Zwei Tage nach der Kür Joachim Gaucks zum Allparteien-Kandidaten für das höchste Staatsamt wurde das ganze Ausmaß des Zerwürfnisses zwischen Union und FDP bekannt. Und die Union, die sich übergangen fühlt, sinnt auf Rache.
„Man sieht sich im Leben immer zwei Mal“, drohte der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach. Das Vorgehen der FDP-Bundesspitze sei „peinlich und kleinkariert“ gewesen, polterte CDU-Fraktionsvize Michael Kretschmer mit Verweis auf den „gewaltigen Vertrauensbruch“.
Im Streit über Gauck wäre die Koalition beinahe zerbrochen. „Die Möglichkeit, die Koalition zu beenden, ist von der Union mehrfach genannt worden“, erzählte jetzt FDP-Chef Philipp Rösler über das „dramatische Zwischenspiel“.
Kanzlerin Merkel soll Rösler angebrüllt haben, eine Unterstützung Gaucks durch die FDP gegen die Union würde die weitere Zusammenarbeit schwer belasten. Dies sei dann eben so, habe Rösler lässig geantwortet – und sich durchgesetzt.
Unions-Fraktionsvize Michael Meister warf der FDP Untreue vor. Und beschrieb im „Kölner Stadt-Anzeiger“ den Zustand der Koalition mit dem vielsagenden Satz: „So weit ich weiß, haben wir noch eine Koalition mit der FDP...“
Gelegenheit zur Revanche wird sich bald bieten: Politische „heiße Eisen“ wie Solarförderung, Vorratsdatenspeicherung und die Pflegereform müssen angepackt werden.
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