Sein erster Weg am ersten Tag als Stellvertreter Gottes auf Erden führte Franziskus zum Zwiegespräch mit dem Allmächtigen.
Ausgeschlafen, entspannt und lächelnd suchte der neue Papst die Basilika Santa Maria Maggiore auf - um zu beten. Der Beginn eines prallen Auftakt-Programms als Pontifex.
Um kurz nach acht betrat er durch einen Seiteneingang die Basilika Santa Maria Maggiore. Dutzende Gläubige und viele Fotografen erwarteten ihn. 30 Minuten blieb Franziskus. Priester Ludovico Melo: „Er sprach herzlich zu uns - wie ein Vater.“
Lächelnd plauderte der prominente Kirchgänger mit einer Gruppe von Schülern, die wegen des unerwarteten Treffens zu spät zur Schule kamen.
Als nächster Termin war über ein Treffen des katholischen Oberhirten mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. in dessen Residenz im Castel Gandolfo bei Rom spekuliert worden. Doch dafür reichte die Zeit dann wohl nicht mehr.
Doch kurzfristig, ohne weitere Begründung, wurde der Besuch vom Vatikan abgesagt. Eine Maßnahme, um Franziskus nicht gleich an seinem ersten Arbeitstag zu sehr zu stressen? Oder ein erster Fingerzeig auf ein möglicherweise problematisches Verhältnis zwischen den beiden? Denn genau das prophezeien kritische Kirchen-Kenner.
Der deutsche Theologe Hans Küng befürchtet sogar, dass Benedikt XVI. als „Schattenpapst“ weiter Einfluss auf wichtige Entscheidungen im Vatikan nimmt: „Es ist ein alarmierendes Signal, dass Benedikt seine Altersresidenz im Vatikan, also mitten im Zentrum der Macht, gewählt hat. Hinzu kommt, dass er weiter engen Kontakt zu den Kardinälen halten will. Außerdem bleibt Georg Gänswein sein Privatsekretär, und der ist ein großer Strippenzieher.“
Gleichzeitig bleibt Gänswein aber auch Präfekt des päpstlichen Haushalts von Franziskus. Am Donnerstag begleitete er diesen bei seinen ersten päpstlichen Aktivitäten.
Wie viel von den Plänen des neuen Pontifex dringt durch diese Konstellation direkt zu Benedikt durch? Dass Intrigen im Vatikan Tradition haben, wurde erst zuletzt wieder deutlich.
Küng: „Wenn der neue Papst zu Reformen bereit sein sollte, können sich konservative Kardinäle immer an den alten Papst wenden und so eine mächtige Opposition aufbauen.“
Nachmittags um 17 Uhr empfing Franziskus in der Sixtinischen Kapelle alle Kardinäle, die in Rom sind, darunter die 114, die ihn genau dort zum neuen Papst gewählt hatten.
Dabei erklärte er die Grundlinien seines Pontifikats. Mit denen sicher nicht alle Anwesenden einverstanden sein dürften.
Sie hatten den ganzen Tag ausgeharrt, um 19.07 Uhr dann die Erlösung: Weißer Rauch, die Welt hat einen neuen Papst. Und die Gläubigen jubeln, schwenken Fahnen.
Foto: Getty Images
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