Tiflis - Im Kaukasus herrscht Krieg! Mit Kampfjets, Panzern und schwerer Artillerie griffen georgische Soldaten am Freitag die abtrünnige Provinz Südossetien an.
In der Hauptstadt Zchinwali wurden Kliniken und Wohnhäuser in Schutt und Asche geschossen. Russland, das sich als Schutzmacht Südossetiens versteht, schlug zurück - und schickte Truppen, Panzer und Bomber über die Grenze.
Georgische Soldaten brachten zunächst weite Teile Südossetiens unter ihre Kontrolle. Das ließ sich der Kreml nicht bieten: Aus Peking, wo er die Eröffnung der Olympischen Spiele mitfeierte, gab Russlands mächtigster Mann, Regierungschef Wladimir Putin, den Befehl zur „Vergeltung“. Er ließ Panzerverbände in Südossetien einmarschieren und Luftangriffe auf Ziele in Georgien fliegen.
Russlands Präsident Dmitri Medwedew bekräftigte später: „Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen.“ Bei den Kämpfen sollen bereits mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen sein - darunter viele Zivilisten. Die Behörden in Südossetien sprechen von 1400 Toten.Georgiens Präsident Michail Saakaschwili ordnete die Mobilmachung an, ließ zudem 1000 Elitesoldaten aus dem Irak abziehen.
Südossetien, das etwa eineinhalb Mal so groß wie das Saarland ist, gehört völkerrechtlich zu Georgien. Zwei Volksabstimmungen, bei denen eine große Mehrheit für Unabhängigkeit votierte, wurden international nicht anerkannt. 90 Prozent der Bewohner Südossetiens haben einen russischen Pass. Südossetiens Präsident Eduard Kokojty fordert eine unabhängige Republik nach dem Vorbild des Kosovo, das sich von Serbien lossagte.
Wie gefährlich ist die Lage? Alexander Rahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: „Ein dritter Weltkrieg wegen Südossetien, eines Landes kaum größer als Mallorca, ist völlig ausgeschlossen. Bei dem Konflikt geht es vor allem um Öl und Gas, um Einfluss in der Region. Georgiens Präsident Saakaschwili möchte als dasjenige Staatsoberhaupt in die Geschichte eingehen, das das Land wiedervereinigt hat.“
Allerdings könnten die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland leiden. Rahr: „Das Verhältnis des Westens zu Russland, ich denke da an die strategische Partnerschaft, könnte belastet werden. Allerdings sind die Möglichkeiten des Westens begrenzt. Russland hat inzwischen so viel Geld, dass Sanktionen nichts bringen.“
Eine Lösung des Kaukasus-Konflikts - schwierig. Rahr: „Es gibt kein oberstes Schiedsgericht - auch die Uno nicht. Der Konflikt ist 20 Jahre alt. Die einzige Möglichkeit ist, die Situation für weitere 20 Jahre einzufrieren. Auch Deutschland hat 40 Jahre auf die Wiedervereinigung gewartet.“
Auswirkungen des Krieges könnten wir aber zu spüren bekommen. Vor drei Jahren wurde eine wichtige, 1800 Kilometer lange Pipeline in Betrieb genommen, die Öl aus Aserbaidschan über Georgien bis an die türkische Mittelmeerküste transportiert. Würde diese Leitung unterbrochen, dürfte der gerade erst gesunkene Ölpreis wieder kräftig steigen.
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