Empfehlen | Drucken | Kontakt14.06.2011 - 16:36 Uhr

Billig-Stromanbieter: TelDaFax ist zahlungsunfähig

Die Teldafax-Zentrale in Troisdorf bei Bonn
Die Teldafax-Zentrale in Troisdorf bei Bonn
Foto: dpa
Troisdorf –  

Deutschlands größter unabhängiger Energieanbieter TelDaFax hat Insolvenz angemeldet.

Das Amtsgericht Bonn berief am Dienstag den Rechtanwalt Biner Bähr zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die seit Monaten mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfende Firma. Das Unternehmen selbst lehnte zunächst jeden Kommentar zu den Vorgängen ab.

Nach Angaben des Landgerichts Bonn hatte TelDaFax selbst Insolvenzantrag gestellt - und zwar für die TelDaFax Holding AG, die TelDaFax Energy GmbH und die TelDaFax Services GmbH.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens waren in den vergangenen Monaten bereits unübersehbar gewesen. Immer wieder verweigerten Strom- und Gasnetzbetreiber dem Unternehmen wegen Zahlungsverzuges den Netzzugang. Dies sorgte auch für eine erhebliche Verunsicherung unter den Kunden. Denn sie liefen Gefahr, in diesem Falle in die teure Grundversorgung zurückzufallen.

Erst vor gut einer Woche hatte das Unternehmen außerdem seinen Sponsoring-Vertrag mit dem Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen gelöst. Die Verbraucherzentrale Sachsen richtete bereits vor einigen Tagen eine Hotline für TelDaFax-Kunden ein. Sie ist unter der Nummer 0900-1-797777 zu erreichen.

An der Krise hatte auch ein Eigentümerwechsel im Frühjahr nichts ändern können. Damals hatte der als Schiesser-Sanierer bekannt gewordene Hans-Gerd Höptner den Chefsessel übernommen und versucht, den angeschlagenen Billigstromanbieter zu retten. Er machte nicht zuletzt die verfehlte Preispolitik seiner Vorgänger für die Krise des Unternehmens verantwortlich.

Um möglichst viele Neukunden zu gewinnen, hätten sie Strom teilweise unter dem Einkaufspreis verkauft. Allerdings gelang es auch ihm nicht, TelDaFax wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Bereits im Mai räumte Höptner wieder den Chefsessel des Troisdorfer Unternehmens.

Nach eigenen Angaben verfügte TelDaFax zuletzt in Deutschland über rund 780.000 Kunden.

Wie es jetzt für die Kunden weitergeht - die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt:

• Sobald ein Insolvenzverwalter bestellt ist, fordern Sie von ihm eine Aussage, ob er den Energieliefervertrag erfüllen wird oder die Erfüllung ablehnt.

Setzen Sie ihm dazu eine Frist, wobei Sie hierfür ein Kalenderdatum in etwa zwei Wochen einsetzen. Bekommen Sie innerhalb der Frist keine oder eine negative Antwort, ist der sofortige Wechsel zu einem anderen Anbieter zu empfehlen.

• Lassen Sie sich vom Insolvenzverwalter als Gläubiger in die Insolvenztabelle aufnehmen. Diese Leistung ist kostenlos. Nur für eine verspätete Anmeldung kann eine Gebühr verlangt werden.

• Sobald TelDaFax nicht mehr liefern kann und noch kein anderer Anbieter Sie beliefert, wird Sie der örtliche Grundversorger (mit oder ohne sofortige Benachrichtigung) in die Ersatzversorgung übernehmen.

Die Ersatzversorgung ist so teuer wie die Grundversorgung, sichert aber Ihre Weiterversorgung ohne Unterbrechung.

Wir empfehlen, den Zählerstand zum Stichtag der Übernahme abzulesen und ihn dem Grundversorger mitzuteilen. So kann einerseits die in der Ersatzversorgung bezogene Energiemenge genau ermittelt werden. Andererseits lässt sich damit die von TelDaFax gelieferte Energie berechnen, aber auch die nicht gelieferte Energie, und damit die theoretische Rückforderung an TelDaFax.

Ein bei TelDaFax verbleibendes Restguthaben fällt allerdings in die Insolvenzmasse und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren.

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