Empfehlen | Drucken | Kontakt03.01.2012 - 15:01 Uhr

Boreout: Mit Test: Macht Ihr Job Sie vor Langeweile krank?

Zu wenig zu tun oder einfach unterfordert: Der Begriff „Boreout“ beschreibt das Phänomen.
Zu wenig zu tun oder einfach unterfordert: Der Begriff „Boreout“ beschreibt das Phänomen.
Foto: dpa

Burnout - die Krankheit der Top-Manager und Stars kennt jeder. Vielen Normalos geht es genau umgekehrt: Sie haben nichts zu tun in ihrem Job, täuschen Geschäftigkeit vor und werden darüber krank. Boreout heißt das Phänomen. Von „boredom“, dem englischen Wort für Langeweile.

E-Mails sortieren, Aktenstapel von rechts nach links räumen, wahllos in Dokumenten herumtippen - Geschäftigkeit vorzutäuschen, ist harte Arbeit. So hart, dass sie auslaugen kann. Im schlimmsten Fall bis zum Boreout, dem Syndrom der Unterforderten.

„Unsere Gesellschaft ist gewissermaßen geteilt: Burnout haben die Erfolgreichen. Die bekommen das ganze Interesse“, sagt der Psychotherapeut Wolfgang Merkle. „Menschen mit Boreout werden weniger beachtet, obwohl sie fast die gleichen Symptome haben.“ 

Niedergeschlagen und antriebslos

Boreout kann sich durch Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder die Unfähigkeit, das Leben zu genießen, bemerkbar machen. Auch unter körperlichen Symptomen könnten Betroffene leiden, zum Beispiel Magenbeschwerden, Schwindel, Tinnitus oder Kopfschmerzen. Der Unterschied zum Burnout: Die Erschöpfung wird durch den Stress der Unterforderung verursacht, nicht durch Überforderung.

Test: Leiden Sie unter Boreout?
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Als Beispiel für einen Boreout-Fall schildert der Buchautor Peter Werder eine typische Erlebniskette: Ein Bewerber erwartet von seinem neuen Job aufgrund der Ausschreibung und des Bewerbungsgesprächs eine Position als Projektleiter mit internationaler Erfahrung. „Am Schreibtisch stellt sich aber heraus, dass Sie nicht die Projektleitung haben, sondern nur eine Unterabteilung leiten, und dass Sie auch nur manchmal ein bisschen Englisch sprechen müssen.“ Er ist quantitativ und qualitativ unterfordert. „Die eigentliche Schwierigkeit ist, zu realisieren, dass das der Grund ist, warum man am Abend müde ist.“

Auch ein Arbeitnehmer, der immer nur Teilaufgaben erledigen muss, könne an Boreout erkranken, ergänzt Jörg Feldmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Denn aus psychologischer Sicht ist es wichtig, auch mal Erfolgserlebnisse zu haben und Dinge abzuschließen.

Nichtstun wird mit Aktionismus kaschiert

Qualitative und quantitative Unterforderung gehen laut Unternehmensberater Werder miteinander einher. Um das Nichtstun zu kaschieren verfallen nicht wenige Betroffene paradoxerweise in die Burnout-Strategie, bei der Boreout-Geplagte ihr Problem gewissermaßen ins Gegenteil umkehren und von früh bis spät im Büro sind, um Überlastung zu simulieren. Es stimmt daher nicht, dass Betroffene einfach nur faul sind. „Absoluter Blödsinn“, sagt Werder zu solchen Vorwürfen. „Wer Boreout hat, will ja arbeiten und leidet darunter, dass er es nicht kann.“

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Bemerken Arbeitnehmer, dass ihr Büroalltag in diese Richtung driftet, sollten sie möglichst früh das Zepter in die Hand nehmen, rät Merkle. Eine Lösung könne Teilzeitarbeit sein, ergänzt Werder. “ Zwar gibt es dann weniger Geld, aber im Büro ist man ausgelastet, und die freie Zeit kann man woanders sinnvoller verstreichen lassen.

Bis zur Erschöpfungsdepression

Ist die Erschöpfungsdepression schon eingetreten, sollten Betroffene die Symptome ihrem Hausarzt schildern, rät Therapeut Merkle. Der schicke ihn wahrscheinlich zu einem Facharzt für psychosomatische Medizin. In einigen Fällen könne aber auch der beste Therapeut nichts mehr retten: „Manchmal hilft nur die Kündigung.“

Langweilt der Job nur hin und wieder oder sind Sie bereits vom Boreout-Syndrom betroffen? Machen Sie den Test in der Bildergalerie oben.

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