Die Hochzeitseinladungen sind seit gut zwei Wochen verschickt. Am 13. Februar, Karnevalssamstag, gibt’s das Ja-Wort.
Herr Schröder, Vorname Ole, 38, Staatssekretär im Innenministerium. Frau Köhler, Vorname Kristina, 32, seit sechs Tagen Bundesfamilienministerin. Sie sind das neue Traumpaar der Bundesregierung. Eines von vielen Liebespaaren, die die Politik zusammenbrachte.
Die beiden leben gemeinsam in Berlin-Mitte, seit rund zwei Jahren sind sie zusammen. Irgendwann nach dem Jahr 2002, als beide zum ersten Mal als hoffnungsvolle CDU-Talente in den Bundestag einzogen, irgendwann zwischen den Sitzungen des Innenausschusses im Paul-Löbe-Haus hat es gefunkt. Viel mehr ist nicht zu erfahren. Politik ist Politik. Privat ist privat.
„Das haben Kristina Köhler und ich so vereinbart“, sagt Ole Schröder. „Ich freue mich, dass wir zumindest bislang die Zeit unbeschwert in der Öffentlichkeit verbringen konnten.“
Freizeit, das wird immer mehr zum Fremdwort, seit Ole Schröder vor vier Wochen antrat, um seinem Chef Thomas de Maizière den Rücken freizuhalten, und Kristina Köhler in dieser Woche den Amtseid als Ministerin schwor.
Auf der Regierungsbank im Bundestag sitzen sie rund zwei Meter auseinander. Fluch oder Segen? „Die Trennung von Privatem und Beruf ist schwierig und zugleich unheimlich wichtig“, sagt der Hamburger Psychologe Dr. Elmar Basse. „Für Politiker gilt das in besonderem Maße. Sie stehen im totalen Blickfeld der Öffentlichkeit.“
Allerdings sieht der Experte auch einen Vorteil: „Politiker haben allein durch ihren Beruf ein gutes Management von Gefühlen trainiert. Sie können Emotionen im Job besser ausschalten als andere Menschen. Das hilft der Beziehung.“
Verstecken will sich das Polit-Paar Schröder/Köhler nicht. Die beiden werden nur noch besser aufpassen. Sie wissen, wie das bei einer Polit-Partnerschaft so läuft. Einige Liebespaare haben es Ihnen schon vorgemacht – über die Parteigrenzen hinweg.
Selten treten sie gemeinsam in der Öffentlichkeit auf. Das war mal – zwangsläufig – anders: Andrea Gysi, geb. Lederer, saß acht Jahre (1990 bis 1998) gemeinsam mit ihrem späteren Mann (Hochzeit 1996, im Jahr der Geburt der gemeinsamen Tochter) für die PDS im Bundestag. Er (61), das Rede-Mega-Talent aus dem Osten. Sie (52), die versierte Außenexpertin aus dem Westen. Politisch behielt Frau Gysi immer ihren eigenen Kopf. 2002 trat sie wegen des Linksrucks aus der PDS aus. Er redet als Linken-Fraktionschef hingegen noch heute viele im Bundestag an die Wand.
Deutschlands bekanntestes Politiker-Paar. Christa Müller (heute 53) stritt bei den Jusos für eine gerechte Politik und stieß 1988 als Wirtschaftsexpertin in die SPD-Parteizentrale. „Lafo“ (heute 66) war Ministerpräsident im Saarland, immer wieder kam er in die Bonner „Baracke“. Man lernte sich lieben. Gemeinsam ging es aus der SPD raus, rein in die WASG und schließlich zur Linkspartei, wo er Vorsitzender ist und sie im Saarland für Familienpolitik spricht.
Zwischen ihnen liegen 40 Jahre - und es verbindet sie so viel. Schon als Juso-Mitglied verehrte Michelle „Münte“. Nach dem Tod von dessen Ehefrau Ankepetra kamen sich die junge Volontärin (SPD-Zeitung „Vorwärts“) und der damalige Parteichef näher. Sie arbeitete zeitweilig in seinem Abgeordnetenbüro, man traf sich bei Parteiveranstaltungen. Vor einigen Wochen zog „Münte“ zu Michelle nach Berlin-Kreuzberg – am kommenden Samstag geben sich die beiden in der Essener Zeche Zollverein das Ja-Wort.
Im Nachtzug zur schwarz-grünen Liebe. Im Wochenrhythmus ging es nach der Bundestagswahl für die beiden Politiker per Bahn aus dem fernen Schwarzwald nach Berlin. Man kannte sich aus einer gemeinsamen TV-Talkshow – und schnell waren die Gefühle stärker als die Parteipolitik. „Alex“ Bonde (34) ist haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, 2005 verabschiedete sich hingegen (CDU)-Ehefrau Conny (37) aus dem Parlament. Sie arbeitet als Professorin und kümmert sich um Sohn Karl Abraham (3) und Tochter Elise Frida (1).
Grietje Bettin (heute 34) war 2000 ganz frisch in den Bundestag nachgerückt, da suchte die junge Grüne im Plenum das Gespräch mit dem SPD-Wirtschaftsexperten Ditmar Staffelt (60). Auf einer Polit-Reise nach Kuba kam man sich näher. Daraus wurde eine ganz private rot-grüne (Ehe)-Koalition, 2008 nahm sie seinen Namen an und Töchterchen Ann-Louisa kam zur Welt. Grietje Staffelt entschied sich – vorerst – gegen die Politik und für die Familie, und er wechselte vor wenigen Monaten als Lobbyist zum Flugzeugbauer EADS.
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