Er redet und redet und redet – nur nicht im Parlament. Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (63, SPD) verdient nebenher viel Geld mit Vorträgen.
Im neuen Bundestag hielt er aber noch keine einzige Rede. Auch Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos (65, CSU) kassiert außerhalb der Politik ab, statt mit seiner Abgeordnetentätigkeit auffällig zu werden.
Seit Beginn der neuen Wahlperiode im Oktober haben Steinbrück und Glos keine einzige Rede im Bundestag gehalten, dafür fehlten sie bei zahlreichen namentlichen Abstimmungen: Steinbrück 17-mal, Glos 19-mal (von insgesamt 40). Bürgeranfragen im Internet-Portal „abgeordnetenwatch“ haben beide komplett ignoriert.
Vor allem Peer Steinbrück macht mit seiner Statistik von sich reden. Denn seit der Bundestagswahl hielt er alleine 13 Vorträge, die ihm (neben seiner normalen Abgeordnetendiät von 7.668 € monatlich) jeweils mindestens 7.000 € einbrachten. Das entspricht der Stufe 3 – der höchsten, die beim Bundestagspräsidenten anzugeben ist.
Aus den Angaben, die Steinbrück selbst gegenüber der Parlamentsverwaltung machte, geht hervor, dass er offenbar besonders als Finanzexperte gefragt ist. So redete der Ex-Minister u. a. bei der französischen Großbank BNP Paribas und der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geleiteten Alfred-Herrhausen-Gesellschaft.
Hinzu kamen Vorträge beim nach dem SAP-Gründer benannten Hasso-Plattner-Institut, der Alliance Möbel Marketing, der Münchner Kommunikationsagentur Serviceplan und der Handelskooperation ek servicegroup. In insgesamt fünf weiteren Fällen gab Steinbrück zudem an, von Redneragenturen gebucht worden zu sein.
Zur Erinnerung: Immer gab es mindestens 7.000 €. Macht zusammen 91.000 €, höchstwahrscheinlich aber weitaus mehr. Hinzu kommt Steinbrücks Verdienst aus seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Für einfache Mitglieder wie ihn hatte der Stahlriese dafür in der Vergangenheit zwischen knapp 130.000 und knapp 230.000 € im Jahr gezahlt.
Vom Verlag Hoffmann & Campe, bei dem im September das Steinbrück-Buch „Unterm Strich“ erscheint, gab es offenbar einen Vorschuss. Der SPD-Politiker gab hierfür ebenfalls die Stufe 3 an.
Auch Glos, der in seiner bayerischen Heimat wegen angeblicher Amtsmüdigkeit als CSU-Bezirkschef in der Kritik steht, verdient sich ein ordentliches Zubrot in der Wirtschaft. Als „Berater“ der Stolzmühle kassiert der gelernte Müllermeister monatlich mindestens 7.000 €. Mindestens so viel verdient er auch als Berater des belgischen Finanzinvestors RHJ International, jenem Konzern, der zeitweise Opel kaufen wolle.
Zur Klarstellung: Rechtlich sind die Nebentätigkeiten beider Politiker einwandfrei. Dennoch: Äußern wollen sie sich beide nicht. Peer Steinbrück lehnte eine Stellungnahme ab, Michael Glos ließ die Anfrage unbeantwortet.
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