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Schlaganfall: Warum das Blut stockt


Bill Gates wäre stolz, hätte er einen Rechner wie unser Gehirn erfunden. Eine Milliarde Datenverarbeitungseinheiten – sprich Nervenzellen – bei nur zweieinhalb Pfund Gewicht. Eine fast unbegrenzte Speicherkapazität. Und eine perfekte Vernetzung: Die ganze Informationsflut, die täglich aus unserer Umwelt auf uns einprasselt, dazu die Meldungen des Körpers – das alles wird in der Denkzentrale nach Wichtigkeit sortiert, verarbeitet, mit bereits bestehenden Dateien – sprich Erfahrungen – verknüpft und in Handlungsimpulse umgesetzt.

Doch mit einem Schlag kann dieser Superrechner und damit häufig auch die gesamte menschliche Existenz ausgelöscht werden. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Der GAU im Gehirn kommt meist völlig unverhofft: Ein leichtes Unwohlsein, ein Kribbeln im Arm oder plötzliche Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden – diese scheinbar harmlosen Symptome können die Boten einer Funktionsstörung des Gehirns sein, eines Schlaganfalls. Jährlich mehr als 200 000 Menschen in der Bundesrepublik trifft der Schlag. Davon stirbt jeder Dritte innerhalb eines Jahres. Fast zwei Drittel der Patienten, die den Schlaganfall überleben, sind hinterher behindert und brauchen Hilfe im Alltag. Die Hälfte von ihnen muss mit einem weiteren Schlaganfall rechnen.

Fast eine Million Patienten leiden derzeit an den Folgen dieser Gehirnfunktionsstörung. Dabei sind keineswegs nur alte Leute unter den Opfern, sondern auch immer mehr unter 40-Jährige – ja sogar Kinder. Professor Dr. Otto Busse, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Vorstandssprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), ist überzeugt: „Viele dieser Schicksals-Schläge wären zu verhindern.“ Doch um die Vorsorge ist es schlecht bestellt: Von 28 000Menschen über 50 konnten 32% konnten keinen einzigen Risikofaktor nennen, 10%kannten einen, 20% zwei und 25%drei. In Zusammenarbeit mit dem Experten Prof. Dr. Busse sagen wir Ihnen alles, was Sie über den Schlaganfall wissen müssen.

 

Die drei Arten von Schlaganfall

Das Wort Schlaganfall ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen:

 

  • 80 Prozent der Schlaganfälle kommen durch eine Blockade der Arterien zustande, die das Gehirn mit Blut und Sauerstoff versorgen. Der Fachausdruck dafür ist Hirninfarkt. Ursache der Blockade kann ein Blutpfropf (Thrombus) sein, der sich im Herzen oder in den großen, zum Gehirn führenden Blutgefäßen, z. B. der Halsschlagader, gebildet hat und mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt wurde. Selten kommt es durch Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) direkt in den Hals oder Hirnarterien, die ebenfalls den Blutstrom behindert, zum Schlaganfall.

  • Für weitere 10 bis 15 Prozent der Schlaganfälle ist eine Hirnblutung verantwortlich. Vorgeschädigte, etwa durch Arterienverkalkung brüchig gewordene Gefäße im Gehirn platzen. Blut tritt aus, drückt auf Nervenzellen und Bahnen, wodurch es in diesem Bereich zu einer Verletzung der Gehirnzellen kommt.

  • Eher selten – bei 2 bis 5 Prozent aller Schlaganfälle – sind Blutungen im Raum zwischen Gehirn und weicher Hirnhaut (die sogenannten Subarachnoidalblutungen) für den Versorgungsengpass im Gehirn verantwortlich. Ursache sind angeborene Gefäßaussackungen infolge einer Wandschwäche der Gefäße.

 

Wie ein Schlaganfall entsteht

Hauptauslöser für den Schlaganfall ist der Bluthochdruck. Denn er verändert die Wände der Blutgefäße. Weiße Blutkörperchen wandern in die Wände ein und nehmen Fett (LDL-Cholesterin) aus der Nahrung auf, das im Blutstrom schwimmt. Sie blähen sich zu Schaumzellen auf und lösen eine Entzündungsreaktion aus, die immer weitere Blutzellen anlockt. Aus Kalk, Fett und Bindegewebe entsteht schließlich eine harte Kapsel (Plaque), die die Blutgefäße einengt und unelastisch macht. Der Fachbegriff dafür ist Arteriosklerose.

Die Plaques können den Durchmesser von Gefäßen so stark verengen, dass kein Blutmehr hindurchpasst . Noch häufiger jedoch reißt die Plaque auf. Dann bleibt das durchfließende Blut an der unebenen Oberfläche hängen. Ein Blutpfropf entwickelt sich an der Verletzungsstelle. Der Thrombus oder Teile davon, ein so genannter Embolus, können mit dem Blutstrom in die Blutgefäße des Gehirns gespült werden, dort einen Gefäßverschluss verursachen (Embolie).

Ein weiterer Auslöser für den Schlaganfall ist das Vorhofflimmern. Mit zunehmendem Alter verändert sich das Muskelgewebe des Herzens, wandelt sich in Bindegewebe um. Unser Körpermotor verliert an Leistungskraft. Die Bewegungsimpulse, die die Vorhöfe an die Herzkammern geben, werden unregelmäßig, das Herz gerät aus dem Takt und flimmert, statt zu pumpen. Das Blut verklumpt. Ein Blutpfropf geht auf die Reise ins Gehirn. Die Folge: Uns trifft der Schlag.

 

Den Schlaganfall erkennen

In den meisten Fällen zeigt sich ein Schlaganfall durch:

 

  • plötzliche Lähmung einer Körperseite und herabhängende Mundwinkel

  • Sprachstörungen

  • Taubheitsgefühl

  • Kribbeln, Ameisenlaufen in einem Körperteil

  • starke Kopfschmerzen

  • Sehstörungen

  • heftiges Schwindelgefühl

 

Ein Schlag kommt keineswegs immer aus heiterem Himmel. Vielfach kündigt er sich durch eine TIA an. Diese drei Buchstaben stehen für Transitorische Ischämische Attacke – eine vorübergehende Durchblutungsstörung. Die Symptome sind die gleichen wie beim Schlaganfall: Allerdings verschwinden sie meist schon nach wenigen Minuten. In den Tagen nach einer TIA ist die Wahrscheinlichkeit, vom Schlag getroffen zu werden, deutlich erhöht.

 

Stroke Unit – versorgt von Experten

Bei der Stroke Unit, in der Regel in einer Neurologischen Klinik, arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen Hand in Hand. Anhand einer Röntgenschichtaufnahme des Gehirns (Computertomographie CT) oder einer strahlenfreien Untersuchung des Kopfes mit Magnetfeldern (Kernspinuntersuchung, MRT) können Ärzte erkennen, ob der Patient eine Hirnblutung oder einen Hirninfarkt erlitten hat, und die Behandlung darauf abstimmen. Eine Blutuntersuchung gibt Hinweise auf Gerinnungsstörungen, erhöhte Blutfettwerte und darauf, ob der Blutzucker erhöht ist. Das EKG klärt, ob Herzrhythmusstörungen vorliegen.

Sofort werden die passenden Medikamente gegeben. Denn nur innerhalb der ersten drei Stunden nach demSchlaganfall kann der Patient „lysiert“ werden: Dabei wird ihm unter ständiger Kontrolle ein spezielles Medikament in die Armvene gespritzt. Das Medikament gelangt dann an den Blutpfropf und kann ihn auflösen, wodurch die Durchblutung wieder hergestellt wird.

Die Lyse ist derzeit die einzige Behandlungsform, mit der die Folgen eines Schlaganfalls vollständig beseitigt werden können. Das ist zwar oft, aber nicht immer der Fall. Sind die ersten drei wertvollen Stunden verstrichen, dürfen nur noch Medikamente gegeben werden, die verhindern, dass sich Blutplättchen zusammenballen und es zu einem weiteren Schlaganfall kommt.

Gegenwärtig erhalten lediglich drei bis vier Prozent der Schlaganfall-Patienten eine Lyse, obwohl nach Schätzung der DSG bis zu 30 bis 40 Prozent der Betroffenen für diese Behandlung geeignet wären. Das Hauptproblem ist nach wie vor, dass die Patienten nicht rechtzeitig ins Krankenhaus kommen, die entscheidende Diagnose zu spät gestellt wird und die Lyse nicht mehr vorgenommen werden kann.

Geht der Schlaganfall auf eine Hirnblutung zurück, darf die Lyse keinesfalls eingesetzt werden. Denn dann besteht das Risiko, dass die Medikamente die Blutung verstärken. So bald wie möglich wird mit Reha-Maßnahmen begonnen. Um zu verhindern, dass ein zweiter Schlaganfall auftritt, müssen die meisten Patienten ein Leben lang sogenannte blutverdünnende Medikamente, oft auch Blutdruck- und Fettsenker nehmen und haben mit bleibenden Behinderungen zu kämpfen.

Deshalb: Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Das bedeutet: Lieber einmal zu viel den Rettungswagen rufen, als die Chance auf eine Behandlung zu versäumen, die Leben und Lebensqualität rettet

Gleich geht s weiter: Bitte einfach kurz die Frage zum Spot beantworten.

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