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Forschung: Erfolg mit Stammzellen

Nicht eindeutig erklärbare Einschränkungen des Gesamtbefindens haben sehr häufig mit der Schilddrüse zu tun.

Nicht eindeutig erklärbare Einschränkungen des Gesamtbefindens haben sehr häufig mit der Schilddrüse zu tun.

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Thinkstock.com

Hoffnung auf neue Wege in der Therapie von Schilddrüsenerkrankungen macht ein Erfolg von Wissenschaftlern aus Belgien. Einem Team um die Brüsseler Forscherin Sabine Costagliola gelang es im Labor, aus Stammzellen funktionstüchtige Schilddrüsenzellen herzustellen. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) beurteilt die Experimente als „Meilenstein auf dem Weg zu einer Stammzelltherapie von Schilddrüsenerkrankungen“.

Allerdings sind noch weitere Forschungen nötig, bis das Verfahren Patienten zugute kommen könnte.


Produktion angekurbelt
Der Forschungserfolg war auch für die Beteiligten eine Überraschung: „Eigentlich suchten die Forscher nur eine neue Schilddrüsenzell-Linie für weitere Experimente, überraschenderweise formierten sich die Zellen jedoch spontan zu Schilddrüsenfollikeln“, sagt Professor Dr. Helmut Schatz, ehemaliger Direktor am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum und Sprecher der DGE.

„Die Follikel sind in der Schilddrüse die Werkstätten für die Hormonproduktion“, erläutert Professor Dr. Dagmar Führer, Vize-Präsidentin der DEG und Direktorin der Klinik für Endokrinologie am Universitätsklinikum Essen. Die Brüsseler Forscher konnten in den Schilddrüsenfollikeln die Hormonproduktion in Gang setzen, angeregt durch das Hormon TSH, das beim Menschen in der in der Hirnanhangdrüse gebildet wird und die Schilddrüse steuert. Mit der Kontrolle durch TSH war eine wichtige Voraussetzung für eine Transplantation geschaffen, denn so kann die schädliche Überproduktion von Schilddrüsenhormonen gestoppt werden.

Nachdem die Forscher die Follikel in die Versuchsmäuse transplantiert hatten, begannen die Zellen tatsächlich, Schilddrüsenhormone zu produzieren. Professor Führer: „Ein Ausfall der Schilddrüse konnte bei den Tieren kuriert werden.“


Rechtsfrage
Denkbar ist also eine Transplantation in die menschliche Schilddrüse, vorausgesetzt das erkrankte Organ ist noch ausreichend durchblutet. So könnten Patienten mit Unterfunktion künftig auf ihre täglichen Hormontabletten verzichten. Die Forschungserfolge der Brüsseler wurden mit embryonalen Stammzellen erzielt – was in Deutschland nur in Ausnahmefällen erlaubt ist. Die Hoffnung, eine Therapie zu entwickeln, ruht also auf Stammzellen, die aus normalen Zellen gewonnen und dann umprogrammiert werden.

„Der nächste Schritt wird darin bestehen, auch diese zur Bildung von Schilddrüsenfollikeln zu bewegen“, sagt Professor Schatz. Dann wären alle Voraussetzungen für eine Transplantation beim Menschen geschaffen.

Dennoch dürfte bis zur ersten Behandlung eines Menschen noch einige Zeit vergehen.