Empfehlen | Drucken | Kontakt17.03.2010 - 23:14 Uhr

Hartz-IV-Abgeordnete Reinke: Vom Bundestag in die Poststelle

Von CHRISTIAN WIERMER
Elke Reinke an ihrem neuen Arbeitsplatz.
Elke Reinke an ihrem neuen Arbeitsplatz.
Foto: TEICH
Berlin –  

Bis vor kurzem hatte sie fünf Mitarbeiter, die ihre Briefe öffneten, lasen und beantworteten. Doch Elke Reinke (51) flog bei der letzten Wahl aus dem Bundestag. Seit wenigen Tagen tippt sie nun jede Zeile selbst – für andere Politiker. Sie hat einen neuen Job: vom Parlament in die Poststelle.

Viereinhalb Jahre ist es her, als Elke Reinke über Nacht deutschlandweit bekannt wurde: Sie war die erste Hartz-IV-Empfängerin im Deutschen Bundestag. Ihren 1-Euro-Job als Aufsicht in der Ascherslebener Stephani-Kirche durfte sie an den Nagel hängen.

Elke Reinke (Linkspartei) als Bundestagsabgeordnete.
Elke Reinke (Linkspartei) als Bundestagsabgeordnete.
Foto: dpa

Elke Reinke tingelte für die Linkspartei durch die Talkshows, bekam ein großes Büro neben dem Reichstag und verdiente 7668 Euro im Monat plus 3868 Euro Kostenpauschale.

Dazu gab es eine Menge Privilegien: Limousinen-Service, unbegrenztes Bahnticket, Mitarbeiter und, und, und.

Doch ihre Partei in Sachsen-Anhalt ließ Reinke im letzten Jahr hängen. Die Frau mit den roten Haaren bekam nur einen schlechten Listenplatz. Schnell wurde klar, dass die Zeit als Abgeordnete zu Ende gehen wird. Reinke: „Ich hatte mich darauf eingestellt, nach insgesamt 13 Jahren Arbeitslosigkeit, wieder Hartz-IV beantragen zu müssen. Eine Horror-Vorstellung.“

Am Dienstag nach der Bundestagswahl im September ging sie zur Arbeitsagentur. „Seither habe ich 200 Bewerbungen geschrieben, allesamt vergeblich“, erzählt Reinke während sie in der Bundestagskantine in ihrem Kaffee rührt. „Absagen am Fließband - das kannte ich von früher.“ Niemand wollte Reinke haben.

Dann kam Gregor Gysi. Der Linken-Fraktionschef wollte seine alte Abgeordneten-Kollegin nicht im Stich lassen. So hat Reinke seit dem 1. März einen neuen Job. Für die Bundestagsfraktion beantwortet sie Bürgerfragen, am Telefon, per Post oder E-Mail. Elke Reinke tütet Prospekte ein, versendet Thesenpapiere.

Wie viel sie jetzt verdient, will die gelernte Elektroingenieurin nicht sagen. „Aber es ist erheblich weniger“. Wie hat sie den Verlust der Macht verkraftet? „Das wird sich noch zeigen. Ich hoffe jedenfalls, dass ich am Boden geblieben bin.“ Ist der neue Job eine Lösung für auf Dauer? „Wir haben ja 2011 Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Bald ist die Nominierung.“

Weitere Meldungen aus dem Bereich Politik & Wirtschaft
Sieht so der neue 2-Euro-Schein aus? Wir haben uns schon mal Gedanken über ein Modell gemacht.
Neuer EU-Plan
Weg mit Euro-Münzen - dafür Scheine

In Brüssel wird über einen Umstieg von den 1- und 2-Euro-Münzen auf 1- bzw. 2-Euro-Scheine debattiert. Grund: Die Herstellung von Münzen ist sehr kostspielig

Hier zeigt eine junge Frau ihren Organspenderausweis.
Änderungen auf einen Blick
Bundestag beschließt Organspende-Reform

Nach jahrelangen Debatten hat der Bundestag eine umfassende Reform der Organspende in Deutschland beschlossen. Wir erklären, was sich für uns ändert.

Gut 50 Milliarden Euro sollen Deutsche illegal in der Schweiz gebunkert haben.
Allein aus Deutschland
Bericht: 50 Milliarden Euro Schwarzgeld in der Schweiz

Etwa 50 Milliarden Euro deutsches Schwarzgeld in der Schweiz könnten nachträglich besteuert werden, wenn das neue Abkommen mit dem Nachbarland in Kraft tritt.

Börse
  • 6.368,01 Pkt. +52,12 (+0,83%)
  • 10.219,35 Pkt. -12,17 (-0,12%)
  • 753,72 Pkt. +1,87 (+0,25%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2582 USD +0,0047 (+0,38%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Stromvergleich
Tarife vergleichen, wechseln und sparen!
Stromverbrauch kWh/Jahr
Postleitzahl Berechnen
DIE NEUE FACEBOOK-SEITE
EXPRESS.DE on Facebook
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen