Deutschland zählt durch: Wie viele Menschen leben hierzulande, wie arbeiten und wohnen sie? Um das herauszufinden, führt der Staat eine große Volkszählung durch. Die ersten Fragebögen sind bereits verschickt, ab Montag sind die Interviewer unterwegs. Wir erklären, was Sie über den „Zensus 2011“ wissen müssen.
Die letzte Volkszählung in Deutschland liegt mehr als 20 Jahre zurück. 1987 mussten alle Bundesbürger Auskünfte erteilen, in der DDR 1981. Seitdem sind die Daten über Bevölkerungszahlen und Wohnverhältnisse immer ungenauer geworden. Zwar gibt es Statistiken über Geburten, Todesfälle und Ein- und Ausreisen, doch hundertprozentig genau sind die nicht.
Zuverlässige Zahlen sind aber nötig, etwa für den Länderfinanzausgleich oder für die Planung von Kindergärten und Schulen. Deshalb kommt jetzt der Zensus. Stichtag ist der 9. Mai, auf diesen Tag beziehen sich die Fragen.
Der Katalog enthält 46 Fragen. Die Bürger müssen Angaben zur Person, zu Bildung, Migrationshintergrund, Beruf und Religion machen. Das Ausfüllen dauert etwa 20 Minuten.
Nein, das geht nicht. Alle ausgewählten Bürger sind verpflichtet, am Zensus teilzunehmen. Alle Fragen müssen wahrheitsgemäß und vollständig beantwortet werden. Wer sich weigert, die Angaben zu machen, bekommt ein Bußgeld bis zu 5.000 Euro aufgebrummt. Nur die Angaben zur Religion sind freiwillig.
Nein, die Interviewer kündigen ihren Besuch per Postkarte an. Hat man an dem jeweiligen Tag keine Zeit, kann man einen individuellen Termin ausmachen.
Sie werden spezielle Ausweise tragen. Diese haben oben links das Zensus-Logo sowie den Namen der Erhebungsstelle und das Kürzel des Bundeslandes. Weiterhin sind auf dem Ausweis Name, Anschrift und Geburtsdatum des Interviewers vermerkt. Wer Zweifel hat: Auskünfte erhalten Bürger unter der 02 21/2 21-3 88 83 (Köln), 02 11/8 99 93 82 (Düsseldorf) und 02 28/77 34 88 (Bonn).
Nein. Man kann den Fragebogen zusammen mit dem Interviewer auch im Flur ausfüllen. Es ist auch möglich, online oder per Post Auskunft zu geben.
In Köln sind es etwa 55.000 Menschen. In Bonn müssen 11.000 Menschen Fragen beantworten. Und in Düsseldorf werden etwa 21.000 Menschen befragt.
In Hamburg werden rund 62.500 Personen befragt, in Berlin sind es 126.000 Menschen.
Das ist ein großer Streitpunkt. Kritiker werfen der Zensuskommission vor, lax mit dem Datenschutz umzugehen. Im Extremfall können die erhobenen Daten vier Jahre lang einzelnen Personen zugeordnet werden. Die Statistiker des Bundes verweisen aber darauf, dass die Daten so schnell wie möglich anonymisiert werden. Außerdem dürfen die Daten nicht an die Verwaltung gegeben werden. Zum Beispiel darf jemand, der seinen Wohnsitz nicht angemeldet hat, nicht dem Einwohnermeldeamt angezeigt werden.
Laut dem Innenministerium wird die Volkszählung gut 700 Millionen Euro kosten. Davon entfallen etwa 176 Millionen auf Vorlaufkosten und 528 Millionen auf die Durchführung der Befragungen.
Im November 2012 werden die ersten Ergebnisse zur Verfügung stehen. Im Mai 2013 ist mit weiteren Detailergebnisse zu rechnen. Bürger sollen die neuen Daten online abrufen können.
Ja, denn die EU verpflichtet die Mitgliedsstaaten, alle zehn Jahre aktuelle Daten zu liefern.
Im Gegensatz zu der letzten Volkszählung müssen diesmal aber nicht alle Bundesbürger Fragen beantworten. Der Zensus stützt sich vor allem auf bestehende Daten, die miteinander verknüpft werden. So geben Arbeitsagenturen und Einwohnermeldeämter Daten an das Bundesamt für Statistik weiter.
Etwa ein Drittel der Bevölkerung wird direkt befragt. Alle 17,5 Millionen Immobilienbesitzer müssen schriftlich Auskunft über ihre Wohnungen und Häuser geben. Rund 7,9 Millionen werden zwischen dem 9. Mai und dem 2. August von einem Interviewer besucht. Wer in die Gruppe der Befragten kommt, entscheidet das Zufallsprinzip. Und wer ausgewählt wird, muss auch antworten: Oder eine Strafe zahlen.
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