Was beim Benzin längst aus dem Ruder gelaufen ist – Höchstpreise durch Preisabsprachen – will die EU beim Gas verhindern.
Die Wettbewerbshüter ließen europaweit Büros von Gasversorgern durchsuchen. Auch in Deutschland.
Unangenehmer Besuch: In Berlin (Gazprom Germania) und Essen (E.on Ruhrgas und RWE) kamen Fahnder der EU-Kommission zu den Gasversorgern, beschlagnahmten Computer und sichteten Dateien.
Böser Verdacht: Märkte seien untereinander aufgeteilt, Preise abgesprochen, Mitbewerbern der Zugang zu den Netzen verwehrt worden. Erst jüngst hatten mindestens 223 deutsche Gasversorger angekündigt, die Preise im Herbst zu erhöhen, um durchschnittlich 10,7 Prozent.
Ist der Anstieg gerechtfertigt?
Die Beschaffungskosten für Erdgas seien zuletzt erheblich gestiegen, so die Begründung. Doch die jetzige Preisrunde fällt deutlich höher aus als der Anstieg der Beschaffungskosten, kritisierten die Kartellwächter.
Ist der Preis insgesamt zu hoch?
Ja. Das Verbraucherportal www.toptarif.de hat errechnet, die jüngste Preisrunde kostet einen vierköpfigen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden jährlich etwa 141 Euro mehr. Dabei sind die Gaspreise seit Herbst 1997 bereits um 70 Prozent gestiegen.
Wie kommt der Preis zustande?
Viele Versorger haben langfristige Lieferverträge, die an den Ölpreis gekoppelt sind. Verteuert sich das Öl, zieht das Gas mit einer Verzögerung von sechs Monaten nach.
Gibt es beim Gas Wettbewerb?
Ja, einige Anbieter besorgen sich kurzfristig auf dem Spotmarkt Gas – ohne langfristige Bindung. Dadurch gibt es bei Gaspreisen für Haushalte Preisunterschiede von bis zu 30 Prozent! Im Schnitt gibt es in jeder Großstadt wie Hamburg, Köln oder Berlin 24 Anbieter, die meist Gas billiger anbieten als die großen Grundversorger (E.on, RWE). Beachten: Auch bei regionalen Anbietern wie der GASAG in Berlin sind oft Multis (E.on) beteiligt.
Wer bezieht alles Gas?
Bundesweit sind es etwa 20 Millionen Haushalte.
Wie kann ich wechseln?
Vergleichsportale (www.verivox.de oder www.clever-gas.de) suchen die günstigsten Anbieter heraus. Der Wechsel kostet nichts, ist kinderleicht.
Und wenn der Vermieter mauert?
Neun Millionen Haushalte bundesweit sind beim Gasanbieterwechsel auf die Mithilfe ihres Vermieters angewiesen, denn in Mehrparteienhäusern gibt es zumeist nur einen Zähler. Vermieter sollten daran erinnert werden, dass sie nach §560 BGB verpflichtet sind, ihre Mieter vor unverhältnismäßigen und überflüssigen Kosten zu bewahren.
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