Bis vor kurzem hatte sie fünf Mitarbeiter, die ihre Briefe öffneten, lasen und beantworteten. Doch Elke Reinke (51) flog bei der letzten Wahl aus dem Bundestag. Seit wenigen Tagen tippt sie nun jede Zeile selbst – für andere Politiker. Sie hat einen neuen Job: vom Parlament in die Poststelle.
Viereinhalb Jahre ist es her, als Elke Reinke über Nacht deutschlandweit bekannt wurde: Sie war die erste Hartz-IV-Empfängerin im Deutschen Bundestag. Ihren 1-Euro-Job als Aufsicht in der Ascherslebener Stephani-Kirche durfte sie an den Nagel hängen.
Elke Reinke tingelte für die Linkspartei durch die Talkshows, bekam ein großes Büro neben dem Reichstag und verdiente 7668 Euro im Monat plus 3868 Euro Kostenpauschale.
Dazu gab es eine Menge Privilegien: Limousinen-Service, unbegrenztes Bahnticket, Mitarbeiter und, und, und.
Doch ihre Partei in Sachsen-Anhalt ließ Reinke im letzten Jahr hängen. Die Frau mit den roten Haaren bekam nur einen schlechten Listenplatz. Schnell wurde klar, dass die Zeit als Abgeordnete zu Ende gehen wird. Reinke: „Ich hatte mich darauf eingestellt, nach insgesamt 13 Jahren Arbeitslosigkeit, wieder Hartz-IV beantragen zu müssen. Eine Horror-Vorstellung.“
Am Dienstag nach der Bundestagswahl im September ging sie zur Arbeitsagentur. „Seither habe ich 200 Bewerbungen geschrieben, allesamt vergeblich“, erzählt Reinke während sie in der Bundestagskantine in ihrem Kaffee rührt. „Absagen am Fließband - das kannte ich von früher.“ Niemand wollte Reinke haben.
Dann kam Gregor Gysi. Der Linken-Fraktionschef wollte seine alte Abgeordneten-Kollegin nicht im Stich lassen. So hat Reinke seit dem 1. März einen neuen Job. Für die Bundestagsfraktion beantwortet sie Bürgerfragen, am Telefon, per Post oder E-Mail. Elke Reinke tütet Prospekte ein, versendet Thesenpapiere.
Wie viel sie jetzt verdient, will die gelernte Elektroingenieurin nicht sagen. „Aber es ist erheblich weniger“. Wie hat sie den Verlust der Macht verkraftet? „Das wird sich noch zeigen. Ich hoffe jedenfalls, dass ich am Boden geblieben bin.“ Ist der neue Job eine Lösung für auf Dauer? „Wir haben ja 2011 Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Bald ist die Nominierung.“
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