Musterschüler Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zum Rapport! Bundeskanzelerin Angela Merkel bestellte den Verteidigungsminister zu einem Gespräch ins Kanzleramt ein. Über den Inhalt wurde nichts bekannt. Sicher ist aber, dass zu Guttenberg der Kanzlerin in Sachen "abgeschriebene Doktorarbeit" Rede und Antwort stehen musste.
Denn die Plagiatsvorwürfe weiten sich aus: Zu Guttenberg soll bei 15 (!) Autoren abgeschrieben haben. Unter anderem auch bei seinem Amtsvorgänger Rupert Scholz (CDU).
Mit einem Rücktritt des CSU-Politikers sei nicht zu rechnen, hieß es auch aus Koalitionskreisen. Für den Fall, dass zu Guttenberg eine öffentliche Erklärung zu den Vorwürfen abgebe, soll Angela Merkel ihm Rückendeckung zugesagt haben.
Eine Erklärung verlangt auch Universität Bayreuth von ihrem ehemaligen Doktoranden. Sie setzte ihm eine Zwei-Wochen-Frist, um die immer neuen Vorwürfe aufzuklären. Das frisch aufgesetzte „Guttenplag-Wiki“ listete am späten Donnerstagabend bereits weit über 50 mögliche Plagiatsstellen auf.
Die Union steht weiter hinter ihrem Minister. Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) zeigte sich in Nachrichtensender N24 überzeugt, dass die Vorwürfe politisch motiviert sind. „Es wird parteipolitisch seitens der Opposition ausgeschlachtet. Es ist lächerlich, wenn ein Wissenschaftler meint, er hätte diese Fehler routinemäßig gefunden. Man hat hier gezielt gesucht.“ Das sei lediglich „eine neue Episode in dem bekannten Spiel Schlag' den Guttenberg“.
SPD-Fraktionsvize Gernot Erler sah indes eine „gefährliche Erosion“ von Guttenbergs Amtsautorität. Dies werde zwangsläufig die Frage aufwerfen, „wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sich die Bundeskanzlerin fragen muss, wie lange sie dieser Entwicklung noch tatenlos zusehen kann“.
Zu Guttenberg hat sich nach seiner Rückkehr aus Afghanistan noch nicht wieder zu den Vorwürfen geäußert. Statt bei einem Wahlkampftermin vor etwa 600 CDU-Anhängern in Sachsen-Anhalt zu reden, musste er bei Angela Merkel vorsprechen.
Der stellvertretende CDU-Fraktionschef Holger Stahlknecht sagte zu den Wartenden, das Ministerbüro habe um 18.25 Uhr angerufen und mitgeteilt, dass „Guttenberg in Berlin unabkömmlich ist“. Guttenberg sei erst gegen 17 Uhr von seinem Kurztripp nach Afghanistan wieder in Berlin gelandet.
Sowohl Stahlknecht als auch der CDU-Spitzenkandidat, Wirtschaftsminister Reiner Haseloff, sagten, sie hätten den ganzen Tag mit dem Ministerbüro im Kontakt gestanden. Die Absage sei offenbar eine Ad-hoc-Entscheidung gewesen. Die Veranstaltung sei lange vorbereitet worden und sollte einer der Höhepunkt im CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt sein, sagte Haseloff mit Bedauern.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat bisher nur eine schriftliche Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen gegen ihn abgegeben. Sie wurde am Mittwoch nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Affäre veröffentlicht. Hier der Wortlaut:
„Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen. Und sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meiner Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu. Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.“
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