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Prostatakrebs: Das Risiko der Mannbarkeit

Professor Jan Roigas ist Chefarzt in Berlin.
Professor Jan Roigas ist Chefarzt in Berlin.

Prostatakrebs ist tückisch, denn es gibt kaum Warnzeichen; Vorsorge-Untersuchung ist wichtig.

Eine kleine Drüse macht vielen Männern Angst: die Prostata. Sie ist gerade mal so groß wie eine Kastanie und ihre eigentliche biologische Funktion wird nur wenige Male im Leben gebraucht. Nämlich zur Zeugung von Kindern. Dafür produziert die Vorsteherdrüse das Sekret, das bei der Ejakulation in die Harnröhre geleitet wird und den Spermien als Transportmittel dient. Das war´s dann aber auch schon!

In keinem Vergleich dazu steht die Sorge, die die Prostata vielen, vor allem älteren Männern bereitet. Prostatakrebs liegt mit 58 000 Neuerkrankungen jährlich in Deutschland an der Spitze der Krebserkrankungen bei Männern, haben die Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister und das Robert- Koch-Institut ermittelt. Die Zahl hat sich innerhalb von acht Jahren mehr als verdoppelt. Nach Lungen- und Darmkrebs steht dieser Tumor an dritter Stelle krebsbedingter Todesursachen des Mannes. Jedes Jahr sterben daran etwa 11 000 Patienten.

Der Prostatakrebs ist reine Männersache. Denn nur Männer haben eine Vorsteherdrüse. Die Prostata umschließt die Harnröhre unterhalb des Blasenausgangs. In unmittelbarer Umgebung der Prostata verlaufen Nervenstränge und Blutgefäße. Damit sie die Spermien gut auf den Weg bringen kann, bedarf es noch eines Hormons und zwar des männlichen Sexualhormons Testosteron. Das ist zuständig für Funktion und Wachstum der Vorsteherdrüse. Ohne Testosteron, das in größeren Mengen erst mit Beginn der Pubertät gebildet wird, bleibt die Prostata unterentwickelt und produziert kein Sekret.

„Der Prostatakrebs bildet sich bei neun von zehn Patienten im äußeren Abschnitt der Organs“, erklärt Professor Jan Roigas, Chefarzt in Berlin. Es gibt ein familiäres Risiko, das gilt als gesichert. „Sind Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt, ist das Risiko, selbst ein Prostatakarzinom zu bekommen, etwa zwei bis dreifach erhöht. Sind Vater und Bruder betroffen, steigt das Risiko auf das Fünf- bis Zehnfache an“, so der Urologe. Als mögliche Risikofaktoren gelten heute Übergewicht, fett und kalorienreiche Ernährung, Bewegungsmangel und das Rauchen.

Laut Robert-Koch- Institut ist das Hauptrisiko aber das Lebensalter. Vor dem 50. Lebensjahr tritt diese Tumorerkrankung äußerst selten auf. Die Krebsregister in Deutschland verzeichneten im Jahr 2004 unter 100 000 Männern zwischen 45 und 59 Jahren 271 Erkrankungsfälle. In der Altersgruppe der 60- bis 74-Jährigen waren bereits 989 von 100 000 Männern betroffen. Bei den über 75- Jährigen verdoppelt sich diese Erkrankungsrate noch.

Prostatakrebs ist tückisch – denn er verursacht im Anfangsstadium meist überhaupt keine Beschwerden oder gar Schmerzen. Prostatakrebs kann auch ähnliche Beschwerden verursachen wie die gutartige Prostatavergrößerung: schwacher Harnstrahl, häufiger Harndrang (auch nachts), Nachtropfen von Harn nach dem Wasserlassen, unterbrochener Harnstrahl und Schwierigkeiten, mit dem Wasserlassen zu beginnen. „Meistens handelt es sich bei solchen Symptomen tatsächlich um die Zeichen einer gutartigen Vergrößerung. In etwa zehn Prozent der Fälle steckt jedoch ein Prostatakrebs dahinter“, erklärt der Experte. Weil es kaum sichere Warnzeichen gibt, kann Prostata-Krebs nur im Rahmen von Früherkennungs- Untersuchungen diagnostiziert werden.

Wenn er entdeckt wird, solange er auf die Prostata begrenzt ist, ist eine vollständige Heilung möglich. Dann überleben 80 Prozent der Patienten. Bei ganz früher Diagnose sind es mehr als 90 Prozent. Doch gerade die Früherkennung ist die größte Schwachstelle im Kampf gegen Prostatakrebs. „Denn bislang gibt es keine wirklich zuverlässige Methode, die eindeutig einen Krebs anzeigt“, so der Experte. Bei der Tastuntersuchung tastet der Arzt die Prostata vom Enddarm aus ab. Allerdings können zumeist nur oberflächliche Tumoren erkannt werden, die schon eine gewisse Größe erreicht haben. Und das wiederum bedeutet, dass sich die Erkrankung nicht mehr in einem Frühstadium befindet.

Die Tastuntersuchung steht jedem gesetzlich Versicherten ab 45 Jahren einmal im Jahr zu. Die Kosten trägt die Krankenkasse. Eine andere Untersuchung wird per Ultraschall durchgeführt. Aber auch hier sei die Treffsicherheit gering: „Sie liegt gerade mal zwischen 20 und 60%“ Zur Erstdiagnose oder aber zur weiteren Abklärung einer eventuellen Erkrankung wird der sogenannte PSA-Test eingesetzt. PSA steht für Prostataspezifisches Antigen. Das ist ein Eiweißstoff, der ausschließlich in der Prostata gebildet wird. Normalerweise sind nur geringste Mengen von PSA im Blut nachweisbar. Ist der Spiegel erhöht, kann eine Prostatakrebserkrankung vorliegen. Und auch ein erhöhter Wert ist kein sicheres Indiz. Tatsächlich haben zwei von drei Männern mit erhöhtem Wert gar keinen Krebs. Dennoch hält Professor Roigas den Test für unverzichtbar: „Wir haben derzeit keine Alternativen. Viele Prostatakarzinome sind durch die PSA-Bestimmung in einem frühen Stadium entdeckt worden. Durch den Test können wir die Sterberate senken.

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