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Seen von Ounianga: Kölner Forscher kämpft für das vergessene Naturerbe

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Atemberaubendes Panorama: Dr. Stefan Kröpelin vor der Ounianga-Seenlandschaft. Seit 1999 reist der Kölner Forscher regelmäßig in die Sahara, kämpfte voller Passion darum, die Oase zum Weltnaturerbe zu ernennen.
Atemberaubendes Panorama: Dr. Stefan Kröpelin vor der Ounianga-Seenlandschaft. Seit 1999 reist der Kölner Forscher regelmäßig in die Sahara, kämpfte voller Passion darum, die Oase zum Weltnaturerbe zu ernennen.
Foto: Stefan Kröpelin, ZVG
N’Djamena/Tschad –  

Mythos Sahara: Über neun Millionen (!) Quadratkilometer erstreckt sich die sagenumwobene Wüste aus heißem Sand, kargen Felsen und durch den jahrtausendealten Passatwind fein polierten Kies im Norden Afrikas.

Die pure Erfrischung: Kröpelin nimmt ein Bad im See: „Diese Momente an der Oase sind unbeschreiblich. Das ist die pure Freiheit.“
Die pure Erfrischung: Kröpelin nimmt ein Bad im See: „Diese Momente an der Oase sind unbeschreiblich. Das ist die pure Freiheit.“
Foto: Stefan Kröpelin, ZVG

Doch mitten im Herzen des sengenden Glutofens sprießt das Leben: die Seen von Ounianga, gelegen im Nordosten des Tschad, bilden eine paradiesische Oase inmitten eines der lebensfeindlichsten Areale der Erde. Dr. Stefan Kröpelin (61) ist vom „Ounianga-Virus“ befallen – der Forscher vom Sonderforschungsbereich „Unser Weg nach Europa“ der Uni Köln sorgte dafür, dass das Seengebiet zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt wurde.

Seit 1999 reist der Geoarchäologe regelmäßig in die Oase. Die insgesamt 18 Seen von Ounianga sind Relikte aus Zeiten, die aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar sind: „Hier gibt es völlig ungestörte Ablagerungen, an denen wir rund 11 000 Jahre Klimageschichte ablesen können. Damals war die Sahara grün!“

Kriege und politische Wirrungen in Afrika machten Ounianga-Expeditionen lange undenkbar. Doch Kröpelins unbändiger Forschungsdrang wurde belohnt: „Es gibt weltweit höchstens eine Handvoll vergleichbarer Orte. Ich kann kaum in Worte fassen, was für eine herausragende Bedeutung dieses Gebiet für die Forschung hat.“

Der Forscher (M.)  posiert mit einheimischen Würdenträgern.  „Wir wurden toll unterstützt“, sagt er, „auch wenn es einige Missverständnisse auszuräumen gab.“
Der Forscher (M.) posiert mit einheimischen Würdenträgern. „Wir wurden toll unterstützt“, sagt er, „auch wenn es einige Missverständnisse auszuräumen gab.“
Foto: Stefan Kröpelin, ZVG

Banditen und Zauberer

Wenn Kröpelin von „seinen“ Seen spricht, gerät er ins Schwärmen: „Ich habe hier so viel erlebt. Das Gebiet wurde von Banditen und Rebellen unsicher gemacht. Überall konnten Minen liegen. Außerdem dachten einige Einheimische, wir wollen Löcher graben und das kostbare Wasser abfließen lassen. Oder, dass wir böse Zauberer sind und Oasen-Geister freilassen.“

Kröpelin lacht: „Andere hatten die Befürchtung, dass wir nach Gold suchen – keiner konnte sich vorstellen, dass wir tatsächlich »nur« am Schlamm interessiert sind. Aber letztlich muss ich deutlich sagen: Wir haben die volle Unterstützung der Bevölkerung und der Amts- und Würdenträger bekommen.“

Kampf um Anerkennung

Für Kröpelin war schnell klar, dass das einzigartige Naturgebiet geschützt werden muss: „Es gibt in der Sahara auch andere Oasen. Aber die Dimensionen von Ounianga sind ganz andere. Im Umkreis von über 1000 Kilometern um die Seen ist nichts als Wüste. Wenn man dort wochenlang nur Sand sieht und sich dann diese Seen wie ein Meer vor einem eröffnen – das ist unbeschreiblich. Ganz unabhängig vom wissenschaftlichen Wert. Und das hat die UNESCO Gott sei Dank genauso gesehen.“

Seit Juli sind die Seen von Ounianga offiziell Weltnaturerbe. Idriss Déby, Präsident des Tschad, verlieh Kröpelin und seinen Mitstreitern daraufhin sogar den Ritterschlag: „Dieses wundervolle Land ist auf der Tourismus-Weltkarte vorher kaum vorgekommen – das wird sich jetzt ändern.“

Schlicht gebettet: Kröpelins Schlafplatz an der Ounianga-Oase. Tagsüber herrschen hier über 50 Grad, in der Nacht stürzen die Temperaturen um rund 30 Grad ab. Im Winter herrschen teilweise sogar Minusgrade.
Schlicht gebettet: Kröpelins Schlafplatz an der Ounianga-Oase. Tagsüber herrschen hier über 50 Grad, in der Nacht stürzen die Temperaturen um rund 30 Grad ab. Im Winter herrschen teilweise sogar Minusgrade.
Foto: Stefan Kröpelin, ZVG

Abenteuer Wissenschaft

Tschad-Ritter Kröpelin gilt als „letzter Entdecker Afrikas“. Bescheiden merkt er an: „Ich bin kein Abenteurer im eigentlichen Sinn. Ich bin Wissenschaftler und bereit, dafür auch Risiken in Kauf zu nehmen. In meinem Alter bin ich nicht mehr so wild darauf, schon wieder überfallen zu werden.“

Im Herzen weiß Kröpelin aber genau, dass die Sehnsucht nach Ounianga ihn immer wieder dorthin treiben wird: „Köln ist meine Lieblingsstadt in Deutschland, hier fühle ich mich wohl. Aber in Afrika bin ich heimisch. Wenn ich den Wüstenwind höre oder spüre, bin ich nicht mehr zu halten.“

Das UNESCO-Welterbe

Seit 1972 verleiht die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) die Titel „Weltnatur-“ und „Weltkulturerbe“.

Um auf die Liste zu gelangen, muss ein Ort von offiziellen Vertretern des Heimatlandes vorgeschlagen werden. Auf der jährlichen UNESCO-Versammlung im russischen St. Petersburg wird verhandelt, welche Orte auf die Liste kommen und welche nicht.

Die Seen von Ounianga sind das erste Weltnaturerbe im Tschad, es ist das einzige im Umkreis von über 1000 Kilometern. Die Erben auf den anderen Kontinenten sind ebenfalls beeindruckend – und auch auf deutschem Boden befindet sich Naturraum mit UNESCO-Siegel.

Stätten, die zum Welterbe erklärt werden, müssen in ihrer „Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend“ sein. Immer wieder schauen teils millionenschwere Projekte in die Röhre.

Zweimal mussten Welterbe-Stätten von der Liste gestrichen werden, weil die Heimatländer (Oman und Deutschland) ihrem Schutzauftrag zugunsten von Wirtschaftsinteressen nicht nachkamen. Weltweit hat die UNESCO über 180 Orte zum Weltnaturerbe erklärt.

Gleich geht s weiter: Bitte einfach kurz die Frage zum Spot beantworten.

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