Köln - Das gab’s noch nie: Gipfeltreffen der fünf großen Bands in der EXPRESS-Redaktion. Erry Stoklosa (Bläck Fööss), Janus Fröhlich (Höhner), Peter Brings, Klaus Lückerath (Paveier) und sein Band-Kollege Detlef Vorholt (in der Funktion als „Pavement-Records“-Chef) sowie Karl-Heinz Brand (Räuber) wollen am großen Konferenztisch über die Frage diskutieren.
„Wie steht es um die kölsche Musik und wie um den Nachwuchs?“ Denn: Die großen Fünf stellen sich als Paten zur Verfügung - beim EXPRESS-Nachwuchs-Wettbewerb.
Hier das Protokoll:
Erry Stoklosa: Kölsche Musik, das ist Regen und Segen zugleich. Der Segen ist, dass du, wenn du einen Song hast, ihn über Jahre im Karneval spielen kannst. Im vierten Jahr haben die Lück dat Lied dann vielleicht gefressen. Das Pech: Weil wir außerhalb des Fasteleer singen, wird oft auch gesagt: Ihr singt Kölsch, jeit mir fott, dat is Karneval. Ende, aus, Micky-Maus.
Detlef Vorholt: Die Diskussion um Kölsch oder Hochdeutsch ist so alt wie Kaisers Bart. „Superjeilezick“ ist zum Beispiel urkölsch und total erfolgreich, das hörst du heute noch in jeder Skihütte. Ich denke, es kommt auf die Qualität an.
Janus Fröhlich: Fakt ist, unsere fünf Bands sitzen wie ein Propfen auf der Kreativität. Im Großraum Köln finden jedes Jahr 3500 Karnevals-Sitzungen statt. Über den Daumen macht allein jeder von uns in der Zeit 250 Auftritte.
Klaus Lückerath: Genau. Und irgendwann sind wir alle platt. Wäre doch wirklich wichtig, dass da auch mal was Neues kommt. Wir brauchen die Qualität von unten, den Nachwuchs.
Erry Stoklosa: Und wo ist der? Wo sind die, die auf Kölsch mit Wortwitz und Kreativität aus ihrem Leben erzählen können, die die Leute mit ihren Geschichten begeistern? In der Rednerszene hat sich da was getan. Der Bernd Stelter, der Guido Cantz, jetzt der Marc Metzger - da hat sich ein Wechsel vollzogen. Bei der Musik aber leider noch nicht. Der letzte Nachwuchs, der kam, waren Brings.
Peter Brings: Mensch, nächstes Jahr feiern wir unser 20. Bandjubiläum. Im Karneval spielen wir auch schon seit 2000!
Karl-Heinz Brand: Trotzdem: Es ist einfach sehr schwer, als Nachwuchsband in die Szene reinzukommen.
Detlef Vorholt: Stimmt, ich sehe in Köln auch keine Stelle, wo der Nachwuchs überhaupt eine Chance hat.
Janus Fröhlich: Es ist doch so: Literaten und Programmmacher buchen zwei Jahre im voraus. Klar, dass die uns alle fünf auf der Bühne haben wollen. Da geht es ums Geld, darum, die Sitzung zu verkaufen und beim Präsident gut dazustehen.
Erry Stoklosa: Was den Stil angeht: Der Nachwuchs müsste gar nix Neues erfinden. Jede Generation hat doch ihre eigene Sprache. Die 20-Jährigen müssten über ihr Leben schreiben. Und nicht einen Text adaptieren, den wir alten Kapellen schon geschrieben haben.
Klaus Lückerath: So ist es. Wenn du was Eigenes erzählen kannst, dann interessiert es die Leute auch. Egal ob es als Rap, HipHop oder als Wiener Walzer rüberkommt. Man muss die Geschichten nachvollziehen können. Erst mal auch egal, ob auf Kölsch oder Hochdeutsch.
Peter Brings: Das ist die eine Seite. Die andere: Ohne Hilfe geht es nicht. Brings hat der Karneval den Arsch gerettet. Aber ohne die Hilfe der Höhner und der Paveier, die uns am Anfang mit auf die Bühnen genommen haben, hätten wir das nie geschafft.
Detlef Vorholt: Wir sind uns ja alle einig: Nachwuchs ist dringend nötig. Und wir werden ihn unterstützen!
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