Jetzt beginnt der Zoff um die Suche nach einem neuen Bundespräsidenten. Im Mittelpunkt der Diskussion steht der DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck.
In der Koalition kracht es. Die FDP-Spitze hat sich einstimmig für Joachim Gauck als möglichen Wulff-Nachfolger ausgesprochen. Die Union dagegen lehnt den Theologen ab.
Die schwarz-gelbe Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist durch den Streit offenbar in die tiefste Krise seit ihrem Bestehen gestürzt. Die Koalition sei ernsthaft in Gefahr, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Berlin am Sonntagabend aus Kreisen der Union und der FDP.
• Aus Unionskreisen hieß es am Sonntag, Gauck, der 2010 gegen den am Freitag zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff kandidiert hatte, sei CDU und CSU nicht zu vermitteln. Die Liberalen dagegen lehnen die von der CDU/CSU vorgeschlagenen Kandidaten - Altbischof Wolfgang Huber und CDU-Politiker Klaus Töpfer - ab.
• Gauck ist ebenfalls der Favorit der Sozialdemokraten.
• Auch bei den Bürgern ist Gauck hoch angesehen: Für knapp die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) ist der evangelische Pfarrer ein geeigneter Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für die Sendung „Günther Jauch“.
• Und was sagt Gauck selbst? Nach Informationen der „Leipziger Volkszeitung“ (Montag-Ausgabe) habe er sich gegenüber politischen Gesprächspartnern von SPD und Grünen zur neuerlichen Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten bereit erklärt. Bedingung: Es müsse gewährleistet sein, dass er nicht als streitiger Kandidat zwischen großen Lagern gelte. Dann könne er sich vorstellen, „durch den selben Fluss noch einmal zu gehen“, zitierte ein führender Parteipolitiker aus dem rot-grünen Lager Gauck.
• Wie geht es jetzt weiter? Die Spitzen von Union und FDP treffen sich am Sonntag um 20.30 Uhr mit SPD und Grünen im Kanzleramt, um über einen gemeinsamen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt zu beraten. Auf der Liste stünden noch der CDU-Politiker Klaus Töpfer und der ehemalige evangelische Bischof Wolfgang Huber. Es könne aber auch noch ein ganz neuer Name genannt werden, hieß es.
• In der Union hieß es, trotz aller Streitigkeiten werde daran festgehalten noch am Sonntag oder Montag einen parteiübergreifend anerkannten Kandidaten zu finden.
Der evangelische Pfarrer und DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck ( geboren am 24. Januar 1940 in Rostock) ist parteilos und gilt als unabhängiger Kopf und brillanter Rhetoriker.
Bei der Bundespräsidentenwahl 2010 unterlag er knapp Christian Wulff. SPD und Grüne hatten ihn damals als überparteilichen Konsens-Kandidaten für das Amt vorgeschlagen.
Bis 2000 betreute er als späterer Bundesbeauftragter die Stasi-Unterlagenbehörde, nach ihm kurz Gauck-Behörde genannt.
Privat lebt Gauck seit 1991 getrennt von seiner Frau, ist aber nicht geschieden. Gemeinsam haben sie vier erwachsenen Kinder.
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