l

Empfehlen | Drucken | Kontakt

Behandlungsstrategien: Behandlung nur in spezialisierten Zentren

Prof. Dr. Volker Limmroth, Direktor der Klinik für Neurologie und Ärztlicher Direktor des Klinikums Köln-Merheim, ist Autor dieses Gastbeitrages.
Prof. Dr. Volker Limmroth, Direktor der Klinik für Neurologie und Ärztlicher Direktor des Klinikums Köln-Merheim, ist Autor dieses Gastbeitrages.

Weltweit ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache. Während in der Bevölkerung und selbst in Teilen der Medizin noch immer eine von Nihilismus geprägte Einstellung zum Schlaganfall besteht, haben sich in den Bereichen Neurologie, Neuroradiologie und Rehabilitationsmedizin eng vernetzte Behandlungsstrategien entwickelt, die eine individualisierte Therapie entsprechend der jeweiligen Ursache des Schlaganfalls erlauben.

Nach den Zahlen der WHO hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung von Schlaganfall-Patienten in den letzten 20 Jahren um ca. 5,3 Jahre erhöht (die Lebenserwartung von onkologischen Patienten dagegen nur um ca. 3,4 Jahre). Die spezialisierte Schlaganfallbehandlung zahlt sich also aus. Zentrale Anlaufstelle für Schlaganfall-Patienten sollte eine (echte) neurologische Stroke-Unit sein, die 24 Stunden pro Tag alle diagnostischen und therapeutischen Optionen vorhält und umsetzen kann.

Über 95 % der klinischen Schlaganfall-Forschung weltweit erfolgt inzwischen auf neurologischen Stroke-Units. Time is brain: Wie beim Herzinfarkt ist die unverzügliche Einlieferung des Patienten entscheidend. Innerhalb der ersten 3–4,5 Stunden nach Auftreten der Symptome ist prinzipiell eine systemische (intravenöse) Lyse-Therapie möglich, wobei das Blut für kurze Zeit extrem verdünnt wird, um das verschlossene Blutgefäß im Gehirn wieder zu eröffnen. Gelingt dies nicht, kann in den ersten 6 Stunden auch versucht werden, im Rahmen einer Gefäßdarstellung (Angiographie) durch eine lokale Lyse oder mechanisch (Absaugen des Thrombus) das Gefäß zu öffnen.

Liegt ein Verschluss der hinteren Hirnschlagader (A. Basilaris) vor, gelten sogar Lyse-Zeiten von 24 Stunden, da diese Verschlüsse oft tödlich sind. All diese Maßnahmen sind jedoch nur möglich, wenn das Krankenhaus sowohl über eine Neurologie als auch eine interventionelle Neuroradiologie verfügt, die eng vernetzt sind. Zwar sind nur ca. 30–40 % aller Schlaganfälle für Lyse-Therapien geeignet, letztlich kommen aberweniger als 15 % aller Patienten in den Genuss der Therapie weil sie zu spät kommen oder das aufnehmende Krankenhaus nicht über die entsprechenden Möglichkeiten oder geschultes Personal verfügt. Hier liegt auch in Deutschland Nachholbedarf: stetige Aufklärung der Bevölkerung und Schlaganfallversorgung nur durch spezialisierte Zentren. Die Behandlung des Schlaganfalls endet jedoch nicht mit der Akutbehandlung.

Ebenso wichtig ist die anschließende Aufarbeitung und Ausschaltung der verursachenden Risikofaktoren. Diese muss dann in Rehakliniken, durch niedergelassene Neurologen und Hausärzte fortlaufend überprüft werden. Im Rheinland wurde dazu von einigen Kostenträgern (AOK, IKK, KKH), Krankenhäusern und niedergelassenen Kollegen das Modellprojekt „Integrierte Versorgung Schlaganfall“ ins Leben gerufen, das sektorenübergreifend die Behandlung von Schlaganfall-Patienten koordiniert. Viel ist erreicht, aber vieles muss noch verbessert werden.

Weitere Meldungen aus dem Bereich Schlaganfall
Schlaganfall
Warum das Blut stockt

Welche Arten von Schlaganfall gibt es? Was sind die Anzeichen für diese Erkrankung, die ganz plötzlich auftreten kann? In jedem Fall ist schnelles Handeln wichtig, damit Ärzte die optimale Behandlung durchführen können.

Vorsicht vor erhöhtem Cholesterinspiegel!
Vorsorge-Programm
Entschärfen Sie die Zeitbomben

Mit jedem Jahr, das wir älter werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, einen Schlag zu bekommen, besonders, wenn in der Familie schon mehrere Verwandte betroffen sind. Doch Schlaganfall ist kein unabwendbares Schicksal.

Jede Minute zählt bei der Versorgung von Schlaganfall-Patienten.
Notfall
SOS – so reagieren Sie richtig

Der größte Fehler, den Betroffene und Angehörige machen können, ist zu warten, dass sich vielleicht alles von selbst wieder „einrenkt“. Den Arztbesuch zu verschieben, verschlechtert die Behandlungs- und Heilungschancen dramatisch.

Gesundheit
Unsere Partner
Themenübersicht
Medizin & Gesundheit
Klinik am Ring