Das Auge ist ein Hochleistungs-Organ. Es kann bis zu 600 000 Farbtöne unterscheiden, blitzschnell Entfernungen abschätzen und die Bilder, die wir sehen, auf jede beliebige Distanz scharf stellen – ob wir ein weit entferntes Alpenpanorama betrachten oder im nächsten Moment auf unsere Armbanduhr schauen. Das gesunde Auge verfügt über einen natürlichen Autofocus und ein lichtstarkes biologisches Universalzoom.
Es erfasst bis zu 80 Prozent all unserer Umweltinformationen und ist deshalb unser wichtigstes Sinnesorgan. Mehr noch: Wenn sich zwei Menschen in die Augen blicken, lesen sie darin ihre Gefühle. Ob wir glücklich, traurig, ängstlich oder wütend sind, lässt sich an den Blicken erkennen. Nicht zu Unrecht gelten unsere Augen als Fenster zur Seele.
Wenn der Augapfel zu„lang“ ist
Eine der häufigsten Arten von Fehlsichtigkeit ist die Myopie, also die Kurzsichtigkeit. Die Betroffenen können Gegenstände in ihrer Nähe scharf sehen, entfernte dagegen nur ungenau. Das liegt daran, dass Augen nicht immer perfekt gebaut sind.
Normalerweise bündeln sich die aus der Ferne kommenden Lichtstrahlen im Auge genau auf der Netzhaut und erzeugen damit ein scharfes Bild. Beim Kurzsichtigen dagegen wird das Licht schon vor der Netzhaut vereinigt. Das Auge ist quasi zu lang und das Bild wird unscharf.
Was zu tun ist:
Brillen oder Kontaktlinsen können die Kurzsichtigkeit korrigieren. Außerdem gibt es verschiedene Operationsmethoden, um dieses Problem zu beheben: die refraktive Hornhautchirurgie mit dem Laser oder die Einpflanzung einer Kunstlinse.
Wie aber funktionieren sie? Im Altertum glaubten die Menschen, sie könnten sehen, weil ihre Augen Strahlen ausschickten, die die Umgebung abtasteten. Ein Irrtum, der sich lange hielt. Erst sehr viel später, im Mittelalter, begannen wissbegierige Heilkundige den Aufbau und die tatsächliche Funktionsweise der Augen zu erforschen. Dass einfallendes Licht Bilder auf der Netzhaut erzeugt, gehört längst zum Allgemeinwissen.
Was aber ist Licht? Erst im 19. Jahrhundert erkannten dagegen die Physiker die Eigenschaften des Lichts als elektromagnetische Wellen. Anders als z. B. Schallwellen können sie sich auch in einem Vakuum ausbreiten. Allein betrachtet ist Licht unsichtbar. Erst wenn ein Lichtstrahl auf einen Gegenstand trifft, wird er sichtbar und gibt den Dingen ihre Gestalt – wir können etwas sehen. Unsere Sehkraft verdanken wir einem von Tränenflüssigkeit benetzten Organ, das aus Hornhaut, Linse, Glaskörper und Netzhaut besteht, dem Auge.
Die Sehkraft ist ein erstaunliches Phänomen, das wir wie das Hören, Riechen und Fühlen als selbstverständlich hinnehmen. Zumindest so lange, bis unsere Augen anfangen zu brennen, zu jucken oder die Sehkraft im Alter oder durch Krankheit nachlässt. Erst dann beginnen wir zu begreifen, welch kostbares Gut unser Augenlicht ist.
GUT SEHEN MIT NICHT PERFEKTEN AUGEN
Allerdings kann man auch ganz gut mit Augen sehen, die nicht völlig perfekt sind. Ihr Augenarzt weiß es: „Kaum ein Mensch sieht tatsächlich normal. Eine minimale Hornhautverkrümmung, etwas Kurzsichtigkeit, vielleicht ein leichtes Schielen – schon wenige hundertstel Millimeter Abweichung von der idealen Bauform genügen, und die Sehkraft ist schlechter als nötig“, sagt Dr. Georg Eckert, Augenarzt aus Senden und Pressesprecher des Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA).
Doch für beinahe jeden Sehfehler gibt es heute Abhilfe. Immerhin tragen 64 Prozent der Deutschen eine Brille. Ab dem 60. Lebensjahr sind es 94 Prozent. Aber auch Kindern zwischen zwei und 15 Jahren fehlt häufig der Durchblick: 16 Prozent sind Brillenträger – die meisten, weil sie kurzsichtig sind.
Was aber ist Kurzsichtigkeit, die von Ärzten Myopie genannt wird? Was bedeuten die Begriffe Astigmatismus, Katarakt, Glaukom& Co.? Dr. Eckert erklärt die häufigsten Sehprobleme und Augenkrankheiten.
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