Blond, wie es blonder kaum geht. Blaue Augen, tief wie der Ozean – und überall sehr, sehr offenherzig: Sonya Kraus (37), absoluter Hingucker in der Show-Landschaft und Markenzeichen von Pro7.
Erst Freitag räumte sie in der Spielshow „Die perfekte Minute“ mit vollem Körpereinsatz ab. Jetzt hat die junge Mutter, die 1998 als Buchstabenfee im „Glücksrad“ ihre TV-Karriere startete und vor zehn Jahren mit „talk, talk, talk“ eine Kultsendung schuf, ihre Lebenserfahrungen in einem Buch veröffentlicht:
„Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila“ (Bastei Lübbe, 9,99 Euro). Wie es dazu kam, was den Leser erwartet und wie es in ihrem Leben aktuell aussieht, erklärt sie im langen, fröhlichen Interview.
Sonya Kraus: Du musst viel mixen, und manchmal kommt dann eine gehörige Portion Kopfschmerz raus. Aber wenn du es gut machst, kannst du dich an einem sehr farbenfrohen, süffigen Getränk erfreuen. Das ist auch mein Credo: „Egal, was du tust, genieße es!“
Fast immer. Wenn ich zum Beispiel morgens um 4.30 Uhr aufstehen muss, um zu einem Termin zu kommen, könnte ich klagen, tue es aber nicht. Ich springe ins Taxi, fahre durch eine Großstadt, die noch nicht erwacht ist – und genieße so Zeit, Fahrt und Stadt. Und schon habe ich wieder ein Zuckerstückchen mehr am Zuckerrand des Cocktailglases.
Sie ist unter Stressbedingungen gewachsen. Mein persönliches Belastungs-EKG wurde schon in meiner Kindheit immer eine Stufe höher geschraubt. Erst mit sechs Jahren, als mein Brüderchen starb, dann mit elf, als mein Vater starb, und dann mit 15, als ich anfing, als professionelles Fotomodell zu arbeiten, aber noch zur Schule ging. Davon profitiere ich immens.
Taff? Das bin ich nicht. Ich wundere mich immer wieder, dass ich auf die Leute so einen Eindruck mache. In Wirklichkeit bin ich nahe am Wasser gebaut – und auch längst nicht so seicht wie eine Pfütze. Ich bin allerdings gut im Einstecken und manchmal – von Berufs wegen zum Beispiel bei „TV total“ – auch ein Schand- und Schlappmaul. Aber das ist dann bestellt.
Das ist eine besondere Erfahrung, die ich immer wieder mache. Offenheit, gerade wenn es um solche Themen wie Sex geht, ist eine Waffe, die entwaffnet. Ich komme damit gut klar. Ich kann übrigens auch gut Sex-Witze erzählen – andere kenne ich auch gar nicht, weil ich die sofort wieder vergesse.
Ich finde, Sex wird manchmal wahnsinnig überbewertet.
Also nicht gerade ein ganzes Leben – aber eine längere Zeit, das ginge schon.
Zum ersten Mal, als mein kleiner Bruder gestorben ist. Meine Eltern konnten mir damals nicht das geben, was ich gebraucht hätte, sie hatten genug mit sich selbst zu tun. Zum Glück hatte ich einen tollen Psychotherapeuten – nämlich einen Hund namens Toni, der mir absolute Hingabe, Liebe, Wärme und Ruhe gab. Er vermittelte mir so viel Kraft, dass ich in der Lage war, im richtigen Moment den richtigen Weg einzuschlagen. Toni hat sich um mich gekümmert, war meine Kraftreserve, meine Batterie. Er hat mir Ruhe gegeben und mich stark gemacht. Aus dieser Erfahrung stammt einer meiner wichtigen Lebens-Tipps: Wenn du in seelischer Not bist, streichle ein Tier – dann wird Oxytocin freigesetzt, ein Stoff, der die Glückshormon-Ausschüttung in Gang bringt.
Ich habe auf meine fünf Jahre vorher erlernten Mechanismen zurückgegriffen und sie weiterentwickelt. Ich wusste mit elf, dass ich den Tod meines Brüderchens überstanden habe – und dieses Wissen war beim Tod meines Vaters wichtig für mich.
Es mag sich schrecklich anhören, aber aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich auch Positives aus der Situation ziehen konnte, denn ich hatte dadurch die Möglichkeit, ohne eine feste Vaterrolle aufzuwachsen, und hatte so nie diese stereotypen Rollenbilder im Kopf gehabt. Für mich muss der Mann niemals Beschützer, Ernährer oder Familienoberhaupt sein, denn das habe ich selbst ja auch nicht erlebt. Ich habe gelernt, dass auch ein Mann sich aus einer schwierigen Situation herausziehen kann und man als Frau immer eigenverantwortlich sein muss.
Sicherlich. Dazu kommt, dass meine Mutter eine dufte Persönlichkeit ist. Wir haben uns gemeinsam durchgebissen und sind aneinander kleben geblieben. Durch diese enge Beziehung habe ich jetzt den Luxus, dass Mama/Oma immer noch bei mir ist und ich das wunderbar altmodische Modell des Mehrgenerationen-Haushalts leben kann. Ich sitze hier mit dem Ihnen zusammen, ohne das Gefühl zu haben, ich muss mal zu Hause anrufen und fragen, ob es dem Baby gutgeht.
Wieder ein Buch. Denn es gibt wunderbare Bücher über das Thema Kinder. Aber es gibt einen Aspekt, der noch wenig beleuchtet ist in der deutschen Bücherlandschaft, und das ist die Situation einer hart arbeitenden Frau und ihres Dilemmas – Karriere mit Kindern?
Was weiß ein Mann schon über das Muttersein? Wenn er gut ist, investiert ein Mann fünf Minuten für die Entstehung eines Kindes. Dabei bleibt es dann. Eine Frau muss eine ganz andere biologische Leistung bringen, bis das Kind da ist. Es ist ein entscheidender Eingriff nicht nur in den eigenen Körper, sondern in die eigene Welt. Mir fällt kein Buch ein, das diese Leistungen mit gewissem Witz betrachtet.
Neben so vielen schönen Sachen hat es mir eine ganz neue Dimension der Liebe eröffnet, die berühmt-berüchtigte Mutterliebe. Ich habe dieses Wort früher leichthin in die Rosamunde-Pilcher-Ecke geschoben. Jetzt weiß ich, dass Mutterliebe was ganz anderes, viel, viel Schöneres ist.
...ist immer das, was mir gerade den Schlaf raubt – denn ohne Krimi geht die Sonya nie ins Bett!
„La! Le! Lu! Nur der Mann im Mond schaut zu...“! Die verdammte Spieluhr dudelt das zwei Stunden pro Tag rauf und runter, weil mein Winzling den „Song“ echt groovy findet.
„Dinner for One“, weil es einfach so herrlich altmodisch, britisch und niedlich ist.
Schauspieler? Och, die sind immer so kapriziös. Da möchte ich lieber mit Hendryk M. Broder im Aufzug stecken bleiben. Das ist garantiert lustiger.
...ist ein Bötchen auf dem Rhein, denn da kann man alle tollen Örtchen, Schlösser und natürlich „de Doooom“ genießen!
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