Empfehlen | Drucken | Kontakt10.10.2008 - 00:00 Uhr

Panik an Börsen: Experten sehen schwarz für Deutschland

Von A. K. PALMER
Ein Aktienhändler fassungslose an der Börse in Frankfurt. Die Angst vor einer weltweiten Rezession sorgte für einen Ausverkauf an den Aktienmärkten.
Ein Aktienhändler fassungslose an der Börse in Frankfurt. Die Angst vor einer weltweiten Rezession sorgte für einen Ausverkauf an den Aktienmärkten.
Foto: AP

Berlin - Sind wir etwa die großen Verlierer der Finanzkrise? Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) trifft Deutschland der globale Wirtschaftsabschwung am meisten!

Schuld daran sind die Milliarden-Zockereien in den USA. Die OECD sieht uns sogar für die kommenden Monate im freien Fall. Am Freitag gab es Chaos an den Börsen - ein schwarzer Freitag!

Die düstere OECD-Prognose: Bei uns fiel der monatliche Konjunkturindex (CLI) im August um zwei Punkte. Gegenüber 2007 brach er um 7,6 Punkte ein. Im Jahresvergleich stürzte der Index für Deutschland am meisten ab - sogar viel mehr als in den krisengeschüttelten USA. In der Bemessung werden Kurzzeitindikatoren der Konjunkturentwicklung wie Auftragseingänge verglichen und in die Zukunft projiziert.

Warum trifft es uns so hart? Chefvolkswirt Dr. Rolf Kroker vom Institut der Deutschen Wirtschaft: „Wir sind sehr stark an den Weltmarkt gebunden, jetzt schwächelt er und das spüren wir natürlich.“ Denn die USA sind für uns ein wichtiger Absatzmarkt. Bricht dieser ein, spüren wir das sofort.

Jetzt schon schwächeln die Exporte - sonst unser Konjunkturmotor - immer mehr, brachen im August schon um 2,5% ein. So stark wie 2003 nicht mehr.

Hinzu kommt: „Die konjunkturelle Entwicklung hat sich ja schon vor der Zuspitzung der Finanzkrise verschlechtert“, sagt Experte Kroker. Das Institut sieht für 2009 eh nur noch ein Wachstum von 0,6%.

Folge: Weniger Aufschwung bringt höhere Arbeitslosenzahlen. Jedes Zehntelprozent weniger Wachstum kostet Zehntausende Jobs. Die Firmen klagen schon jetzt über eine Wirtschafts-Eiszeit: Die Technologiebranche wie Siemens, die Autofirmen, die Bauindustrie.

Düster auch die Berechnungen des Internationalen Währungsfonds: Die Verluste durch die Finanzkrise in Europa können umgerechnet über 460 Mrd € erreichen.

Auch an den Börsen ging es dramatisch zu! Die Angst vor einer weltweiten Rezession versetzte Anleger rund um den Globus in Panik. Der DAX stürzte zeitweise rund 10% in die Tiefe. Wien setzte mehrere Stunden den Handel aus. Russland ebenso. Die indonesische Börse blieb geschlossen.

Die New Yorkker Wall Street erlebte eine dramatische Achterbahnfahrt. Eine Bank-Analystin fassungslos: „Im Moment wird quer durch den Garten alles verkauft: Auch Aktien von Unternehmen, die gar nicht von der Finanzkrise betroffen sind.“

Experten sehen schwarz für Deutschland. Wie stehen Sie dazu? Gleich mitdiskutieren!

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