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Wie sie wirken: Herzmedikamente

Es gibt vier große Medikamentengruppen, die überwiegend nach Herzinfarkten eingesetzt werden.

Es gibt vier große Medikamentengruppen, die überwiegend nach Herzinfarkten eingesetzt werden.

Welche Rolle die verschiedenen  Medikamente bei  der Herzbehandlung spielen  und wie sie wirken, erklärt Prof.  Dr. Thomas Meinertz von der  Klinik und Poliklinik für Allgemeine  und Interventionelle  Kardiologie am Universitären  Herzzentrum Hamburg. Es gibt  vier große Medikamentengruppen,  die überwiegend eingesetzt  werden, um Herzinfarkte  zu vermeiden und die Lebenserwartung  zu verbessern: 

– Acetylsalicylsäure (ASS) 

– Statine 

– ACE-Hemmer 

– Betablocker 

Warum ASS? 

Acetylsalicylsäure hemmt  die Bildung von Blutgerinnseln in den Herzkranzgefäßen. Weil  diese Gerinnsel zum Gefäßverschluss  führen können, bekommt  jeder Koronarkranke  ASS. Die Dosierung von ASS  war lange umstritten. Heute ist  man sich einig, dass die tägliche  Dosis bei mindestens 75mg  und maximal 300 mg liegen  sollte. Generell gilt: je weniger,  desto besser. Wir verordnen  meist 100 mg ASS in einer speziellen  magenverträglichen  Form (Protect-Form). Die häufigsten  Nebenwirkungen sind  Magenschmerzen und geringer  Blutverlust aus dem Magen-  Darm-Bereich, sogenannte  Mikro-Blutungen. Nur selten  kommt es zu Magenblutungen  und Magengeschwüren. 

Warum Statine?  Die meisten Herzkranken haben  einen erhöhten Cholesterinwert.  Statine senken das  schädliche LDL-Cholesterin  und verbessern die Prognose  bei Koronarkrankheiten. Als  Nebenwirkungen können Muskelbeschwerden  und eine leichte  Erhöhung der Muskelenzyme  im Blut auftreten. Aber erst wenn die Enzyme auf z. B.mehr  als das Dreifache der oberen  Norm angestiegen sind, muss  das Statin abgesetzt werden.

Da  es verschiedene Statine gibt  und Patienten unterschiedlich  auf diese Medikamente reagieren,  wird zunächst ein anderes  Statin eingesetzt.  Lassen die Beschwerden auch  dann nicht nach, kann die Dosis  reduziert und mit dem Medikament  Ezetimib kombiniert werden.  Ezetimib ist ein relativ  neues Medikament, das die  Cholesterinaufnahme im Darm  blockiert. 

Warum ACE-Hemmer? 

ACE (Angiotensin-Converting-  Enzym) ist ein überall im  Körper verbreitetes Enzym, das  die Bildung der stark gefäßverengenden  und gefäßschädigenden  Substanz Angiotensin  steuert. ACE-Hemmer verhindern  die Bildung dieses Stoffes  und schützen so die Gefäße und  den Herzmuskel. Vor allem  Herzpatienten mit den Zusatzrisiken  Diabetes und Bluthochdruck  werden ACE-Hemmer  verschrieben.

Eine häufige, aber harmlose Nebenwirkung  dieses Medikamentes ist ein  trockener Husten. Nur sehr selten  tritt eine allergische Reaktion  auf, wie ein Anschwellen  von Haut und Schleimhaut im  Mund und Rachen. Dann muss  sofort ein Arzt eingreifen. Als  Alternative gibt es sogenannte  AT1-Blocker (ebenfalls Hemmstoffe  des Angiotensins). Sie  sind allerdings deutlich teurer,  weil sie noch patentgeschützt  sind. 

Warum Betablocker? 

Betablocker senken die Herzschlagfolge  und vermindern  dadurch den Sauerstoffverbrauch  des Herzens. Sie senken  außerdem den erhöhten Blutdruck.  Bei Patienten, die unter  einer Pumpschwäche leiden,  verbessern sie die Lebenserwartung.  Außerdem verhindern  bzw. verbessern Betablocker  Beschwerden der stabilen  Angina pectoris wie Schmerzen  in der Herzgegend (meist  hinter dem Brustbein) und Engegefühl  im Brustkorb bei körperlicher  oder seelischer Belastung. 

Ein Problem der Betablocker-Therapie ist, dass viele Patienten  die erforderliche Dosierung  wegen der Nebenwirkungen  nicht vertragen. Häufigste  Nebenwirkungen sind: Müdigkeit,  Abgeschlagenheit, depressive  Verstimmungen und Leistungsschwäche.  Betablocker  können auch Diabetes begünstigen  und zu Potenzproblemen  führen. 

Achtung: Betablocker dürfen  nie von einem auf den anderen  Tag abgesetzt werden – Herzschlag  und Blutdruck können  schlagartig in die Höhe schießen  (Rebound-Phänomen). Die  Dosis sollte nur in Absprache  mit dem Arzt nach und nach  verringert werden. Für Patienten,  die Betablocker nicht vertragen,  gibt es ein Medikament  mit einem neuen Wirkprinzip:  Ivabradin. Es hemmt die Impulse  der Herzschrittmacherzellen,  die Herzfrequenz wird so gezielt  gesenkt. Ivabradin hat  nicht die Nebenwirkungen von  Betablockern und beeinträchtigt  auch nicht die Pumpkraft  des Herzens. Hauptnebenwirkung  des Medikamentes sind  Lichtphänomene.