Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.

Grippewelle: NRW schnieft, hustet und keucht

NRW ist verschnupft: Die Grippewelle ebbt nicht ab.

NRW ist verschnupft: Die Grippewelle ebbt nicht ab.

Foto:

dpa

Düsseldorf -

Hatschi, NRW! Nordrhein-Westfalen schnieft, hustet und keucht. Noch immer hat die Grippe- und Erkältungswelle unser Bundesland fest im Griff. Die Folge: überfüllte Arztpraxen, leere Schulklassen und Arbeitsplätze.

Besonders stark betroffen ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts der Süden von NRW.

Das Beunruhigende: Es deutet sich keine Entwarnung an. Wie schwer die Krankheitswelle gemessen an anderen Jahren ist, kann das Robert Koch Institut noch nicht sagen. „Die Schwere kann man nicht während einer laufenden Welle einordnen“, sagte die Pressesprecherin des Robert Koch Instituts, Susanne Glasmacher. Die letzte schwere Grippewelle habe es im Winter 2008/2009 gegeben.

Leere Schulklassen

In diesem Jahr scheint es ähnlich heftig zu werden: In einem Kölner Gymnasium blieb ein Lehrer auf den Halbjahreszeugnissen sitzen. Knapp die Hälfte seiner Schüler musste das Bett hüten. In Aachen wurden vorübergehend Buslinien eingestellt, weil die Personaldecke bei den Busfahrern zu kurz war.

In der Klasse einer Essener Grundschule stand die Klassenlehrerin vor einer halb leeren Klasse. Neun von 21 Kindern fehlten. „Sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagte die Klassenlehrerin. Selbst Kinder mit einer gewöhnlich robusten Gesundheit hatte es erwischt. Berufstätige Eltern kommen ins Schleudern, weil sie die kranken Kleinen betreuen müssen.

„Man sagt, wenn die Grippe ausbricht, fängt das bei den Kindern an“, sagt Kinderarzt Thomas Fischbach in Solingen. Die Krankheitsbilder seien bei den kleinen Patienten ähnlich: Fieber, Husten, Schnupfen - die Kinder fühlen sich schlapp und elend, einfach krank. Manche haben noch Durchfall dazu.

Die meisten Fälle verliefen glimpflich, aber es komme auch immer mal wieder zu Komplikationen wie Mittelohrentzündung und Lungenentzündung, sagt der Sprecher des Bundesverbands Kinder- und Jugendärzte Nordrhein, Thomas Fischbach. Beim letzten Notdienst habe er gut doppelt soviel kleine Patienten gehabt wie sonst. Auch er bemerkt, dass deutlich weniger Kinder als üblich gegen Grippe geimpft sind.

Die Infektionen seien viel hartnäckiger als sonst - auch bei Erwachsenen. Patienten brauchten zehn bis 14 Tage, um sich zu erholen, etwa dreimal so lang wie sonst. „Die Leute sind deutlich kränker“, bestätigt auch der Düsseldorfer Allgemeinmediziner André Schumacher. Er schreibe die Patienten von vorneherein länger krank, „weil die Erfahrung zeigt, dass es mehr Zeit braucht, um gesund zu werden“.

Grippe-Symptome

Grippe oder Erkältung - wann sollte ich zum Arzt? Schlagartig hohes Fieber und das Gefühl, richtig krank zu sein, da liege der Grippe-Verdacht nah. In diesem Fall ist der Arzt die richtige Wahl.

Die Frage, warum sich die Grippewelle so dauerhaft und hartnäckig hält, beantwortet der Dortmunder Mediziner Prosper Rodewyck: „Leider sind in diesem Jahr deutlich weniger Leute geimpft, weil es diese unsäglichen Diskussionen über den Impfstoff gab.“

Zwei Grippeimpfstoffe des Schweizer Konzerns Novartis waren zurückgerufen worden, weil in Italien Ausflockungen gefunden worden waren. „Wenn in der Zeitung erst einmal steht, dass ein Impfstoff schlecht war, dann heißt es nur: Die Impfung ist schlecht“, meint der Arzt. In seiner Praxis hätten sich deutlich weniger Menschen impfen lassen als sonst.