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7. Teil: Brustkrebs: Wir sind stärker als der Krebs

Zwei Schwestern: eine - Nadja, die Ältere (vorne) - hat das familiäre Brustkrebs-Gen BRCA1, die Jüngere Maria erbte es nicht.

Zwei Schwestern: eine - Nadja, die Ältere (vorne) - hat das familiäre Brustkrebs-Gen BRCA1, die Jüngere Maria erbte es nicht.

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Fotos: Uwe Weiser

Die Entdeckung, dass es tatsächlich Gene gibt, die in einigen Familien für ein dramatisch erhöhtes Brustkrebs-Risiko sorgen, war ein Meilenstein der Krebsmedizin. Krebsfälle gerade in jungen Jahren ließen sich so erklären. Betroffene können sich seither gezielter schützen, statt in diffuser Angst zu leben. 1994 wurde in den USA das Risiko- Gen BRCA 1 entdeckt, 1995 das BRCA 2 in Großbritannien. Im Mai wurde das durch deutsche Forscher u. a. in Köln identifizierte Risiko- Gen RAD51C als BRCA 3 bestätigt. 1996 eröffneten, finanziert von der Deutschen Krebshilfe, Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs in Köln/Bonn, Düsseldorf. Dort wird Risikofamilien geholfen. Diesen Monat starten in Köln Testreihen mit dem ersten Medikament, das BRCA-1-Tumorzellen tötet.

Krankenschwester Nadja Gotzein (27) und ihre Schwester Maria (24) fühlen sich der Krankheit nicht länger ausgeliefert, die wie ein Fluch über ihrer Familie lag.

Grund: Die Bonner Schwestern ließen sich auf das Risiko- Gen für familiären Brustkrebs testen und wissen: Nadja hat das BRCA1 - Maria hat es nicht. Die Klarheit ist brutal. Aber sie besiegt die Angst. Der Befund eröffnete der älteren Schwester, sich sehr viel gezielter zu schützen. Der Jüngeren, sich nicht bedrohter zu fühlen als jede andere Frau. „Meine Mutter starb mit 38 an Brustkrebs, meine Tante mit 37, deren Tochter erkrankte mit 25, starb mit 32 Jahren“, erzählt Nadja.

„Dass das kein Zufall sein konnte, vermuteten die Ärzte seit langem.“ Im Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs an der Universität Köln, dem ersten bundesweit, wurden Mitte der 90er Jahre alle erwachsenen Verwandten auf das damals neu entdeckte Brustkrebs- Gen BRCA 1 untersucht.

Ergebnis: Viele Verwandte und alle Erkrankten hatten es. Die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu entwickeln, beträgt somit 80 Prozent. Um das Leben von Tante, Mutter und Cousine zu retten kam diese bahnbrechende Entdeckung zu spät. Doch die Schwestern konnten den Fortschritt nutzen. „Für mich stand fest, dass ich mich testen lasse, sobald ich 18 bin“, sagt Nadja. „Aber ich habe noch zwei Jahre gewartet, damit ich zusammen mit meiner kleinen Schwester zu dem Test gehen kann.“

Sie ließen sich Blut abnehmen, 10 ml. Die weißen Blutkörperchen wurden auf das Brustkrebsgen untersucht. Das Ergebnis erhielten die Schwestern gleich am nächsten Tag, weil das Genprofil ihrer Familie im Zentrum bereits bekannt war. Expertin Prof. Rita Schmutzler: „Bei erstmaliger Gensuche kann sich das bis zu drei Monaten hinziehen.“

Die Freude, dass Schwester Maria das BRCA 1 nicht geerbt hat, dämpfte den Schock der damals 21-jährigen Nadja: „Für mich stand früh fest, dass ich den Kampf gegen den Krebs rigoros angehe, falls ich das Gen habe. “ Mit 25 traf die Bonnerin die Entscheidung, sich prophylaktisch beide Brüste abnehmen zu lassen. Bereut hat sie diesen Schritt nie. „Ich bin jetzt mit meinem Busen zufriedener als vorher. Nicht aus optischen Gründen, sondern weil ich keine Angst mehr vor ihm habe.“ Letztes Jahr hat sie geheiratet - ihren langjährigen Freund.