Der Friedensnobelpreis 2010 geht an ... das Internet. So könnte die Bekanntgabe des Preisträgers im Oktober 2010 lauten.
Auf der Liste von 237 Personen und Organisationen, die das norwegische Komitee jetzt aus über 1000 Vorschlägen erstellte, soll das Internet ein heißer Kandidat sein.
Für den Friedensnobelpreis ist das norwegische Komitee zuständig, welches sich am 9. März zum ersten Treffen des Jahres 2010 versammelte, um engere Kandidaten auszuwählen. 237 Vorschläge blieben übrig. Der Direktor des norwegischen Nobel-Institutes, Geir Lundestad, sagte der BBC, es habe "tausende Vorschläge gegeben." Die Liste bleibt geheim, eine offizielle Bestätigung über Nominierungen wird es also nicht geben.
Die italienische Ausgabe des einflussreichen Internet-Magazin Wired macht sich nun mit der Kampagne "Internet for Peace" zum Sprachrohr der Idee. Die Kampagne betont die Verdienste des eigentlich gesichtslosen Netzwerkes: Dialog und Debatte, Einigkeit und Demokratie.
Riccardo Luna vom italienischen Wired-Magazine hebt am Beispiel der letztjährigen Proteste im Iran die Rolle des Internets bezüglich Demokratisierung und Informationszugang hervor. "Eine globale Waffe der Hoffnung" sei das Internet. Der US-Wired Chefredakteur Chris Anderson sagte am Freitag: "Kurzfristig kann es Twitter nicht mit einer Kalaschnikow aufnehmen, aber langfristig ist eine Tastatur mächtiger als ein Schwert."
Auf der Internet for Peace-Website kann man die Petition unterzeichnen. Bereits getan haben das Shirin Ebadi, iranische Menschenrechtlerin, die 2003 den Friedensnobelpreis gewann. Als ehemalige Preisträgerin hat sie ein Vorschlagsrecht. Auch Giorgio Armani gehört zu den Botschaftern der Kampagne, zahlreiche Firmen unterstützen die Idee.
Diese kommerzielle Unterstützung erregt Kritik, auch generell gibt es Bedenken. Die kürzlich gegründeten Facebook-Gruppe "No Nobel Peace Prize for the Internet" ist dagegen: Das Internet an sich sei zweckneutral. Und wer soll den Preis den bitteschön entgegennehmen, fragen die Kritiker.
Andere aussichtsreiche Anwärter, die angeblich auch auf der Liste stehen, sind die russische Menschenrechtsaktivistin Svetlana Gannushkina und der chinesische Menschenrechtler Liu Xiaobo.
Letztes Jahr gab es 205 Nominierungen, US-Präsident Obama gewann den renommierten Preis.
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