Alle gegen Amazon: Seit der ARD-Doku über die Arbeitszustände und schlechte Behandlung von Leiharbeitern steht der Internet-Versandhändler im Dauerfeuer der Kritik. Doch jetzt melden sich (ehemalige) Amazon-Mitarbeiter zu Wort: Die Zustände seien gar nicht so schlimm – viele Szenen sollen in der Reportage falsch dargestellt worden sein.
Silvana Cerrada war eine Hauptfigur in der „Ausgeliefert!“-Doku: Die damalige Leiharbeiterin sprach unter ihrem echten Namen über miese Verträge, bedrohliche Sicherheitskräfte und die Unterbringung in einem Ferienpark. Doch hier sei einiges verzerrt worden, wirft Silvana Cerrada den Reportern jetzt vor.
Reporter wollten nur Negatives sehen
„Vieles ist zwar wahr, aber vieles ist auch sehr verdreht dargestellt“, sagte die Spanierin dem „Kreisanzeiger Bad Hersfeld“. Einige Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen und somit verfälscht gesendet worden: „Oft war das dann das Gegenteil von dem, was ich gesagt habe.“ Das gelte vor allem für die Darstellung der Unterbringung, hier hätten die Reporter nur das Negative sehen wollen, glaubt Cerrada.
Sie wurde in dem Bericht beim Schlafen auf der Couch gezeigt – angeblich konnte sie nicht in ihrem Bett liegen. „In Wahrheit habe ich dort meine Siesta gemacht. Das Wohnzimmer hat ein großes Fenster mit Blick auf den Wald, man hört die Vögel, das fand ich sehr schön.“
„Nein, es gefällt mir hier“
Silva Cerrada stellt klar, dass sie sich im Ferienpark wohl gefühlt habe – aber das wollten die Fernseh-Macher ihrer Meinung nach nicht hören: „Ich habe immer geantwortet: Nein, das ist kein Problem, es gefällt mir gut hier. Aber das wurde im Fernsehen nicht gezeigt.“
Sie seien weder eingesperrt noch im Keller „abgefüttert“ worden, hätten sich wie ganz normale Gäste verhalten können. Cerrada schwärmt fast von der Unterbringung, dem Schwimmbad, Kicker-Tischen und Fahrrädern für Ausflüge. Möglicher Hintergrund: Die Spanierin arbeitet mittlerweile im Seepark-Hotel, fing dort an, nachdem sie bei Amazon ihren Job verloren hatte.
Festessen mit Klößen und Gänsekeule
Doch nicht nur sie nimmt Amazon öffentlich in Schutz: Auch zwei Festangestellte des Internet-Versandhändlers kritisieren die ARD-Doku: „Da wurde doch fast alles falsch dargestellt, man zeigte nur das Negative“, sagt Maik Dippel gegenüber der Zeitung „HNA“. Er arbeitet seit zehn Jahren bei Amazon, spricht von einem „sozialen Arbeitgeber“. Auch seine Freundin nimmt das Unternehmen in Schutz, arbeitet ebenfalls „gerne“ dort.
Zwar gebe es unter den Leiharbeitern schwarze Schafe, sie würden jedoch alle gut behandelt. Dippel erzählt von kostenlosen Getränken bei der Arbeit, gelegentlichen Festessen mit Gänsekeule und Klößen, einer jährlichen Auto-Verlosung unter den Arbeitern.
Die Autoren des Films bleiben aber bei ihrer Darstellung: Sie könnten die Aufregung um „Ausgeliefert!“ zwar verstehen, widersprechen aber Vorwürfen, dass sie Dinge verfälscht hätten. Peter Onneken und Diana Löbl sagten gegenüber „HNA“, die beanstandete Sofa-Szene sei zwar verkürzt gewesen – aber nicht falsch dargestellt.
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