Nicht nur die Diagnose ist schwierig, auch die Entwicklung des Prostatakrebses ist nicht sicher zu prognostizieren. Bei einigen Patienten wächst er schnell und aggressiv und bildet Tochtergeschwulste (Metastasen). Bei den meisten aber ist er einfach nur ein stiller Begleiter.
Betroffenen stehen vielfältige Behandlungsmethoden zur Verfügung. Welche Behandlung in Frage kommt, wie nervschonend und nerverhaltend operiert werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wie groß ist der Tumor? Wie aggressiv? Hat er bereits gestreut, oder ist er auf die Prostata begrenzt? Wichtig sind aber auch Alter und allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten. „Die chirurgischen Techniken sind besser geworden, aber Prostata-Operationen können immer noch inkontinent und impotent machen“, sagt Hans- Joachim Gebest, der den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums leitet.
Grundlage ist es, die Testosteron-Produktion zu unterbinden, da das Hormon das Wachstum des Karzinoms fördert.
Bei der operativen Kastration werden die Hoden komplett entfernt – oder zumindest die Teile, in denen das Testosteron produziert wird. Erhalten werden die Hoden bei der Verabreichung von LHRH-Agonisten oder Antihormonen. Die Medikamente werden alle ein bis drei Monate gespritzt oder täglich als Tablette eingenommen. Manchmal erfolgt die Hormontherapie auch kombiniert mit Spritzen und Tabletten.
Anwendung: wenn der Krebs sich auf andere Körperteile außerhalb der Prostata ausgeweitet hat, um die Streuung oder das Wachstum des Krebses zu verlangsamen.
Denn haarfeine Nerven- und Muskelfasern, die die Prostata umgeben, leiten die Impulse weiter, die der Mann braucht, um eine Erektion zu bekommen. Zahlreiche weltweite Studien kommen zu dem Ergebnis, dass bei einer nerverhaltenden Operation bei bis zu 80 Prozent der Männer unter 65 Jahren die Erektionsfähigkeit erhalten bleiben kann. „Müssen die Nerven jedoch beidseitig durchtrennt werden, um den Tumor vollständig zu entfernen, bleiben mindestens 80 Prozent der Patienten dauerhaft impotent“, so Professor Roigas.
Zweites Problem: drohende Inkontinenz. So muss in den ersten zwei bis drei Monaten nach einer Prostata-Operation etwa jeder zweite Patient mit Problemen beim Halten des Urins rechnen. „Ein völliger Verlust der Blasenkontrolle kommt aber praktisch nicht mehr vor“, so Professor Roigas.
Nichtstun bei regelmäßiger Kontrolle: „Active Surveillance – Aktive Überwachung“ erfordert zwar regelmäßige Kontrolluntersuchungen um herausfinden, ob es sich eher um einen langsam wachsenden „Haustierkrebs“ oder gefährlichen „Raubtierkrebs“ handelt, aber operiert wird erst bei Gefahr. „Das aktive Beobachten ist eine wichtige Therapie-Säule. Allerdings brechen 50 bis 60% der Betroffenen diese Therapieform vorzeitig ab, weil entweder der Tumor wächst oder sie den psychischen Druck nicht ertragen können“, erklärt Roigas.
Empfohlen wird die Therapie des Abwartens als Alternative zum Eingriff allerdings nur bei kleinen auf die Prostata begrenzten Tumoren. „Entscheidend für das Gelingen der operativen Therapie ist viel mehr das Können und die Erfahrung des Operateurs.“ Professor Roigas rät: „Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt die für Sie beste Behandlung. Beziehen Sie auch die Familie, besonders Ihre Partnerin mit ein. Treffen Sie Ihre Entscheidung ganz in Ruhe. Prostatakrebs ist in aller Regel kein Notfall.“
Das Risiko der Mannbarkeit
Eine kleine Drüse macht vielen Männern Angst: die Prostata. Prostatakrebs ist tückisch, denn es gibt kaum Warnzeichen; Vorsorge-Untersuchung ist wichtig.
Urintest soll Krebs aufspüren
Ein einfacher Test, den Wissenschaftler am Hamburger Uniklinikum-Eppendorf (UKE) derzeit klinisch prüfen, macht Hoffnung, Prostatakrebs künftig zuverlässiger aufspüren zu können.
„Ich wollte den Krebs einfach loswerden“
Ich und Krebs? Einfach absurd! Sechs Jahre ist es her, dass bei mir Prostatakrebs diagnostiziert und meine Welt damit von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt wurde“, erzählt Peter Weitzel.