Empfehlen | Drucken | Kontakt20.02.2012 - 00:20 Uhr

Union knickt ein: Gauck soll neuer Bundespräsident werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der gemeinsame Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, am Sonntagabend bei der Pressekonferenz in Berlin.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der gemeinsame Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, am Sonntagabend bei der Pressekonferenz in Berlin.
Foto: dapd
Berlin –  

Joachim Gauck (72) soll neuer Bundespräsident werden. Die schwarz-gelbe Koalition hat sich mit SPD und Grünen auf den DDR-Bürgerrechtler als Kandidat für das Bundespräsidentenamt geeinigt. Zuvor war die Union im Präsidenten-Poker mit der FDP eingeknickt.

Die FDP hatte gegen den Willen von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagnachmittag auf Gauck bestanden. Verschiedenen Medienberichten zufolge drohte offenbar sogar der Bruch der Koalition. Außerdem war klar: SPD und Grüne stützen Gauck ohnehin.

Sonntagabend folgte der Paukenschlag: Die Union knickte ein und akzeptierte Gauck.

Um 21.15 Uhr präsentierten die Parteispitzen von Union, FDP, SPD und Grünen Joachim Gauck in einer gemeinsamen Pressekonferenz im Kanzleramt.

Er könne „in der Verwirrung meiner Gefühle keine Grundsatzrede“ halten, sagte Gauck. Der Anruf von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihn im Taxi erreicht, nachdem er aus dem Flugzeug gestiegen sei. Er sei noch nicht einmal gewaschen.

Dann umriss er aber doch noch einige Grundsätze: Die ganze Ansprache von Joachim Gauck gibt es hier.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte ihre Gemeinsamkeiten mit dem einst so ungeliebten Kandidaten: Merkel sagte, sie verbinde mit Gauck vor allem die gemeinsame Vergangenheit in der DDR. Für Gauck habe sich der Weg von der Kirche in die Politik von fast alleine ergeben. Ihn zeichne aus, ein „wahrer Demokratielehrer“ geworden zu sein.

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So lobten die Parteichefs

• SPD-Chef Sigmar Gabriel erklärte: „Ende gut, alles gut.“ Die Kandidatur von Gauck sei ein gutes und wichtiges Signal an die Bevölkerung. Er bedankte sich bei den Spitzen der schwarz-gelben Koalition für die Zustimmung zu Gauck. Er verkniff sich eine Spitze nicht: Es sei bedauerlich, dass Gauck nicht schon 2010 als Kandidat der SPD und Grünen gegen den am Freitag zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff gewählt worden sei.

• FDP-Chef Philipp Rösler sagte, es sei gut, dass parteiübergreifend ein so guter Kandidat gefunden worden sei. Gauck könne verloren gegangenes Vertrauen in das höchste Staatsamt zurückbringen.

• Grünen-Chef Cem Özdemir kommentierte, Gauck sei ein authentischer Bürger der deutschen Republik. Er habe eine breite Unterstützung in der Bevölkerung. Er sei froh, dass Gauck nun auch eine breite Unterstützung in der Politik habe.

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• CSU-Chef Horst Seehofer sagte, seine Partei sei von Anfang an auf eine Konsenslösung konzentriert gewesen. Die Entscheidung für Gauck „ist eine gute Entscheidung für unser Land“.

Gauck gilt als integer und redlich, ist bei den Bürgern beliebt, steht über den Parteien, hat aber stets den Respekt einer breiten politischen Mehrheit erhalten. Für die Bevölkerung ist Joachim ohnehin die erste Wahl. Der beliebte Bürgerrechtler lag auch in aktuellen Umfragen weit vor anderen gehandelten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.

Joachim Gauck

Der evangelische Pfarrer und DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck ( geboren am 24. Januar 1940 in Rostock) ist parteilos und gilt als unabhängiger Kopf und brillanter Rhetoriker.

Bei der Bundespräsidentenwahl 2010 unterlag er knapp Christian Wulff. SPD und Grüne hatten ihn damals als überparteilichen Konsens-Kandidaten für das Amt vorgeschlagen.

Bis 2000 betreute er als späterer Bundesbeauftragter die Stasi-Unterlagenbehörde, nach ihm kurz Gauck-Behörde genannt.

Privat lebt Gauck seit 1991 getrennt von seiner Frau, ist aber nicht geschieden. Gemeinsam haben sie vier erwachsenen Kinder.

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