Von wegen Neuanfang! In der NRW-CDU tobt trotz der Entscheidung für Norbert Röttgen ein knallharter Machtkampf.
Sitzung des Landesvorstands gestern Abend: Gleich zu Beginn kündigt Generalsekretär Andreas Krautscheid seinen Rückzug an. Sein Nachfolger soll der Röttgen-Verbündete Oliver Wittke werden.
Allein das sorgt für Wirbel. Der CDU-Ruhr-Chef, der als NRW-Verkehrsminister mit einer Raserei (109 km/h innerorts) Schlagzeilen machte, gilt vielen in der Partei als zu selbstverliebt. Mitarbeiter der Geschäftsstelle befürchten bereits jetzt, Wittke könne sich wie ein „Feldherr“ benehmen.
Auch Röttgens Wunsch, Ex-Wirtschaftsministerin Christa Thoben beim Parteitag am Samstag zur Schatzmeisterin zu machen, verursacht Unruhe. Nach EXPRESS-Informationen will der Düsseldorfer CDU-Chef und Europaabgeordnete Klaus-Heiner Lehne gegen Thoben kandidieren - ein ungewöhnlicher Vorgang für diese Position. Lehne soll vor allem stören, dass zu viele einflussreiche Posten an die Ruhr-CDU gehen sollen.
Röttgen, der gestern Abend selbst für den Vize-Posten in der Bundes-CDU nominiert wurde, schlug als seinen eigenen Stellvertreter seinen bisherigen Kontrahenten Armin Laschet vor. Laschets Wahl gilt als sicher, ebenso die von Röttgens Staatssekretärin Ulla Heinen (Köln) und Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg (Soest). Die CDU im Münsterland schickt Fraktionschef Karl-Josef Laumann ins Rennen.
Doch auch bei den weiteren Vize-Posten gibt es ein lautes Knirschen. Der Bundestagsabgeordnete Jens Spahn hat bereits seine Ansprüche zurückstellen müssen und der Chef der Jungen Union, Sven Volmering, soll noch vor Samstag von seiner Kandidatur abgebracht werden.
Als weitere Aspiranten gelten der Hammer OB Thomas Hunsterger Petermann sowie der Fraktions-Vize Josef Hovenjürgen. Beide stammen aus dem Ruhrgebiet, was wiederum für Ärger bei Platzhirschen aus anderen Regionen führt. Und dann ist da noch Röttgens Problem mit der Frauenquote.
Eigentlich bräuchte er nämlich noch weibliche Verstärkung. Doch da mangelt es offensichtlich an Top-Personal. Einzig die Haaner Bundestagsabgeordnete Michaela Noll wird derzeit als mögliche Vize-Chefin gehandelt.
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