Empfehlen | Drucken | Kontakt04.08.2009 - 00:00 Uhr

Suchtexperten fordern: Alkohol-Steuer rauf wegen Koma-Saufen!

Suchtexperten wollen Alles unternehmen, um das „Koma-Saufen“ einzudämmen.
Suchtexperten wollen Alles unternehmen, um das „Koma-Saufen“ einzudämmen.
Foto: dpa

Berlin - Volksdroge Alkohol: Allen Appellen gegen das „Komasaufen“ zum Trotz nimmt die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen weiter zu.

Jetzt fordern Suchtexperten, die Alkoholsteuern zu erhöhen.

Mit 4,6 Promille im Blut wurde der 15-jährige Schüler Sergej T. (Name geändert) vor drei Tagen auf dem Hauptbahnhof Hannover von der Polizei aufgegriffen. Neben ihm lag eine leere Wodkaflasche.

Nur einer von mehr als 23.000 Fällen pro Jahr. Täglich werden in Deutschland im Schnitt 63 Minderjährige im Vollrausch in Kliniken eingewiesen. Tendenz: steigend.

Laut einer neuen Studie der Gmünder Ersatzkasse (GEK) kamen 2008 doppelt so viele Jugendliche volltrunken ins Krankenhaus wie 2002. Im Vergleich zu 1990 habe sich ihre Zahl sogar verfünffacht.

Für die Studie wurden junge Leute zwischen 14 und 20 befragt, die mit Alkoholvergiftung in die Klinik mussten. Schlimm: Fast jeder Fünfte (17 Prozent) gab an, seitdem genauso viel oder sogar noch mehr zu trinken. 83 Prozent wollten ihren Alkoholkonsum zwar reduzieren, tranken aber noch immer viel mehr und häufiger als andere Jugendliche. Abschreckende Wirkung zeigte die Notarzt-Erfahrung also nicht.

Der Mannheimer Suchtforscher Karl Mann fordert nun, die Alkoholsteuer zu verdoppeln. Damit könne man den Konsum der Jugendlichen um 90 Prozent senken. Auch Ralph Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, will höhere Steuern auf Alkohol.

Würde die Branntweinsteuer verdoppelt, wäre eine 0,7-Liter-Flasche 40-prozentiger Schnaps rund 4,30 Euro teurer. Eine Flasche Sekt würde bei doppelter Steuer rund einen Euro mehr kosten.Die Politik reagiert skeptisch.

Bundesdrogenbeauftrage Sabine Bätzing verwies auf Präventionsprogramme. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält höhere Steuern derzeit „nicht für geboten“.

Lauterbach zum EXPRESS: „Es gilt viel mehr, die Händler schärfer zu kontrollieren und härter zu bestrafen, wenn sie Alkohol an Minderjährige verkaufen. Wiederholungstätern muss man sofort die Lizenz entziehen. Außerdem muss der Verkauf von Alkohol in Tankstellen nachts generell verboten werden.“

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