen die Fehlsichtigkeit aus. Auch die altersbedingte Weitsichtigkeit lässt sich per Laser korrigieren. Und zwar mit der Monovisions-Methode, dem sogenannten „Goethe-Blick“. Der Dichter hatte ein normalsichtiges und ein kurzsichtiges Auge, konnte also nah und fern sehen.

Um diesen Effekt zu erzielen, wird ein Auge leicht kurzsichtig gelasert, das andere bleibt für die Fernsicht, wie es ist. Alterssichtige, die sich für diese Behandlung nicht eignen, erreichen Brillenfreiheit durch die Implantation von Multifokallinsen.

HORNHAUTVERKRÜMMUNG

Wenn Sie statt Punkten Stäbe sehen

Eine andere Ungenauigkeit des Auges ist die Hornhautverkrümmung. Der Fachmann spricht von Stabsichtigkeit (Astigmatismus). Das Auge sieht einen Punkt wegen der ungleichmäßigen Verzerrung der Hornhaut nicht als Punkt, sondern als Stab. Das Gehirn kann dies zwar etwas korrigieren, das Bild ist dennoch nicht ganz klar.

Was zu tun ist:

Auch dieses Sehproblem lässt sich mit Brille, Kontaktlinsen oder einer Laseroperation beheben.

GRÜNER STAR

Wenn der Druck zu hoch ist

Ein wichtiger Risikofaktor für das Glaukom oder grünen Star ist ein erhöhter Augeninnendruck, der den Sehnerv schädigt. Jüngere Forschungen deuten darauf hin, dass auch das Gehirnwasser, das den Sehnerv als Teil des Gehirns umgibt, bei der Entstehung des grünen Stars beteiligt sein könnte. Weil die Krankheit langsam verläuft und keine Schmerzen verursacht, wird sie meistens erst bemerkt, wenn schon der größte Teil des Sehnervs unwiederbringlich zerstört ist.

Zuerst treten blinde Flecken am Rand des Gesichtsfelds auf, die nach und nach größer werden. Zunächst können das andere Auge und das Gehirn die Ausfälle noch ausgleichen. Bleibt dar Glaukom aber unbehandelt, erblindet der Patient.

Was zu tun ist:

Ganz wichtig: den Augeninnendruck messen lassen. Außerdem prüft der Augenarzt den Sehnervenkopf mit einem Biomikroskop. Bestimmte Augentropfen sowie verschiedene Laserbehandlungen und andere operative Verfahren können den Druck senken und helfen, den Sehnerv zu schonen.

GRAUER STAR

Wenn die Linse trüb wird

Die Katarakt, wie der graue Star genannt wird, ist eine Trübung der Augenlinse. Die Umwelt erscheint unscharf, matt, als sähe man durch eine Milchglasscheibe. Auch die Farben verblassen, und man fühlt sich leicht geblendet.

Der graue Star ist meistens Folge des Alterungsprozesses, der von Fall zu Fall unterschiedlich schnell voranschreitet. Auch bestimmte Medikamente, das Rauchen oder eine Augenverletzung können dazu beitragen, dass sich die Linse schneller trübt.

Was zu tun ist:

Die trübe Augenlinse kann operativ entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt werden. Diese Operation ist der häufigste Eingriff überhaupt und meist sehr erfolgreich. Verschiedene Kunstlinsen beheben gleichzeitig auch Hornhautverkrümmungen, Kurz- oder Weitsichtigkeiten.

AUGENENTZÜNDUNG

Wenn Viren & Co. krankmachen

Eine Entzündung des Augeninneren, Ärzte sprechen von Uveitis, kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann durch Bakterien und Viren (z. B. Tuberkulose, Herpes, Windpocken), Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Aber auch bestimmte rheumatische Erkrankungen können auf die Augen gehen.

Starke Rötungen, vermehrter Tränenfluss, hohe Lichtempfindlichkeit und verschwommenes Sehen deuten darauf hin, dass der vordere Augenbereich betroffen ist. Sehen Sie dagegen wie durch einen Schleier, ist meist der hintere Bereich entzündet.

Was zu tun ist:

Die Untersuchung mit dem Biomikroskop und spezielle Labortests helfen, das Krankheitsbild genauer zu erkennen. Danach kann die Entzündung mit entsprechenden Augentropfen behandelt werden.

AMD

Wenn die Zellen absterben

Die Ursachen der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) sind noch nicht ganz geklärt. Sicher ist aber, dass sich in der Netzhaut „Abfälle“ unseres Stoffwechsels ablagern. Diese Ablagerungen führen zum Absterben der Netzhautzellen (trockene AMD). Bei einigen Patienten bilden sich neue, aber schadhafte Blutgefäße, die zu einem raschen Verlust des Sehvermögens führen (feuchte AMD).

Bekannte Risikofaktoren sind das Alter und Rauchen. Das Tückische an der AMD ist, dass sie keine Schmerzen verursacht. Es gibt aber mögliche Symptome, die darauf hinweisen: Farben wirken blasser, in der Mitte des Gesichtsfeldes erscheint ein blinder oder grauer Fleck, gerade Linien erscheinen verzerrt.

Was zu tun ist:

Betrachten Sie die Kacheln in Bad oder Küche. Erscheinen die Fugen verzerrt, sollten Sie zum Augenarzt gehen. Mit speziellen Untersuchungsmethoden wird er eine genaue Diagnose stellen können. In bestimmten Stadien der trockenen AMD wird er Ihnen zu Nahrungsergänzungsmitteln raten.

Die aggressive feuchte Form kann mittlerweile erfolgreich mit Medikamenten und Laserchirurgie behandelt werden. Die bis dahin entstandenen Schäden lassen sich allerdings nicht reparieren. Eine weitere Verschlechterung des Sehvermögens kann aber verhindert werden.

 

DIABETISCHE RETINOPATHIE

Wenn der Zucker ins Auge geht

Die hohe Zuckerkonzentration im Blut von Diabetikern beschädigt auf Dauer die feinen Blutgefäße im Auge. Es kommt zu Gefäßverschlüssen, die Sehzellen werden nicht mehr ausreichend versorgt. Zudem tritt aus den geschädigten Gefäßen Flüssigkeit aus, die die Netzhaut verletzt. In schweren Fällen gelangen schadhafte Blutgefäße in das Augeninnere, was dann zum Einbluten des Augapfels führen kann. Wenn nichts dagegen unternommen wird, löst sich die Netzhaut ab und der Patient erblindet. Diabetiker bemerken eine Beeinträchtigung zunächst nicht. Erst nach und nach sehen sie verschwommene oder verzerrte Bilder.

Was zu tun ist:

Damit die Zuckerkrankheit möglichst keine Schäden an den Augen anrichtet, ist es wichtig, Blutzucker und Blutdruck gut einzustellen und die Augen regelmäßig vom Arzt kontrollieren zu lassen. Selbst wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist, kann sie meistens mit einer Lasertherapie gestoppt werden. Dabei werden beschädigte Blutgefäße verschlossen und/oder das Wachstum anormaler Blutgefäße gebremst. Bei starker Retinopathie kann das Augenlicht in vielen Fällen durch eine Operation zumindest teilweise gerettet werden.

Dr. Georg Eckert rät allen Patienten: Gehen Sie rechtzeitig zum Augen-Check.
Dr. Georg Eckert rät allen Patienten: Gehen Sie rechtzeitig zum Augen-Check.

Wie aber funktionieren sie? Im Altertum glaubten die Menschen, sie könnten sehen, weil ihre Augen Strahlen ausschickten, die die Umgebung abtasteten. Ein Irrtum, der sich lange hielt. Erst sehr viel später, im Mittelalter, begannen wissbegierige Heilkundige den Aufbau und die tatsächliche Funktionsweise der Augen zu erforschen. Dass einfallendes Licht Bilder auf der Netzhaut erzeugt, gehört längst zum Allgemeinwissen.

Was aber ist Licht? Erst im 19. Jahrhundert erkannten dagegen die Physiker die Eigenschaften des Lichts als elektromagnetische Wellen. Anders als z. B. Schallwellen können sie sich auch in einem Vakuum ausbreiten. Allein betrachtet ist Licht unsichtbar. Erst wenn ein Lichtstrahl auf einen Gegenstand trifft, wird er sichtbar und gibt den Dingen ihre Gestalt – wir können etwas sehen. Unsere Sehkraft verdanken wir einem von Tränenflüssigkeit benetzten Organ, das aus Hornhaut, Linse, Glaskörper und Netzhaut besteht, dem Auge.

Die Sehkraft ist ein erstaunliches Phänomen, das wir wie das Hören, Riechen und Fühlen als selbstverständlich hinnehmen. Zumindest so lange, bis unsere Augen anfangen zu brennen, zu jucken oder die Sehkraft im Alter oder durch Krankheit nachlässt. Erst dann beginnen wir zu begreifen, welch kostbares Gut unser Augenlicht ist.

GUT SEHEN MIT NICHT PERFEKTEN AUGEN

Allerdings kann man auch ganz gut mit Augen sehen, die nicht völlig perfekt sind. Ihr Augenarzt weiß es: „Kaum ein Mensch sieht tatsächlich normal. Eine minimale Hornhautverkrümmung, etwas Kurzsichtigkeit, vielleicht ein leichtes Schielen – schon wenige hundertstel Millimeter Abweichung von der idealen Bauform genügen, und die Sehkraft ist schlechter als nötig“, sagt Dr. Georg Eckert, Augenarzt aus Senden und Pressesprecher des Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA).

Doch für beinahe jeden Sehfehler gibt es heute Abhilfe. Immerhin tragen 64 Prozent der Deutschen eine Brille. Ab dem 60. Lebensjahr sind es 94 Prozent. Aber auch Kindern zwischen zwei und 15 Jahren fehlt häufig der Durchblick: 16 Prozent sind Brillenträger – die meisten, weil sie kurzsichtig sind.

Was aber ist Kurzsichtigkeit, die von Ärzten Myopie genannt wird? Was bedeuten die Begriffe Astigmatismus, Katarakt, Glaukom& Co.? Dr. Eckert erklärt die häufigsten Sehprobleme und Augenkrankheiten.

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Brillen beschlagen in der Sauna, versanden am Strand, stören beim Sport und nerven beim Küssen. Diese Probleme haben Kontaktlinsenträger nicht. Deshalb haben sich bisher etwa fünf Prozent der Erwachsenen in Deutschland für „Haftschalen“ entschieden.

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