Raúl auf Schalke: Ein König hält Hof. So wie Mittwoch ist in der Bundesliga selten ein Spieler empfangen worden.
Rund 150 Journalisten, darunter ca. 30 TV-Teams drängen sich vor Tunnel 4, der in den Innenraum führt. Dort ist für Raúl Gonzales Blanco schon der königsblaue Teppich ausgerollt. Der grüne Rasen wurde nur für Raúl in die Arena gefahren – allein das kostet 12.000 Euro.
Was hat den Ausschlag für den Wechsel zu Schalke 04 in die Bundesliga gegeben?
Raul: Schalkes Interesse besteht seit Monaten. Es lagen viele Angebote vor, aber Schalke hat die größten Bemühungen für einen Wechsel unternommen. Die Bundesliga war schon immer interessant, sie ist eine der stärksten europäischen Ligen. Es wird attraktiver Fußball geboten. Die Zuschauer wissen das zu schätzen, die Stadien sind voll.
Mit welchen Gefühlen kommen Sie nach Gelsenkirchen?
Raul: Es ist ein besonderer Tag. Heute gehen 16 Jahre Real Madrid offiziell zu Ende. Ich suche jetzt eine neue Herausforderung bei Schalke. Ich wollte eine Erfahrung im Ausland machen. Ich danke den Fans und Felix Magath für ihr Vertrauen.
Mit welchen Zielsetzungen gehen Sie in die Saison?
Raul: Unser Ziel sollte es sein, in der Bundesliga um die Meisterschaft mitzukämpfen. In der Champions League wird es schwer, da gibt es viele große Mannschaften. Aber wir wollen die Gruppenphase überstehen. Es wird eine ereignisreiche Saison für Schalke.
Sie selber werden an Toren gemessen. In der Champions League können Sie den Torrekord knacken. Wie wichtig ist Ihnen das?
Raul: Wenn man vorne spielt, will man auch treffen. Aber das geht nur im Rahmen der Mannschaft. Wir haben gewisse Ziele. Da denke ich nicht daran, wie viele Tore ich schieße.
Sie könnten mit Schalke in der Champions League auf Real Madrid treffen. Wie wäre das für Sie?
Raul: Das wäre schon eine komische Sache. Ich hoffe, dass so etwas nicht eintritt.
Als Raul um 15.20 Uhr im weißen Hemd, grauer Hose und brauner Jacke ins Stadion eimarschiert, stehen Kinder Spalier. Über 1000 Fans, die Schalke in die Arena gelassen hat, sind aus dem Häuschen. Bei seinem ersten Training mit dem Team waren dann 5000 Fans dabei.
Jürgen Saam und Uwe Pankowski, zwei Bergleute der Zeche Auguste Victoria, überreichten Raúl ein Stück Kohle – Schalker Tradition, aber auch ein Sinnbild: Für Raúl holt Schalke die Kohle raus. Zwölf Millionen Euro verdient der Superstar in zwei Jahren.
Felix Magath und Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies platzen fast vor Stolz: „So einen Tag erlebt man selten“, strahlt Magath. „Magath ist eine Kanone“, klopft Tönnies ihm auf die Schulter.
Schon vormittags hatte Raúl den neuen Kollegen in der Kabine seine Aufwartung gemacht. Christoph Metzelder: „Unsere jungen Spieler waren total ehrfürchtig.“
Kein Wunder, denn Raúl ist lebende Fußball-Geschichte: Drei Mal gewann er mit Real die Champions League, sechs Mal wurde er spanischer Meister, zwei Mal Weltpokal-Sieger, vier Mal spanischer Supercup-Sieger. In 16 Jahren trug er 742 Mal das Trikot der „Königlichen“, erzielte 323 Tore. 102 Mal spielte er für die Nationalmannschaft (44 Tore).
Aber: Bei Real Madrid saß Raúl zuletzt häufig auf der Bank, ein Titel mit der Nationalelf war ihm ebenso nicht vergönnt – 2008 und 2010 gehörte er nicht zum Kader. Doch als Stammspieler wäre er für Schalke unbezahlbar gewesen. „Schalke“, so Raúl, „hat sich seit Monaten am intensivsten um mich bemüht. Das hat mir imponiert.“
Tönnies eilte übrigens sofort zur nächsten PK, um die Schalker Fan-Anleihe vorzustellen - der Klub hofft auf zehn Millionen Euro Sofort-Einnahmen von den Anhängern, will im Gegenzug fünf Prozent Zinsen zahlen. S04 hat rund 250 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Und irgendwie muss Raúl ja finanziert werden...
Schalke will angeblich Barcas Dani Alves
Nach dem Weggang von Raul ist Schalke nun angeblich an dem brasilianischen Barca-Spieler Dani Alves (29) interessiert. Das berichtet die katalanischen Radiosendung „Esports Cope“.
Schalke-Star Raul wechselt nach Katar
Katars Rekordmeister Al Sadd aus der Hauptstadt Doha vermeldet auf seiner Homepage die Verpflichtung des 34 Jahre alten Raul.
Huntelaar zieht sich Gehirnerschütterung zu
Beim Spiel der Königsblauen bei Philadelphia Union musste der Niederländer fünf Minuten vor der Pause ausgewechselt und in ein Krankenhaus gebracht werden.